76 Jahre Leidenschaft für den Lüdenscheider TV 61

+
Hansgeorg Vetter hält die Kopie eines Artikels in Händen, der die Leichtathletik-Kreismeisterschaft 1955 in Altena dokumentiert.

Lüdenscheid -  „Bitte keine Lobhudelei, das entspricht gar nicht meinem Naturell“, bittet mich Hansgeorg Vetter nach unserem Gespräch. Gar nicht so einfach, denn der Lüdenscheider, geboren am 7. Mai 1924, feiert heute seinen 90. Geburtstag und hält dem LTV 61 seit 76 Jahren die Treue. Also dann, ein Rückblick auf bewegte Jahre, ganz ohne Lobhudelei.

Von Emanuel Holz

Im Alter von acht Jahren folgt der kleine Hansgeorg erstmals seinem zwei Jahre älteren Bruder Ernst August zum LTV-Kinderturnen. Mit 14 wird er zum frühestmöglichen Zeitpunkt Mitglied. „Die Zeit vor dem Krieg war schön und intensiv. Damals waren die Vereine in Stadtteile aufgeteilt. Und alles was Beine hatte, ging in den Verein“, erzählt Vetter, der dem LTV auch geografisch verbunden geblieben ist. Bis heute wohnt er nur einen Steinwurf vom Honsel entfernt.

Der Stabhochsprung wurde bald zu seiner Leidenschaft, die Bestleistung des mehrfachen Kreismeisters beträgt 3,30 Meter – erzielt mit einem starren Alu-Stab. „Das war ein Hals-über-Kopf-Geschäft. Man landete auf Sand und musste technisch sauber springen, um mit den Füßen aufzukommen. Wir hatten keinen Trainer, das musste man sich selbst beibringen.“

Nach vier Jahren als Soldat besucht er nach dem Krieg die Handelsschule, bildet sich zum Finanzwirt weiter und heiratet 1961 seine Frau Christa. Sie hatte er Ende der 1950er Jahre – na klar – bei einem seiner Wettkämpfe im alten Nattenberg-Stadion kennengelernt. Sohn Jens ist 45 Jahre alt, Enkel Jan vier.

„Nach dem Krieg hatte ich das dringende Bedürfnis, Sport zu treiben“, berichtet Vetter, der nicht nur als Stabhochspringer, sondern auch im Feldhandball, Geräteturnen und Mehrkampf für den LTV aktiv war.

Nach der sportlichen Karriere betreut er 30 Jahre lang die Gymnastik-Abteilung als Übungsleiter. Zudem ist er als Fachwart für Leichtathletik 35 Jahre im Vorstand. Mitte der 1960er Jahre organisiert er vier „Klub-Kämpfe“ zwischen der englischen Stadt Guildford und der Bergstadt, Rathaus-Empfang bei Oberbürgermeister Erwin Welke inklusive.

In Kaiserau besucht der Bergstädter eine Fortbildung zum Stadionsprecher und fungiert fortan in dieser Rolle, unter anderem beim Länderkampf im Sommer 1972, als das neue Nattenberg-Stadion eingeweiht wird. Dabei war Vetter stets im Dienste des Ehrenamts unterwegs: „Geld spielte in meiner Zeit keine Rolle. Ich habe das zum Nulltarif gemacht und kannte das gar nicht anders.“ (Dass ich das erwähne, wird ihm wohl nicht gefallen).

Als einen der schönsten „LTV-Momente“ ist Vetter die Veranstaltungswoche 1961 anlässlich des 100-jährigen Bestehens in Erinnerung geblieben: „Da war der Zusammenhalt zwischen den Abteilungen größer. Heute ist das Sportart-spezifischer“, erklärt der LTVer den Wandel. „Die Traditionssportarten sind nicht mehr so groß, der LTV hat sich den neuen Disziplinen wie dem Inline-Skaterhockey geöffnet und ist mit ihnen gewachsen“, freut sich das Urgestein über die zweitmeisten Mitgliederzahlen unter den Bergstadt-Vereinen. Dennoch wünscht er sich, dass die Basis-Sportarten wie Turnen oder Leichtathletik gepflegt und intensiviert werden: „Denn wer nicht laufen kann, kann auch kein Fußball spielen.“

Zwar sei er heute nicht mehr der „Hans Dampf in allen Gassen“, doch Müßiggang ist seine Sache nicht: „Ich drehe täglich meine Runde durch Eichholz, Worth oder am Höhenweg.“ Zudem betreibt er in der Sporthalle der Albert-Schweitzer-Schule einmal pro Woche Gymnastik, findet in seinem Garten und in Enkel Jan zwei weitere Beschäftigungsfelder.

Ohne es zu wissen, gibt er mir noch einen Rat mit auf den Weg: „Man muss gucken, dass man auf den Beinen bleibt.“

Hansgeorg Vetter: Alles Gute zum Geburtstag, und seien Sie nicht so bescheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare