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Lightnings: Gewachsener Zusammenhalt und die Euphorie des Neuen

American-Football zwei Reihen
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Trainingslager und Saisonabschluss auf dem Nattenberg-Rasen: Die Lüdenscheid Lightnings haben 2020 kein einziges Pflichtspiel gemacht. Der Euphorie aber haben sie trotzdem ins Jahr 2021 hinübergerettet – in ihr neues Premierenjahr.

Das Jahr 2020 hatte für die Lüdenscheid Lightnings ein besonderes werden sollen: Erste Spiele, erste Events. Gegen Heinsberg sollte die Saison starten. Ausgerechnet Heinsberg – der Kreis wurde zu einem der ersten Corona-Hotspots des Landes, die Partie und danach die gesamte Saison fielen der Pandemie zum Opfer. Nun rüsten sich die Blitze aus der Stadt des Lichts wieder für ein Jahr der Premieren.

Lüdenscheid – Als vor knapp zwölf Monaten im Finale des Super Bowl die Kansas Chiefs gegen die San Francisco 49ers triumphierten, da war Corona noch nicht das bestimmende Thema im Sauerland. Die Lüdenscheid Lightnings hatten Anfang Februar in die Phänomenta eingeladen. Alle Plätze waren besetzt – des Nachts. „Ausverkauft“, sagt Max Unterharnscheidt und schaut traurig, eine schöne Erinnerung für den Quarterback und Abteilungsleiter der Lightnings. Wer in diesem Jahr den Super Bowl gewinnen wird, das steht noch lange nicht fest. Fest steht aber: Eine Super-Bowl-Party in der Phänomenta aber wird es nicht geben.

Die Corona-Pandemie hat das Leben dieser Tage fest im Griff. So, wie die Pandemie das Sportjahr 2020 auch für die American-Football-Abteilung des LTV 61 zu einem kompletten Streichergebnis gemacht hat. Alle guten Vorsätze für das Premierenjahr – über den Haufen geworfen.

Zur Erinnerung: Im April 2019 hatten sich die Lightnings als neue Abteilung des LTV 61 gegründet. Das erste Treffen der Senioren hatte im November stattgefunden, die Resonanz war überwältigend gewesen. Mit entsprechendem Enthusiasmus sollte es ins erste Jahr gehen, doch dann kam der erste lange sportliche Lockdown, danach folgten immerhin vom Sommer bis in den Oktober hinein Trainingseinheiten am Honsel. „Wir hatten auch Testspiele für den September geplant“, sagt Max Unterharnscheidt, „aber dann ging auch da nichts.“

Lightnings: Gewachsener Zusammenhalt und die Euphorie des Neuen

Es gibt Neustarts, die unter solchen Umständen einfach wieder im Sande verlaufen. Bei den Lightnings aber ist die Euphorie noch nicht abgeebbt. Auch bei Unterharscheidt nicht, obwohl gerade er allen Grund dazu hätte: Der Lüdenscheider, der bei den Mustangs in Hagen zum American Football gefunden und den Sport schließlich in seine Stadt geholt hat, war in einem alles andere als glücklichen Jahr der Pechvogel des Saisonfinales: Als noch Mitte Oktober ein Trainingslager der Lightnings mit 60 Aktiven im Nattenberg-Stadion stattfand, da ackerte auch Unterharnscheidt auf dem Naturrasen – und verdrehte sich das Knie. Kreuzbandriss. Der zweite seiner Karriere. Im Dezember wurde er operiert, nun will sich der 34-Jährige wieder herankämpfen. „Einmal das Team ins Nattenberg-Stadion führen“, sagt er, „das ist das Ziel.“

Ein Team, das ihm ans Herz gewachsen ist, weil es auch ohne die sportliche Bühne gewachsen ist. Die Lightnings haben aus dem Jahr 2020 das Beste gemacht. Vor allem neben dem Trainingsplatz. Ob bei ihrem Engagement am Mamanuca-Stadtstrand im Sommer oder als sie die Bürgermeister-Kandidaten zum Football-Test auf den Honsel-Kunstrasen holten und zum Wählen aufriefen. Schließlich im Dezember mit der großen Karton-Geschenkaktion für bedürftige Kinder in Lüdenscheid. 429 Geschenkkartons packten sie mit Hilfe vieler Sponsoren schließlich. 30 Spieler der Lightnings halfen schließlich dabei, diese Kartons an die Jungen und Mädchen zu verteilen.

Offense-Spieler des Jahres: Sebastian Rötz und Michael Ludwig (rechts).

Unheimlich gut für den Teamzusammenhalt sei das gewesen, sagt Max Unterharscheidt. „Unser Anliegen ist immer auch soziales Engagement – das wird im American Football groß geschrieben“, sagt der 34-Jährige, „und das wollen wir auch nach Lüdenscheid transportieren. Die Lüdenscheider haben toll mitgemacht – und wir wollen auch ein aktiver Teil dieser Stadt sein.“

Dazu zählt auch, dass die Lightnings ihren Sport als Event im Kalender der Bergstadt etablieren wollen. Bei einem Saison-Auftaktspiel in Hagen hat es der dortige Verein einmal auf 900 Besucher gebracht. „In Lüdenscheid sehe ich ein noch größeres Potenzial“, sagt Max Unterharnscheidt, „wir hatten ja schon 2020 für den 1. Spieltag am Nattenberg ein großes Event geplant – mit Foodtrack, Hüpfburg, zwei Live-Bands und Cheerleadern. Irgendwann, wenn die Zeit so etwas wieder zulässt, wollen wir das nachholen. American Football – das steht für eine friedliche Fankultur, und die wollen wir auch nach Lüdenscheid holen.“

Unser Anliegen ist immer auch soziales Engagement – das wird im American Football groß geschrieben. Und das wollen wir auch nach Lüdenscheid transportieren. Die Lüdenscheider haben toll mitgemacht – und wir wollen auch ein aktiver Teil dieser Stadt sein.

