SGSH Dragons

3. Liga: Von Trainingsverboten, neuen Corona-Fällen und Teststrategien

Handballer Christopher Klasmann beim Wurf
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Ungleiche Bedingungen: Während Christopher Klasmann (Mitte) mit den Dragons weiter trainieren darf, ist den Handballern des TuS Spenge (in blau) das Training vom Kreis Herford untersagt worden.

Das DHB-Präsidium hat wie erwartet die Saisonunterbrechung in der 3. Liga bis Ende Dezember beschlossen. Doch für den Re-Start bleiben noch Zweifel und offene Fragen.

Schalksmühle – Der Spielbetrieb der 3. Liga und Jugend-Bundesliga im Handball ist nun auch offiziell bis Ende Dezember ausgesetzt. Ein Re-Start der Saison soll am 9./10. Januar erfolgen, wenn es die Pandemie-Lage zulässt. Dies beschlossen Präsidium und Vorstand des Deutschen Handball-Bundes am Mittwochmorgen in einer Videokonferenz. Den Drittligisten hatte man dieses Vorgehen bereits am Dienstagabend in einer digitalen Aussprache erklärt (wir berichteten).

„Unser oberstes Ziel ist es weiterhin, verantwortungsvoll Möglichkeiten für Handball zu schaffen. Priorität haben dabei Wiederaufnahme und Fortführung des Trainings. Dies gilt insbesondere für die Nachwuchstalente. Unabhängig von der formalen Einordnung als Profi- oder Amateursport kämpfen wir für alle Mannschaften auf politischer Ebene darum, dass sie trainieren können, wenn sie dies tun wollen“, wird Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des DHB, in der Erklärung des Verbandes zitiert, „wir haben hierfür im ersten Lockdown mit dem Leitfaden ,Return to play‘ die Basis für in den Vereinen in der Zwischenzeit bewährte Hygienekonzepte geschaffen. Diese werden auch in der jetzigen Phase eine elementare Hilfe sein.“

Trainingsverbote, neue Corona-Fälle, Teststrategien

Matthias Kohlstrung, Vereinsvertreter in der Spielkommission 3. Liga, kommt in der Erklärung ebenfalls zu Wort: „Wir wollen versuchen wieder zu spielen, sofern das möglich ist. Das sind wir unserem Handball schuldig. Allerdings müssen wir auch die bestmögliche Sicherheit für unsere Spieler erreichen.“

Kohlstrung, Deutschland-Chef des Technologie-Konzerns brother und Sponsor der HSG Rodgau Nieder-Roden, hatte am Dienstag durch den Abend geführt. Durch eine Konferenz, die noch einmal nachhaltig klarmachte, wie unterschiedlich die Möglichkeiten, aber auch Ansichten in der Liga sich aktuell darstellen. Für den langjährigen SGSH-Rivalen TuS Spenge meldete sich Horst Brinkmann zu Wort mit der Hoffnung, durch den DHB Hilfe vor Ort zu erfahren. Die Spenger – in den vergangenen Jahren eines der Topteams der Weststaffel – gehören zu dem Drittel der Drittligisten, das im Moment nicht trainieren darf. „Obwohl im Kreis Herford Fußball-Viertligisten und Eishockey-Drittligisten trainieren dürfen“, sagte Brinkmann, „wir wollen trainieren, aber unsere Gemeinde und unser Kreis erlauben es uns nicht.“

Zwölf Corona-Befunde in einem Team in Nordbaden

Anderswo ist dieser Tage dagegen gar nicht an ein Training zu denken. Beim TVG Großsachsen zum Beispiel. Der Drittligist aus der nordbadischen Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße, in der auch die SG Leutershausen zu Hause ist, beklagt derzeit zwölf Corona-Fälle im Team. „Wir haben damit unbewusst im letzten Spiel vor dem Lockdown auch unseren Gegner Balingen II gefährdet“, bekannte ein Vereinsvertreter des TVG – aufgefallen war der erste Corona-Fall in Großsachsen nur deshalb, weil ein Nachwuchs-Spieler, der auch für einen Erstligisten spielt, dort positiv auf Corona getestet worden war.

Ein ähnlich abschreckendes Beispiel aus dem Spielbetrieb gab es aus der Nord-Ost-Staffel. Hier hatten direkt vor dem Lockdown die HG Hamburg-Barmbek und die HSG Ostsee Neustadt/Grömitz gegeneinander gespielt. Die Hamburger Morgenpost bezeichnet dieses Spiel inzwischen als „Corona-Superspreader-Event“ – 15 Spieler, die in diesem Spiel dabei waren, sind inzwischen positiv auf das Corona-Virus getestet worden, sieben auf der einen, acht auf der anderen Seite. „Dieses Spiel hätte angesichts der allgemeinen Infektionslage gar nicht stattfinden dürfen“, zitiert das „Abendblatt“ den Barmbeker Präsidenten Jürgen Hitsch.

