SGSH: Flexibilität hat einen Namen

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Zu Abwechslung mal im rechten Rückraum, später dann auf der Linksaußen-Position: Abwehrchef Maciej Dmytruszynski (hier im Zweikampf mit NHV-Akteur Thomas Bahn) hilft aktuell vorne immer gerade da, wo er am meisten gebraucht wird.

Schalksmühle - In der Jubeltraube, die sich am Samstagabend vor der Tribüne an der Mühlenstraße gefunden hatte, ragte er qua Körpergröße heraus: Maciej Dmytruszynski war vielleicht nicht der beste Spieler auf dem Parkett gewesen – mit dieser Einschätzung würde man Dominik Formella zu nahe treten –, wohl aber hatte er das entscheidende 26:25 geworfen.

Und auch das passte gut zu diesem Abend und diesem Zittersieg der SG Schalksmühle-Halver gegen den Neusser HV. Dmytruszynski ist inzwischen 35 Jahre alt, er schafft es nicht mehr, das hohe Tempo 60 Minuten lang auf und ab zu gehen. Und doch ist er so wichtig für die SGSH – weil er aktuell der flexibelste aller SGSH-Handballer zu sein scheint. Oder besser: Weil er wie kein anderer Flexibilität beweisen muss. In der Not, als sich nach Florian Diehl auch noch Lutz Weßeling verletzt hatte, war er auf einmal wieder die Nummer eins im linken Rückraum. Dabei sollte derlei nur noch sporadisch seine Aufgabe sein. Eigentlich ist Dmytruszynski ja der Chef im Abwehrzentrum. Derjenige, der hinten das Sagen hat – ohne Wenn und ohne Aber. Am Samstag nun bei gesundeten Halbangreifern durfte er also erst nur verteidigen, dann kam es ihm zu, Kristian Eskericic im rechten Rückraum zu ersetzen.

 Julian Mayer war da keine Option, der Abwehr-Konstellation wegen. Damit nicht genug, tauchte der 2,02-Meter-Mann später auf der linken Außenseite auf. „Ich habe mich mit Natko Merhar nicht recht getraut“, sagte Cheftrainer Mathias Grasediek nach dem Spiel mit Blick darauf, auf den jungen, angeschlagenen Kroaten verzichtet zu haben, „ich hatte nicht gedacht, dass wir Gefahr laufen würden, das Spiel auf Linksaußen zu verlieren...“ Als genau dies drohte, weil Tobias Fleischhauer weiter formschwach war und Moritz Eigenbrodt nach toller erster Hälfte die Dinge defensiv nicht mehr in den Griff bekam, da tauchte Dmytruszynski auf der linken Außenbahn auf. Immer mal was Neues. In seiner Karriere hat der polnische Ex-Internationale, der einmal für Dormagen in der 1. Bundesliga einen Siebenmeter in der Schluss-Sekunde zum Sensations-Unentschieden in Kiel verwandelt hatte, schon viel erlebt. In Dormagen brauchte man ihn seinerzeit auch für die Defensive, aber im Rückraum gab es bessere Handballer. Also wurde Dmytruszynski Kreisläufer. Warum nicht? Gegen die Neusser nun traf er aus dem rechten Rückraum und dann final zum 26:25 aus der zweiten Welle irgendwo im linken Rückraum. Kein harter Ball, noch dazu in die kurze Ecke. „Eigentlich darf der nicht reingehen“, sagte Co-Trainer Axel Meyrich nach Anschauen des Videos.

Aber der Ball ging rein, was zum Samstagabend passte. Matthias Reckzeh ließ ihn passieren – Reckzeh, ein alter Gefährte vom Dmytruszynski aus Dormagen. Vielleicht hatte der lange Pole, der inzwischen in Dahlerbrück so heimisch geworden ist und seit einigen Wochen in Halver auch den F-Jugend-Nachwuchs trainiert, in dieser letzten Sekunde einfach nur Glück. Vielleicht aber war es sogar ein bewusster Wurf – im Wissen um die Schwächen Reckzehs.

Sei’s drum: Nach Wochen, in denen Dmytruszynski beißen musste wie kein anderer Spieler bei der SGSH, hatte es auch kein anderer Spieler so sehr verdient, diesen Schlusspunkt zu setzen. Außer Dominik Formella vielleicht. Der schafft zwar aktuell Außergewöhnliches, das Erzielen finaler Tore allerdings zählt (noch) nicht zum Repertoire des zweiten Ex-Dormageners im Tor der SGSH...

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