Kreisspruchkammer verhängt drei lange Sperren

Lüdenscheid - Groß war der Jubel vor gut drei Wochen beim C-Ligisten Türkiyemspor (TSP) Plettenberg, denn durch einen 5:1-Erfolg beim TuS Ennepe II wurde auf der Friedrichshöhe der vorzeitige Aufstieg in die B-Liga perfekt gemacht. Nichts zu lachen gab es indes am Montagabend in der Lüdenscheider Gaststätte „Friedrichshof“, denn gleich drei Plettenberger Kicker wurden von der Kreisspruchkammer (KSK) für lange Zeit „auf Eis“ gelegt.

Von Marc Kusche

Wegen tätlichen Angriffs auf Gegenspieler wurden zwei Spieler für ein Jahr bis zum 26. Mai 2015 gesperrt, ein weiterer gar für 18 Monate bis zum 26. November 2015. Dazu verhängte die KSK gegen den Verein Türkiyemspor wegen grob unsportlichen Verhaltens und tätlichen Angriffs seiner Zuschauer auf Spieler ein Ordnungsgeld von 500 Euro.

Grundlage für diesen Fall war ein Sonderbericht von Schiedsrichter Ulrich Schlieper, der detalliert die Vorkommnisse nach der Partie zwischen Türkiyemspor und TSV Herscheid vom 13. November 2013 beschrieben hatte. Eine erste Verhandlung am 7. April war noch vertagt worden, nachdem Adem Tekir, Vorstandsmitglied des TSV Herscheid, urplötzlich ein Video präsentiert hatte. Das schauten sich die KSK-Mitglieder damals kurz an, leiteten daraufhin zwei weitere Verfahren gegen Türkiyem-Mitglieder ein.

Am Montag nun fehlten mit Schiri Schlieper und Tekir zwar zwei geladene Zeugen sowie zwei von fünf beschuldigten Plettenberger Akteuren, dennoch wurde verhandelt, zumal TSP-Vorstandsmitglied Mustafa Kayhan sein Einverständnis gab, dass gegen die zwei nicht erschienenen Beschuldigten in Abwesenheit verhandelt werden kann.

Und was war am 13. November passiert? Nach Spielende – die Herscheider Spieler waren auf dem Weg zu ihrer Kabine –, wurden sie von Plettenberger Zuschauern attackiert. Vermeintlich deswegen, weil sie vom Herscheider Kapitän beleidigt worden waren, was sich in der Verhandlung indes nicht erhärtete. Zu den Zuschauern gesellten sich dann auch noch aus der Kabine zurückgekehrte TSP-Spieler, und es begann insbesondere eine tumultartige Jagd auf den TSV-Kapitän, der erhebliche Verletzungen an Rücken und seitlichem Oberkörper davontrug. Zweifelsfrei identifizierte der TSV-Spieler einen TSP-Akteur, der ihn mit einer Art Karatesprung attackiert hatte, über das Video wurde zwei weitere TSP-Kicker als Hauptagressoren entlarvt. Einer davon schlug derart drein, dass die KSK gar überlegte, ihn „lebenslänglich“ zu sperren. Letztlich beließ man es für den Spieler, der mittlerweile auch vom TSP suspendiert worden ist, bei 18 Monaten, die beiden anderen kamen mit einem Jahr davon. Freigesprochen wurden derweil der TSV-Kapitän (Verdacht der Beleidigung) sowie zwei weitere TSP-Kicker, die glaubhaft versichern konnten, dass sie sich nicht an den Tumulten beteiligt hatten.

Nachdem es schon in der Vorsaison zu Ausschreitungen bei diesem Spiel gekommen war, zudem das vor zehn Tagen angesetzte Rückspiel aus Sorge vor erneuten Vorkomnissen vorsichtshalber abgesetzt wurde, richtete KSK-Vorsitzender Heiko Kölz eindringliche Worte an beide Vereine: „Sehen Sie zu, dass sich Ihr Verhältnis wieder normalisiert. Es kann nicht sein, dass wegen einer privaten Geschichte zwischen einem TSP-Mitglied und TSV-Spieler kein Fußball mehr gespielt wird.“

Ganz abgeschlossen ist der Fall ohnehin noch nicht, denn gegen einen damaligen TSP-Betreuer, mittlerweile 2. Vorsitzender, soll getrennt ermittelt werden, da er bei den Tumulten ebenfalls mitgemischt haben soll.

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