Reitsport

Unauffällig an die Weltspitze

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War am vergangenen Wochenende in Aachen im Einsatz: Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels.

Altena – Sie steht immer im Schatten der Voltigierer, dabei gehört sie selbst inzwischen zu den Besten der Welt. Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels aus Dahle hat sich unauffällig in die Weltspitze gearbeitet – und so war sie mit ihrem Pferd Flying Dutchman am Wochenende Teil des berühmten CVIO in Aachen.

Wer an Voltigieren in Altena denkt, dem fallen Namen wie Timo Gerdes, Jolina Ossenberg-Engels oder das Team ein. Sie alle wären jedoch nicht da, wo sie jetzt sind, wenn es Claudia Döller-Ossenberg-Engels nicht geben würde. Die 59-Jährige ist nicht nur die Frau, die dafür sorgt, dass die vierbeinigen Partner im Wettkampfzirkel ihre Runden laufen. Sie ist vielmehr die Seele des Voltigiersports in der Burgstadt. Voltigieren fand sie schon als Jugendliche toll. In Dortmund sprang sie selbst aufs Pferd. Damals war mit 18 Jahren jedoch Schluss. Die Pferdenärrin verschrieb sich daraufhin ganz der Reiterei. „Erst mit meinen Kindern kam ich Mitte der 1990er-Jahre wieder ans Voltigieren“, erinnert sich Döller-Ossenberg-Engels.

Döller-Ossenberg-Engels „opfert“ viele Stunden pro Tag 

Unter ihrer Regie wuchs die Voltigierabteilung des Vereins. „Keine Ahnung, wie viele Stunden am Tag ich dem Voltigieren opfere – vermutlich zu viele“, erzählt sie lachend. Derzeit laufen neben den Toppferden Cairo und Caram noch Nachwuchspferd Flying Dutchman und die Senioren Dream Dancer und Dragoner unter ihrer Aufsicht. „Die Pferde sind keine Sportgeräte. Jedes Pferd ist anders, hat andere Bedürfnisse, die gestillt werden wollen. Jedes Pferd muss ganz individuell gearbeitet werden“, erzählt Claudia Döller-Ossenberg-Engels. Caram beispielsweise wünsche viel Aufmerksamkeit. Spaziergänge, Streicheleinheiten und abwechslungsreiches Training seien ihm wichtig. Dragoner hingegen mag es eher gemütlich und nicht so stressig. „Ich kenne jedes Pferd ganz genau. Es ist mir wichtig, eine richtige Beziehung zu haben. Schließlich brauchen die Pferde jede Menge Vertrauen“, sagt Claudia Döller-Ossenberg-Engels. Während der Reiter unmittelbaren Kontakt zum Pferd hat und so auch direkter einwirken kann, steht der Longenführer mehrere Meter entfernt vom Pferd. Gerade in Aachen ist das eine Herausforderung. „Die Albert-Vahle-Halle gilt nicht umsonst als Hexenkessel. Die Zuschauer sitzen an allen vier Seiten und es ist eine mega Stimmung, das ist schon eine Herausforderung für das Pferd.“ Flying Dutchman machte seinen Job am Wochenende richtig gut. „Er ist noch nicht so erfahren. Man hat ihm angemerkt, dass er etwas verhaltener war als zuhause, aber er hat mir vertraut und alles gut gemacht“, freute sich die Longenführerin.

Am Wochenende trug Dutchman die russischen Voltigierer – sowohl im Einzel als auch im Pas de deux. Letzteres war eigentlich nicht geplant. „Das russische Pferd hat die tierärztliche Kontrolle am Anfang nicht bestanden – daher musste das Doppel das Pferd wechseln oder hätte nicht starten können.“ In zwei Wochen werden Flying Dutchman und Döller-Ossenberg-Engels wieder für Russland in den Zirkel einlaufen – im niederländischen Ermelo bei der Europameisterschaft. 25 Prozent zählt die Pferdenote in der Gesamtwertung. „Das ist ziemlich viel. Vor allem wenn man bedenkt, dass es oft nur Tausendstel sind, die die Athleten voneinander trennen“, erklärt Claudia Döller-Ossenberg-Engels. Bevor es jedoch zur EM geht, stehen am kommenden Wochenende erst einmal die Westfälischen Juniormeisterschaften auf dem Programm. „Nachwuchsarbeit ist wichtig. Ich bin niemand, der nur auf die großen Turniere möchte. Es ist wichtig, die Vereinsmitglieder zu fördern. Und auch immer wieder darauf zu achten, Longenführer auszubilden“, betont die Dahlerin. Ob ländliches Turnier oder Championat – sie gibt immer alles, für ihre Voltigierer und die Pferde. „Manchmal sagen sie, ich wäre zu hart mit mir und anderen. Aber das sehe ich anders. Wir betreiben hier Sport mit Lebewesen – und da muss einfach alles getan werden, um ihr Wohlbefinden zu sichern. Egal wie viele Stunden es kostet.“

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