PCR-Test oder Antigentest? Das ist eine der offenen Fragen

Es sind die Vorfälle, die den Glauben an einen Re-Start im Januar jedenfalls nicht erleichtern. Sollte der Re-Start kommen, wird mit ihm auf jeden Fall ein Corona-Testkonzept kommen. Auch dieses Thema nahm am Dienstagabend großen Raum ein. PCR-Tests oder Antigen-Tests – das ist einer der Fragen, die zu beantworten sind. Natürlich neben der Hauptfrage, wer die Tests am Ende bezahlen soll. Die DHB-Idee, diese Kosten über die Überbrückenshilfen des Bundes wieder hereinzuholen, ist zumindest ein konkreter Ansatz. PCR-Tests dürften sich gleichwohl als schwierig erweisen – denn bei diesem Testverfahren würden die Aktiven deutlich vor den Spielen ihren Rachenabstrich abgeben.

Es ist mir lieber, mich ins Gelingen zu verlieben als schon jetzt das Scheitern zu planen.

Vereinsvertreter bei der digitalen Aussprache

Zum einen müssten sie danach dann – um sicher zu gehen – möglicherweise bis zum Spiel in Quarantäne gehen. Zum anderen gibt das Testergebnis natürlich das Ergebnis zum Zeitpunkt des Testens an und lässt dabei eine mögliche Inkubationszeit außer Acht. Antigen-Tests, die am Spieltag stattfinden könnten, scheinen womöglich das probatere Mittel für den Drittliga-Handball zu sein. Wobei auch da die Kostenfrage bleibt. Ein Vertreter des HBW Balingen/Weilstetten sprach aus den Erfahrungen der 1. HBW-Mannschaft am Dienstagabend von Kosten in Höhe von 2500 bis 3000 Euro im Monat – und dies auch nur, wenn keine positiven Fälle auftreten würden. Diese Kosten, so der Vertreter des Vereins von der Schwäbischen Alb, seien für die dortige Reserve definitiv nicht mehr drin im Budget für diese Spielzeit. Wie in Balingen, so wird es auch anderswo eng werden.

Und so blieb es am Dienstag am Ende der zwei Stunden wie es wohl dieser Tage gar nicht anders möglich ist: Der Vorhang fiel, doch viele Fragen blieben offen. Und doch bleibt die Hoffnung – bei aller Skepsis vieler Vereine, die am Dienstag vorgebracht wurde. Auch deshalb, weil die Verantwortlichen es mit der Sichtweise eines Vereinsvertreters halten, der es mit wunderbar-blumigen Worten auf den Punkt brachte: „Es ist mir lieber, mich ins Gelingen zu verlieben“, sagte er, „als schon jetzt das Scheitern zu planen.“

Kritik von der Ostsee: „Eine große Disproportion in der Liga“

Vom HC Empor Rostock, einer klangvollen Adresse im deutschen Handball, kam am Dienstagabend eine Kritik, die sich nicht gegen die Verantwortlichen im Spielbetrieb richtete, die aber nach den gewonnenen Eindrücken der vergangenen Wochen gleichwohl ein großes Problem des Drittliga-Handballs klar benannte. „Corona ist nicht Schuld daran, aber Corona hat es ganz deutlich gemacht“, sagte der Empor-Vertreter, „es gibt in dieser Liga eine große Disproportion, auch schon vor der Corona-Pandemie. Und deshalb sollte man dieses System nun auch überprüfen und ganz offen Gedanken darüber austauschen.“ Mit anderen Worten: Kaum in einer anderen Liga treffen sich so viele Mannschaften mit unterschiedlichen Strukturen, Möglichkeiten und Zielen. Wenn dieser Tage über den Profistatus von Drittliga-Handball diskutiert wird, dann ist diese Diskussion auch deshalb so schwierig, weil man nicht weiß, ob Vereine wie Empor Rostock, der VfL Eintracht Hagen oder die HG Saarlouis exemplarisch für Drittliga-Handball stehen sollen oder doch eher der TuS Volmetal, die SG Menden oder vielleicht eine der vielen Zweitvertretungen von Bundesligisten. Es wird spannend sein, ob der DHB die Kritik aus der Hansestadt dazu nutzen wird, um offen über das Problem der Heterogenität der Liga zu diskutieren

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