Motorsport

Kein "Dinner for one"

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Rolf Krepschik, Mechaniker Reiner Turk, Hans Ebke und H.W. Pfeiffer während eines Laufs zur Tourenwagen-EM mit dem 02er BWM.

Lüdenscheid - Runder Geburtstag, aber kein Jubiläum - das ist erst in einem Jahrzehnt fällig. Bereits am 13. September war der Automobilclub Lüdenscheid, seit 1951 auch Ortsclub des ADAC, 90 Jahre alt geworden. Im September allerdings lief noch die Motorsportsaison, und darum wird der Geburtstag erst am Samstag gefeiert.

Mit 80 geladenen Gästen – Mitglieder nebst Partnern und Sponsoren – in großem Rahmen für einen kleinen Verein wie den AC Lüdenscheid mit aktuell knapp 40 erwachsenen Mitgliedern.

Dass es den ACL überhaupt noch gibt, ist einer Initiative im letzten Jahrzehnt zu verdanken. Denn der Verein hatte seine Blütezeit in den 70er und 80er Jahren mit vielen aktiven Piloten und Co-Piloten bei Slaloms, Rundstreckenrennen und Rallyes.

Vereinsbosse waren Wolfgang Köster und Herrmann Bracht zu jener Zeit, bevor Caspar D. Schulte für 34 Jahre übernahm. Sportwarte Peter A. Borlinghaus und Bernd Schuller und als Motorsportler machten sich eine ganze Reihe ACL-Aktiver einen Namen. Zum ersten Mal beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring starteten Wolfgang Köster, Hermann Bracht und Peter A. Borlinghaus noch mit dem Körsterschen Privatwagen. Beim BMW 2002 ti ging freilich wenige Tage vor dem Rennen der Motor kaputt. Bei BWM Wietis weigerte sich der Chef, später großer Unterstützer der Motorsportler – auf die Schnelle ein neues Triebwerk zusammenzusetzen, fürchtete um die Standfestigkeit. Das Fahrertrio aber überredete mit Rolf Krepschik einen Mechaniker zum Reparatur-Marathon. Der Einstieg in die Hobby-Motorportkarriere des später mehrfachen STT-Siegers und heutigen Promotors der Spezial-Tourenwagen-Trophy, der alsbald seine Schrauber-Tätigkeit mit dem Platz am Volant tauschte. Weitere Einsätze auf dem Ring gab’s in den 70ern bei den 24-Stunden, auch mit neuen Fahrern wie Hans Ebke, der einen Simca Rallye zum Renneinsatz brachte, zudem Auftritte bei der Tourenwagen-EM.

Allerdings widmete sich ein anderer Teil der Motorsportler verstärkt dem Rallyesport. Manfred Gronau etwa brachte es als Co-Pilot sogar zum Deutschen Meistertitel, auch Roland Bracht pilotierte Rallyefahrzeuge, Dietmar Hartschwager favorisierte Auto-Slaloms, an denen auch Manni Gronau mit einem BMW 700 LS teilnahm. Mehrfach fungierte der ACL als Gastgeber dieser Slaloms: Auf dem heutigen engen Gelände von Mercedes Jürgens, damals Linnepe, oder auf dem neuem Busch Jaeger-Areal am Freisenberg.

„Ein bisschen splitterte die Leidenschaft auseinander, zwischen den Rallyespezialisten und den Rundstreckenpiloten“, begründet Rolf Krepschik, warum er seine motorsportlichen Zelte zwischenzeitlich wie der Bergstädter Oliver Söhnel vom AC Lüdenscheid hin zum AC Radevormwald im ADAC Nordrhein verlagerte. In Lüdenscheid blieb die Rallye-Fraktion hängen. Aber nach und nach verblasste der Ruhm und aktive Einsätze wurden rar, auch die Clubausflüge zu Motorsportereignissen, die vor allem die passiven Mitglieder an den Verein gebunden hatten, „schliefen ein.“

Resultat waren monatliche Clubabende im neuen Jahrtausend, die kaum mehr ein halbes Dutzend Mitglieder besuchten. In den letzten Jahren aber tut sich wieder was beim ACL: „Es musste einfach was passieren, um den Club zu beleben“, sagt der heutige Vorsitzende Holger Niklas, der zwar erst seit 2010 an Bord ist, aber bald in den Vorstand gewählt wurde und dann 2016 – nach einem kurzen Intermezzo von Roland Bracht als Schulte-Nachfolger – diesen „beerbte.“

„Wir haben damals in einer Vorstandssitzung gesagt, wir müssen junge Leute in den Verein holen und haben den Markt bei anderen Ortsklubs sondiert: Karts, Fahrräder, Trails, Motorräder, sogar Paintball haben Clubs angeboten, wir haben uns letztlich für den Kartslalom entschieden, unser Sportwart Bernd Schuller seine Kontakte spielen lassen, mit geliehenen Karts einen Probelauf gestartet und schließlich mit einem vom ADAC gestifteten Kart und einem von uns selbst angeschafften, die Jugendgruppe ins Leben gerufen“, verweist Niklas nicht ohne Stolz auf den Kartslalom-Nachwuchs, aus dem inzwischen erste Autoslalom-Piloten gewachsen sind.

Diese Jugendgruppe soll zum Garanten werden, dass der AC Lüdenscheid auch sein Hundertjähriges in 2028 feiern kann – und zwar nicht als „Dinner for one“...

Feier am Samstag

Gefeiert wird der 90. ACL-Geburtstag am Samstag ab 19 Uhr im Restaurant des Festzentrums Hohe Steinert. Der offizielle Teil soll laut Holger Niklas kurz gehalten werden, nach Begrüßung sind nur Ehrungen der Jugendgruppen und langjähriger Club- sowie ADAC-Mitglieder geplant, bevor das Büfett eröffnet wird. Tanz, Musik und die Moderation durch Dirk Weiland runden das Programm ab.

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