1. come-on.de
  2. Sport
  3. Lokalsport

Leon-Frederik Schmidt: Gold und Silber in Berlin folgen Zeiten des Umbruchs

Erstellt:

Von: Thomas Machatzke

Kommentare

Schwimmer aus Lüdenscheid bei den Deutschen
Zwischen Stolz und Enttäuschung: Leon-Frederik Schmidt aus Lüdenscheid. © Mirko Seifert

Gold über die 50 Meter Brust, Silber über die 100 Meter Brust: Eigentlich müsste der Himmel über Leon-Frederik Schmidt voller Geigen hängen. Doch nach dem zweiten Start des Lüdenscheiders in dieser Woche bei den Deutschen Jahrgangs-Meisterschaften der Schwimmer war das Gegenteil der Fall.

Lüdenscheid – „Leon war schon sehr enttäuscht“, sagt sein Vater Thomas Schmidt und berichtet von einem Gefühlsausbruch, bei dem sogar ein Handy zu Bruch gegangen ist.

15 Hundertstelsekunden fehlten Schmidt am Donnerstag über die längere Brust-Distanz zur Qualifikation für das ganz große Ziel, die Jugend-Europameisterschaft in Rumänien.

Leon-Frederik Schmidt ist zweitschnellster Schwimmer über diese Distanz in Deutschland und zählt nach den aktuellen Bestenlisten zu den „Top 8“ in Europa, doch der Verband ist in diesen Dingen gnadenlos: Eine Zeit von 1:03,30 Minuten hätte der Bergstädter schwimmen müssen, um für den DSV in Otopeni, einem Vorort von Bukarest, dabei zu sein. Im Finale schlug Schmidt in Berlin nach 1:03,45 Minuten an. Eine sehr gute Zeit, aber eben nicht gut genug, um sich den großen Traum von der Jugend-EM zu erfüllen. „Eigentlich hat Leon den EM-Status“, sagt der Vater, „trotzdem ist er nicht dabei. Deshalb hat er sich auch maßlos geärgert.“

Leon-Frederik Schmidt: Gold und Silber in Berlin folgen Zeiten des Umbruchs

Leon-Frederik Schmidt ist im Januar 18 Jahre alt geworden. Für seinen Jahrgang 2004 waren es in der vergangenen Woche in Berlin die letzten Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Nachwuchsbereich. Es sind Tage des Umbruchs für den Lüdenscheider, nicht nur, weil er in Zukunft bei den Erwachsenen starten wird. Übrigens noch nicht bei den Deutschen Meisterschaften vom 23. bis zum 26. Juni in Berlin. Seine Trainingssteuerung war für die vergangene Woche ausgelegt. Ende Juni wieder auf den Punkt hin das absolute Limit zu erreichen, ist nicht so leicht. In Deutschland ist der Lüdenscheider über die 50 Meter Brust im Moment Neunter der nationalen Bestenliste, über die 100 Meter Brust 17. Auch das sieht sehr gut aus.

Die Planung aber ist nun eher mittel- bis langfristig. Nach dem Ende seiner Schullaufbahn wird Schmidt erst einmal eine Lehre als Maurer machen, um sich so langfristig die Grundlagen für den Einstieg in den familiären Baubetrieb (TRS Bau) anzueignen. „Im ersten Jahr passiert da vieles im schulischen Bereich. Das wird das Training gar nicht beeinträchtigen“, sagt sein Vater. Leon-Frederik Schmidt wird am Stützpunkt in Essen bleiben, seine Lehrstelle hat er ebenfalls in Essen, eine entsprechende Unterstützung ist zugesagt.

Solide Ausbildung statt College in den USA

Auch die Bundeswehr mit einer entsprechenden Förderung stand für den Topschwimmer im Raum – und ein Stipendium am College in den USA war ihm angeboten worden. Das hat Leon-Frederik Schmidt nicht gewollt. Bodenständig und heimatverbunden sei er, sagt sein Vater. Der Youngster wird dort weitermachen, wo er in den vergangenen Jahren nach dem Wechsel von den Wasserfreunden Lüdenscheid an den Stützpunkt eine so gute Entwicklung genommen hat: in Essen-Rüttenscheid. Wohin die Reise geht? In zwei Jahren wartet die nächste Europameisterschaft, in drei Jahren die Olympischen Spiele. Leon-Frederik Schmidt ist 18 Jahre jung – alles ist möglich. Seine Familie – Eltern, Schwester und vier Brüder – unterstützt ihn auch jetzt, da das Leben neu sortiert und Ziele neu definiert werden müssen, und nimmt begeistert an seinem Leben teil.

Apropos Ziele: Auch wenn er die Deutschen Meisterschaften im Juni in Berlin auslassen wird, hat Leon-Frederik Schmidt natürlich noch Ziele für die nächsten Wochen und Monate, allen voran eines: Den Altersklassenrekord über die 50 Meter Brust, den will der Lüdenscheider noch knacken. In Berlin fehlte ihm nur eine Zehntelsekunde. Es warten noch genügend Einzel- und Mannschaftsstarts mit der SG Essen. Das Thema ist für den ehrgeizigen Bergstädter noch lange nicht durch.

Auch interessant

Kommentare