Lünsche-Trio kickt in Junioren-Bundesliga

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An die 45. Spielminute seiner Premiere für die TSG Sprockhövel gegen Schalke 04 wird sich Sandro Steglich (Mitte) wohl ewig erinnern können. Er köpfte den Ehrentreffer für sein Team bei der 1:6-Niederlage gegen den Deutschen Meister.

Lüdenscheid - Ein Torerfolg, 90 Spielminuten auf der Tribüne und Sightseeing auf Klassenfahrt in Oxford – die Lüdenscheider Sandro Steglich (17 Jahre), Marc Linneboden (16) und Jeffrey Boatey (17) erlebten den A-Junioren-Bundesliga-Saisonauftakt der TSG Sprockhövel gegen den amtierenden Meister Schalke 04 aus verschiedensten Perspektiven.

Seit diesem Sommer stehen die drei Fußballer in Diensten der Bundesliga-Junioren der Turn- und Sportgemeinschaft. Am vergangenen Sonntag stand jedoch nur einer von ihnen im Mannschaftskader für das erste Saisonspiel.

Es läuft die 45. Spielminute im Gevelsberger Stadion Stefansbachtal. Die U19-Junioren des FC Schalke 04 führen bereits 2:0, eine letzte Flanke vor der Halbzeitpause aus dem rechten Halbfeld vor das Schalker Tor, Sandro Steglich steigt zum Kopfball in die Luft und trifft zum 1:2-Anschlusstreffer. Vorbei am geschlagenen Schalke-Keeper Sascha Algermissen sprintet er mit ausgestreckten Armen in Richtung linker Eckfahne, seine Mitspieler bilden eine Traube um ihn und bejubeln den Treffer für den Überraschungsaufsteiger vor 600 Zuschauern.

Lünsche-Trio in der Junioren-Bundesliga: TSG Sprockhövel gegen Schalke 04

Gemeinsam mit Marc Linneboden war Steglich zu dieser Saison von den Sportfreunden Siegen nach Sprockhövel gewechselt. Linneboden aber verfolgt den Anschlusstreffer von der Tribünen-Perspektive. Gleich in seiner ersten Trainingseinheit für den neuen Verein zog er sich einen doppelten Bänderriss im rechten Sprunggelenk zu, befindet sich momentan im Lauftraining.

Steglichs Treffer soll der letzte dieses Tages auf Seiten der Gastgeber bleiben. Die Gäste aus dem Ruhrpott siegen am Ende 6:1. Alle sieben Treffer muss Jeffrey Boatey, der vom Hombrucher SV nach Gevelsberg gewechselt war, auf seinem Smartphone im Liveticker verfolgen. Der Zwölftklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ist momentan auf Klassenfahrt in Oxford.

„Leider ist die Schule nicht auf die Bitte des Vereins eingegangen, ihn freizustellen“, bedauert TSG-Trainer Patrick Rohde nach dem Spiel. „Natürlich ärgert es ihn, dass er gegen Schalke nicht dabei sein konnte. Er hätte mit Sicherheit von Beginn an gespielt“, so Marc Linnebodens Vater Andreas.

Nach Spielende ist er einer der ersten Gratulanten, die Sandro Steglich für seinen Treffer beglückwünschen. „Was bringt ein Treffer, wenn wir sechs eingeschenkt bekommen?“, entgegnet der Torschütze. Seine Motivation ist spürbar: „Es zählt in dieser Saison nur der Klassenerhalt. Im Gegensatz zu Schalke, Dortmund und Köln spielen wir eben bei einem kleinen Verein ohne Leistungszentrum“, so Steglich über die Saisonziele seines Teams. Die persönlichen Ziele sehen bei den drei Lüdenscheidern ähnlich aus: „Wir wollen in diesem Bundesligajahr sehr viele Erfahrungen für die weitere Karriere sammeln. Vielleicht schafft man den Sprung in ein Team, das in der vierten Liga oder höher spielt – das wäre natürlich ein riesiger Erfolg“, so Steglich.

„Ein riesiger Erfolg“ war der Aufstieg in die Junioren-Bundesliga bereits jetzt: „Wir wurden vier Wochen vor Saisonende zum Probetraining eingeladen, zu diesem Zeitpunkt stand der Sprockhöveler Aufstieg noch gar nicht fest. Dennoch haben wir direkt zugesagt. Als der Trainer im Anschluss des Probetrainings sagte, dass wir nach Sprockhövel wechseln können, war das die Kirsche auf dem Eisbecher“, so Marc Linneboden.

Seit dem 10. Juni geht es für die drei Lüdenscheider nun viermal in der Woche – montags, dienstags, donnerstags und freitags – mit dem Zug zum Training nach Sprockhövel: „Fußball und Freizeit sind schwer unter einen Hut zu bringen. Oft müssen wir nach der Schule direkt zum Bahnhof. Deshalb erledigen wir schulische Dinge häufig im Zug. Viel Freizeit gibt es nicht. Durch die Unterstützung unserer Eltern und Großeltern bekommt man das aber gut hin!“, beschreibt Sandro Steglich den Alltag als Jugend-Bundesligafußballer.

Zum Training gehören auch regelmäßige Videoanalysen der eigenen Spiele und des Gegners: „Der sportliche Alltag ist hier schon sehr professionell. Das merkt man nicht zuletzt an der Erfahrung unseres Trainers, der bereits einige Jahre die U16-Junioren des VfL Bochum trainiert hat“, unterstreicht Steglich, der in diesem Schuljahr mit Jeffrey Boatey sein Abitur absolviert.

An normales Training kann Marc Linneboden vorerst nicht denken: „Wir haben einen Physiotherapeuten, der die Verletzung behandelt. Ich konnte bereits mit dem Lauftraining anfangen, nächste Woche kann ich vielleicht schon ein paar Übungen mit dem Ball absolvieren.“

Am kommenden Sonntag haben die Lüdenscheider erneut ein Heimspiel – dann kommt der 1. FC Mönchengladbach. In der darauffolgenden Woche geht es zum 1. FC Köln.

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