Einer-gegen-alle-Faszination als Zuschauermagnet

Alisa Frey (links) spielt simultan, Sebastian Siebrecht kommentiert – und alle Beteiligten haben im Stern-Center großen Spaß.

LÜDENSCHEID - Schach ist vielfältig. Es gibt Spieler, die können Stunden über einer Partie sitzen und über Züge grübeln. Dann gibt es die Aktiven, denen schon ein Fünf-Minuten-Blitz zu lang ist. Und es gibt eine Spielart ohne Uhr, die bei den 2. Schachtagen im Stern-Center immer nachmittags in den Fokus rückt: Simultanschach.

Von Thomas Machatzke 

Alisa Frey ist die Deutsche Vizemeisterin des Jahres 2011. Am Mittwochnachmittag hat sie es am Brett nicht mit anderen Frauen zu tun, sondern mit einer bunten Gegnerschaft aus dem Sauerland. Im Stern-Center sind die Bretter inmitten der Einkaufsmeile aufgebaut. Frey läuft immer wieder neu an ihnen vorbei. Wenn sie stehenbleibt, dann ziehen ihre Gegner. Frey schaut kurz aufs Brett und macht auch einen Zug.

„Eigentlich spiele ich nicht so oft Simultan“, sagt die Studentin aus Köln. Jedes Simul-tanmatch ist für den Aktiven eine neue Herausforderung. Im Stern-Center sitzen Gegner und machen Züge – aber über die Spielstärke weiß Frey nichts. An einem Brett sitzt Saidul Hasan. Er ist erst vor kurzem aus Bangladesh gekommen. Heute wohnt der 19-Jährige in Herscheid. Er ist kein Vereinsspieler, am Anfang lässt Frey den jungen Mann sogar einen Zug zurücknehmen. Danach aber spielt Hasan immer besser – und bald ist er der erste Aktive an diesem Nachmittag, der gegen Alisa Frey einen Sieg feiern darf. Die erste echte Überraschung ist perfekt.

Die nächste Niederlage für Frey ist bei genauerem Hinsehen eigentlich keine überraschende: Dirk Jansen schafft einen Sieg. Jansen spielt in der NRW-Klasse für Plettenberg. Im Schach gibt es einen Spielstärkemesser – die Deutsche Wertungs-Zahl, die ist bei Jansen sogar höher als bei Frey. Auch der folgende Sieg von Volker Schmidt – Verbandsklassen-Spieler des MS Halver-Schalksmühle – ist ein gar nicht so unnormales Ergebnis. Am Ende gibt Frey außerdem gegen Thomas Orlik eine Partie remis. Von 20 Partien hat sie 16 gewonnen, eine remisiert und nur drei verloren. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Entsprechend fällt der Applaus der Spieler und Kiebitze im Stern-Center dann auch aus.

Siebrecht verliert eine von 25 Partien

Täglich ab 16.30 Uhr kommt es bei den 2. Lüdenscheider Schachtagen zu diesen interessanten Simultan-Konstellationen. Am zweiten Tag stellt sich Großmeister Sebastian Siebrecht – der Chef der Schachtage – selbst zum Simultanmatch. Beim Blick in die Reihen ist er gewarnt. Saidul Hasan und Dirk Jansen sind wieder dabei, daneben weitere höherklassige Spieler wie der in der Jugend-Bundesliga Aktive Valerian Giraud, MSHS-Aktive wie Ralph Kämper und Tugay Evsan oder einige weitere sehr spielstarke Plettenberger.

Siebrecht, der am vorherigen Tag noch die Züge von Frey und ihrer Gegnerschaft kommentiert hat, läuft nun selbst im Kreis. Er ist nicht nur ein guter Schachspieler, er ist auch ein guter Entertainer. So kommentiert Siebrecht seine Züge selbst und macht so die Passanten aufs Schachspiel aufmerksam. Es gibt viele, die stehenbleiben und schauen. Siebrecht hat schon fünf Stunden Jugendtraining im Center hinter sich, aber er ist ein Kämpfer. Nur einmal muss er sich nach einer Unachtsamkeit geschlagen geben – gegen Bezirks-Einzelmeister Marc Schulze (Plettenberg). Gegen Dirk Jansen (Plettenberg), Ralph Kämper (MS Halver-Schalksmühle) und Hermann Polig (SG Lüdenscheid) macht er Remis. So steht eine 22,5:2,5-Bilanz zu Buche. Ein gutes Ergebnis für Siebrecht – und ein großer Spaß für alle Beteiligten.

Die 2. Lüdenscheider Schachtage im Stern-Center

Auch am Freitagnachmittag wird im Stern-Center ein Simultanmatch stattfinden. Zu Gast ist der „Mister Europacup“, Ilja Zaragatski. Der deutsche Großmeister russischer Herkunft spielt wie Siebrecht auch für den Bundesligisten SF Katernberg. Ab 16.30 Uhr stellt er sich dem Match mit den Gegnern aus dem Sauerland.

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