Max Unterharnscheidt (Abteilungsleiter LTV 61)

Dass die LTV-Abteilung auf einem guten Weg ist, davon ist ihr Chef überzeugt. „Wir haben uns durch unsere Aktionen und unser Marketing einen guten Ruf in der Branche erarbeitet“, sagt er, „es gibt Trainer, die anfragen, ob sie bei uns arbeiten können. Das ist schon toll.“ Tatsächlich ist der Boom durch die Corona-Krise nicht ausgesetzt. Bei den „Seniors“ stehen aktuell 89 Aktive auf dem Zettel, die von neun Trainern in den Übungseinheiten bewegt werden. Dazu kommt eine Jugendabteilung mit 15 bis 20 Mädchen und Jungen. „In diesem Bereich hat es durch Corona einen Knick gegeben“, sagt Unterharnscheidt, dem gerade die Förderung des Nachwuchses besonders am Herzen liegt.

Defense-Spieler des Jahres: Daniel Jürgens und Bastian Grewe (rechts).

Mit Oliver Roth hat die Abteilung auch schon einen eigenen Jugend-Koordinator installiert. Aber Unterharnscheidt selbst und der 2. Abteilungsleiter, Michel Schumann, engagieren sich in diesem Bereich auch stark. „Wir suchen noch Verstärkung fürs Coaching bei der Jugend“, sagt der Abteilungsleiter, „auch wenn sich die Senioren hier inzwischen sehr gut einbringen.“

Verstärkung fürs Coaching bei den Senioren hat der Verein jüngst vermeldet: Der Nachrodter Christian Pomsel von Heder ist nach einem Jahr bei den Düsseldorf Bulldozern zurück im Sauerland. Auch Pomsel von Heder war ehedem für die Mustangs in Hagen aktiv, ehe ihn ein Schlüsselbeinbruch ausgebremst hat. Nun will er bei den Lightnings die Linebacker trainieren und zeitgleich an seinem Comeback als Spieler arbeiten.

Zwei Neuzugänge aus dem Norden und Osten

Zwei Neuzugänge gibt es zudem: Michael Jahnsen ist beruflich bedingt neu im Sauerland, er hat für die Rendsburg Knights in der Oberliga gespielt, ist für die Defensive eine echte Verstärkung. Martin Jacob kommt von den Freiberg Phantoms – auch ihn zieht es beruflich ins Sauerland. Er soll die Offensive der Lightnings verstärken.

So wächst der Verein und freut sich darauf, was in diesem Jahr passieren wird. Drei Szenarien hat der Verband für die Saison entwickelt. Im Idealfall, also Szenario Nummer eins, soll die Saison am 1. Mai beginnen. Als alternative Zeitpunkte für den Kickoff der Saison kommen der 13. Mai, der 3. Juni (Fronleichnam) oder der 14. August in Frage. Klar ist, dass die Lightnings in ihrem Premierenjahr in der NRW-Liga (Aufbauliga) antreten müssen. Es ist die siebthöchste Spielklasse. „Jetzt geht es für uns darum, mit den Seniors was zu zeigen“, sagt Max Unterharnscheidt und freut sich auf diese Saison – ganz egal, wie sie am Ende aussehen wird.

Und vorher wartet der Super Bowl. Allein daheim statt in der Phänomenta. Aber eben doch nicht ganz allein. „Wir werden das Spiel als Team zusammen in einer Videokonferenz schauen“, sagt Unterharnscheidt, „mit einem American-Beer-Tasting dabei. So sind wir zwar jeder alleine, aber trotzdem irgendwie zusammen.“ Dass die Teamkollegen früher jubeln als ihr Abteilungschef, weil die Übertragung im deutschen Fernsehen immer etwas früher ist als Unterharnscheidts US-Originalübertragung im Netz – auch das stört ihn nicht. Genausowenig der Umstand, dass sein Team, die New Orleans Saints, bereits aus dem Rennen sind. Unterharnscheidt drückte nun den Greenbay Packers die Daumen. „Die“, sagt er und bleibt immer positiv, „sind auch ganz sympathisch...“ Aber die haben nun auch die Segel gestrichen...

Lightnings zeichnen „Spieler des Jahres“ aus

Obwohl im ersten Jahr nicht gespielt wurde, haben die Lüdenscheid Lightnings trotzdem ihre „Spieler des Jahres“ gekürt. Dabei wurden zwei erfahrene Spieler und zwei Rookies ausgezeichnet. Bei den erfahrenen Cracks ging die Auszeichnung in der Offensive an den Plettenberger Sebastian Rötz, der auch schon für die Dortmund Giants gespielt hat. In der Defensive erhielt die Auszeichnung der Ex-Fußball-Torwart Daniel Jürgens, ein echter Lüdenscheider. Bei den „Rookies“ bescheinigt Max Unterharnscheidt beiden Preisträgern eine „unglaubliche Lernkurve“: In der Defensive wurde der 18-jährige Plettenberger Bastian Grewe „Spieler des Jahres“, in der Offensive Michael Ludwig, der aus Dortmund stammt.

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