Handball, 3. Liga

3. Liga: TuS Volmetal positioniert sich klar gegen DHB-Auffassung

Handballer vor grün-weißem Fanblock
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Handball-Drittligist TuS Volmetal lebt vor allem von seinen Zuschauern. Einen Spielbetrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit sieht der Verein auch aus wirtschaftlicher Sicht als nicht darstellbar an.

So uneinig sich die Politiker in den Innenministerien der Länder dieser Tage sind, was die Einstufung von Handball in der 3. Liga (Profisport oder nicht?) angeht, so weit gehen auch die Meinungen bei den Drittligisten selbst auseinander.

Schalksmühle – Am Samstag hatte sich der Northeimer HC – in der Spielzeit 18/19 noch Gegner der SGSH Dragons in der Weststaffel – über das Handball-Portal handball-world.news zu Wort gemeldet. „Wir haben keinen Profi im Kader, jeder Spieler geht einer normalen Beschäftigung nach, von daher ist eine Quarantäne oder ein Vorfall in der Mannschaft auch wahrscheinlicher als in einem abgeschotteten Profiteam“, erklärt der Drittligist aus dem Südharz in seiner Pressemeldung, und weiter: „Rein wirtschaftlich und emotional ist kein Spielbetrieb unter den jetzigen Corona-Bedingungen möglich, es fehlen die Zuschauer und die Heimspiel-Einnahmen. Testungen der kompletten Mannschaft im mindestens wöchentlichen Rhythmus sind nicht finanzierbar, und wir sehen es so, dass die verfügbaren Testkapazitäten zurzeit sinnvoller genutzt werden sollten.“

TuS Volmetal zeigt klare Kante gegen den DHB

Der TuS Volmetal sieht es ganz ähnlich und hat – trotz der Erlaubnis der Stadt Hagen – den Trainingsbetrieb anders als zum Beispiel der große Nachbar VfL Eintracht Hagen eingestellt. „Entgegen der Auffassung des DHB sind bei uns berufstätige Amateure unterwegs, die sich eine zweiwöchige Quarantäne nicht leisten können“, schreibt TuS-Pressesprecher Thomas Lichtenberg in einer Stellungnahme, „viele haben berufliche und familiäre Verpflichtungen. Das gilt nach unserer Einschätzung für mindestens 70 Prozent der Mannschaften in den vier Gruppen der 3. Liga. Auch ein Spielbetrieb ohne Zuschauer ist aus wirtschaftlicher und persönlicher Reflektion in diesem Jahr aus unserer Sicht nicht darstellbar. NRW und Niedersachsen weisen erhebliche Infektionszahlen aus, sportliche Vergleiche verbieten sich hier geradezu. Aus unserer Sicht hat sich die aktuelle Saison erledigt, eventuell kann eine verkürzte Spielzeit ab Frühjahr 2021 erfolgen. Wir leben den Handball, können aber nicht davon leben! Von daher hoffen wir auf weitsichtige Entscheidungen des Verbandes...“

Am Montag legte der Schleswig-Holstein-Drittligist der Frauen, SV Henstedt-Ulzburg, nach: „Selbstverständlich brennen auch wir und möchten lieber heute als morgen wieder in das Training und in den Spielbetrieb einsteigen“, erklärt der Verein, „in unserem Verständnis ist der Spielbetrieb der 3. Liga jedoch kein Profibetrieb. Unsere Spielerinnen erhalten eine geringe Aufwandsentschädigung und kein Gehalt. Alle Spielerinnen gehen einem Beruf, einem Studium oder einer Ausbildung nach und spielen „nebenbei“ Handball. Ein in dieser Zeit verantwortungsvoller Spielbetrieb, zu dem dann auch eine Teststrategie gehören müsste, ist weder wirtschaftlich noch emotional und moralisch möglich. Die Signalwirkung nach innen und nach außen wäre fatal. Die knappen Ressourcen an Tests und der Labore sollen denen zur Verfügung stehen, die sie dringender brauchen.“

NRW und Niedersachsen weisen erhebliche Infektionszahlen aus, sportliche Vergleiche verbieten sich hier geradezu. Aus unserer Sicht hat sich die aktuelle Saison erledigt!

Thomas Lichtenberg (TuS Volmetal)

Drei Beispiele von Vereinen, die sich bewusst vor der digitalen Aussprache des DHB mit seinen Drittligisten am Dienstagabend (18.30 Uhr Frauen, 20.30 Uhr Männer) zu Wort gemeldet haben.

Und die SGSH Dragons? Axel Vormann, Sportlicher Leiter der Drittliga-Handballer aus Halver und Schalksmühle, muss lange überlegen. „Es ist ein schwieriges Thema“, sagt er, „wir haben sicherlich auch keinen Profi in unserem Kader, der nur vom Handball lebt. Aber trotzdem sind die Dinge vielleicht nicht vergleichbar mit denen beim TuS Volmetal.“

SGSH-Drittliga-Team: Bisher kaum Kontakt mit Corona

Während es anderswo viele Vorbehalte gegen den Trainings- und Spielbetrieb gibt, sind die Spieler des SGSH-Kaders dieser Tage durchaus gewillt, wieder Spiele zu bestreiten. „Wir werden ganz sicher auch noch eine Umfrage im Kader machen“, sagt Vormann. Niemand soll mit einem unguten Gefühl aufs Handballparkett gehen. Allerdings hat Vormann dieses Gefühl aktuell eben nicht, im Gegenteil – Mark Schmetz trainiert mit seinen Schützlingen fleißig weiter. „Vielleicht liegt es auch daran, dass bei uns ja noch gar nichts passiert ist“, sagt der Halveraner, „der TuS Ferndorf ist nun schon zum zweiten Mal in Quarantäne, der VfL Eintracht Hagen hat auch diesen Fall in Gensungen gehabt. Aber bei uns war ja praktisch nichts. Wir haben beide Co-Trainer einmal für zwei Wochen nicht beim Team gehabt, weil sie Kontaktpersonen zweites Grades waren, sonst aber nichts.“ Selbst diese Vorsichtsmaßnahme bei Kontaktpersonen zweites Grades wäre im Moment nicht zwingend erforderlich.

Sei’s drum: Es dürfte eine interessante Aussprache werden am Dienstagabend – ergebnisoffen, aber gewiss eine, bei der um Kompromisse hart gerungen werden dürfte in Spielklassen, die eben längst nicht so homogen sind, wie sich das die Verantwortlichen vielleicht wünschen würden.

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