7. Lüdenscheider Schachtage

Kiersper überrascht die Großmeisterin

+
Josefine Heinemann (rechts) im zweiten Spiel gegen Jan Wiemer - diesmal behält die Nationalspielerin die Oberhand.

Lüdenscheid – Dass eine Schachpartie mitunter anstrengend sein kann, ist für den Außenstehenden auf den ersten Blick nicht immer direkt nachvollziehbar. Bei einer Simultanpartie dagegen ist die Anstrengung greifbar. Da hat Schach nichts Ruhiges, erst recht nicht für denjenigen, der gegen zehn oder 20 Spieler auf einmal antritt.

Josefine Heinemann saß nach ihrem ersten Simultanmatch zum Auftakt der Schachtage im Stern-Center dann auch ein wenig geschafft da. Gut 20 Partien hatte die deutsche Nationalspielerin in zwei Stunden absolviert, eine einzige davon verloren. Und nun schaute sie nach, wer denn derjenige gewesen war, der sie bezwungen hatte. Der sie überrascht hatte, denn natürlich lebt der Außenseiter beim Simultanmatch auch immer ein wenig vom Überraschungsmoment. 

„Man weiß ja nie, wer vor einem sitzt“, erklärt Heinemann und meint damit die Spielstärke ihrer Kontrahenten. Bei Gegnern, die direkt mit den ersten Zügen den Eindruck vermitteln, gutes Schach zu spielen, ist der Alleinkämpfer im Simultanmatch besonders auf der Hut. Gegen die vermeintlich etwas schwächeren Gegner wird schon mal schneller gezogen. Und nun also wunderte sich Heinemann. „Denn die ersten Züge waren unorthodox“, sagte sie – mit anderen Worten: Die ersten Züge ließen sie nicht erkennen, dass es schwer werden würde an diesem Brett. Heinemann: „Und dann hat er richtig stark angegriffen – da gab es dann auch nichts mehr für mich...“ 

Dieser unorthodoxe Angreifer, der die 20-Jährige bezwungen hatte, war der Kiersper Bezirksliga-Spieler Jan Wiemer gewesen. Der freute sich still und sah zufrieden aus, auch wenn er eine zweite Partie gegen Heinemann am Ende verloren hatte. Der Sieg gegen die ehemalige deutsche Jugendmeisterin und weibliche Großmeisterin aus Mannheim konnte dem Kiersper niemand nehmen. Simultanschach ist im Rahmen der Schachtage ein doppelter Magnet. Zum einen, weil die Matches viele Aktive anlocken. Zum anderen aber bleiben auch viel mehr Kiebitze stehen als zum Beispiel bei den abendlichen Blitzturnieren. 

Das Teilnehmerfeld beim Simultanspiel war sehr gemischt.

Auch deshalb, weil hier alles nicht so schnell geht. Und natürlich, weil diese Spielform besonders faszinierend ist: Einer gegen alle. Und diese Eine bleibt trotzdem fast immer siegreich. Für Josefine Heinemann ist Simultanschach eine nicht zu ernste Abwechslung zum normalen Turnierschach – rund ein Simultanmatch im Jahr hat sie zuletzt gespielt. Nun werden es mehr, denn Heinemann ist alleine bei vier Schachwochen des Faszination-Schach-Teams dabei und wird in diesem Rahmen auch stets simultan gegen viele spielen. 

Besonders in Erinnerung behalten hat die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin eine Partie im Berliner Hauptbahnhof. „Es waren dort gar nicht mal so viele Gegner, aber die, die gespielt haben, waren sehr stark. Da habe ich auch manche Partie verloren“, erinnert sie sich und fügt mit Blick auf ihr Lüdenscheider Ergebnis hinzu, „für mich ist es grundsätzlich nicht ganz so schlimm, wenn beim Simultan auch mal eine Partie verloren geht.“ 

Sebastian Siebrecht spielt am Mittwoch simultan

Die Simultanspiele werden bei den Schachtagen im Stern-Center weiterlaufen bis zum Samstag. Am Mittwoch tritt Großmeister Sebastian Siebrecht ab 16.30 Uhr zum Simultanspiel an, am Donnerstag ab 16.30 Uhr nochmals Josefine Heinemann, am Samstag ab 15 Uhr gibt es zum Abschluss ein Doppel-Simultan, in dem Siebrecht und Heinemann abwechselnd die Züge machen. Die Sauerländer haben in den Schachtagen noch drei Möglichkeiten, diese besondere Faszination zu erleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare