5. Lüdenscheider Schachtage

Die Einer-gegen-alle-Faszination

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Mara Jelica beim Simultanmatch in Lüdenscheid: 25 Spiele, 21 Siege, vier Niederlagen.

Lüdenscheid - Einer gegen alle, und dieser Eine in der Heldenrolle, das gibt es auch beim Schach. Simultanschach nennt sich die Spielform, in der ein Spieler gleichzeitig gegen viele antritt. Bei den Schachtagen in Lüdenscheid ist Simultanschach seit der Premiere im Jahr 2013 immer Publikumsmagnet.

An den ersten beiden Tagen heißt es nicht „Einer gegen alle“, sondern „Eine gegen alle“: Die fünffache Deutsche Jugendmeisterin Anna Endreß eröffnet am Montag die Simultanreihe eindrucksvoll, am Dienstag dann spielt die WIM (weibliche Internationale Meisterin) Mara Jelica wie schon im Vorjahr gegen die Sauerländer. 

Jelica ist kroatische Nationalspielerin – sie nimmt das Ganze locker: „Man weiß ja nie, wer einem gegenübersitzt.“ Die Spieler haben ein Gesicht, aber über ihre Spielstärke weiß der Favorit nichts. Es sind Hobbyspieler dabei, die unkonventionelle und mitunter auch schwache Züge machen, aber es findet sich eben auch der ambitionierte Vereinsspieler, gegen den es zäh werden kann – gerade dann, wenn man einmal nicht gut steht. Andersherum kann sich der Vereinsspieler theoretisch sogar auf seine Gegnerin vorbereiten und weiß genau um deren Stärke.

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5. Lüdenscheider Schachtage im Stern-Center (2. Tag)

5. Lüdenscheider Schachtage im Stern-Center (2. Tag)

Die Zielsetzung also? „Einfach spielen“, stellt Jelica vor dem Start fest, um dann von Sieg zu Sieg zu eilen. 21 Siege in 25 Spielen, vier Niederlagen. Hinter einem unbekannten Gesicht verbirgt sich Jamel Hellwig, Verbandsklassen-Akteur der SG Lüdenscheid. Er gewinnt an diesem Tag ebenso wie Leo Miller, Miron Naujoks und Christos Moukagiadis, drei Simultan-Stammgäste der vergangenen Jahre, gegen Jelica. 

Am Montag ist der Andrang an den neun Brettern fast noch größer. Gegen immer neue Gegner ist es eine veritable Anstrengung für Anna Endreß, bis nach zweieinhalb Stunden 23 Siege, ein Remis und eine Niederlage zu Buche stehen. „Ein bisschen Kopfschmerzen“ hat die 23-Jährige dann nach ihrem Rundlauf in der Einkaufsmeile, in der es naturgemäß nicht so ruhig ist wie im Schachturniersaal. Dass ausgerechnet zur Simultanpartie ein älterer Herr auf einer benachbarten Sitzgelegenheit Platz nimmt und ältere Lieder singt, ist dann aber doch eine kleine Besonderheit. Endreß bleibt trotzdem konzentriert und am Brett konsequent. 

Am Donnerstag ist sie noch einmal dran. Rund 20 Simultan-Spiele macht die deutsche Nationalspielerin allein im Rahmen der Schachwochen mit dem Faszination-Schach-Team von Sebastian Siebrecht. Anna Endreß hat auch schon einmal im Auswärtigen Amt ein Simultanmatch gespielt. Viele Politiker waren unter den Gegnern. „Ein noch stärkeres Feld als hier“, sagt sie. Aber das Wasser reichen konnten ihr auch dort nur die wenigsten. Zweieinhalb Punkte in 30 Partien hat sie abgegeben. Nicht viel mehr als im Lüdenscheider Stern-Center. 

Die Simultanreihe geht am Mittwoch um 16.30 Uhr weiter. Wieder werden die Kiebitze stehen bleiben und zuschauen, wenn sich die Akteure den Kopf zerbrechen. Auf der einen Seite die vielen, auf der anderen Seite diesmal der Großmeister selbst. Sebastian Siebrecht gegen alle, spielend und dabei gleichzeitig für die Kiebitze kommentierend – mit spielerischer Leichtigkeit. Schach als Showact, fesselnd und irgendwie auch ein bisschen geheimnisvoll. Oder, um es mit dem Motto der 5. Schachtage im Center zu sagen: „Matt, aber glänzend.“

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