Niklas Bühner will in die „Top 10“ laufen

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Niklas Bühner startet am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Ulm.

Plettenberg - Leichtathlet Niklas Bühner hat ein klares Ziel vor Augen: Am Wochenende soll es bei der Deutschen Meisterschaft in Ulm ein Platz unter den besten zehn Läufern über 5000 Meter werden. „Die Form ist nicht schlecht", gibt sich der Läufer der SG Wenden zuversichtlich.

Von Michael Jeide

„Schade, dass es hier keine Rundlaufbahn gibt“, sagt Niklas Bühner beim Fototermin auf dem Sportplatz Oesterau. Der im vergangenen Sommer nach dem Umbau eingeweihte Kunstrasensportplatz besitzt nur eine Kunststofflaufbahn, die für Sprints bis 100 Meter geeignet ist. Sprinter ist Niklas Bühner allerdings nie gewesen. Deshalb eignet sich der Sportplatz, obwohl nur knapp 500 Meter Luftlinie vom elterlichen Haus entfernt, als Trainingsstätte für den Plettenberger nicht.

Dafür nutzt er dann Straßen und Wege, oder er fährt nach Wenden, zu seinem Verein, der SG, für die er auch am Wochenende im Einsatz sein wird. Beim größten nationalen Sportereignis, für das sich ein Leichtathlet qualifizieren kann, den Deutschen Meisterschaften in Ulm.

Am Samstagmorgen wird Bühner gemeinsam mit seinen Eltern und Teamkollege Tim-Arne Sidenstein in den Süden aufbrechen. Laufen wird er dort erst am Sonntag um 17.30 Uhr. Dann stehen die 5000 Meter auf dem Programm. Sein Wendener Trainer Egon Bröcher wird auch vor Ort sein. Er reist bereits heute mit 800 Meter-Läufer Florian Herr an die Donau. Herr muss am Samstag, anders als Bühner über die 5000 Meter noch in den Vorlauf.

Die 5000 Meter, bei denen der 33-jährige Topfavorit Arne Gabius (Tübingen) am Sonntag in Ulm seinen achten nationalen Titel in Serie holen will, ist noch nicht lange die Distanz, auf die sich Niklas Bühner, der im Oktober 25 Jahre alt wird, fokussiert hat. Seine besten Ergebnisse hat er als Mittelstreckler über die 1500 Meter erzielt, war auf dieser Strecke schon vor fünf Jahren in Ulm und zuletzt vor zwei Jahren in Wattenscheid bei der DM dabei.

„Ich bin nicht der Grundschnellste hinten raus“, sagt der Plettenberger. Um diese Grundschnelligkeit jetzt im Sommer noch einmal zu erlangen, hätte es einer längeren Vorbereitungszeit bedurft. Diese Zeit stand Bühner aber nicht zur Verfügung. Erst seit Anfang dieses Monats hat er sein Trainingspensum wieder in vollem Umfang aufgenommen, seine Form vor zwei Wochen beim Sportfest in Rhede über die 3000 Meter getestet, allerdings ohne Hindernisse.

Auch der Lauf über die Hürden und den Wassergraben wäre eine Alternative für Ulm gewesen – Bühner hat auch dafür die Norm des DLV erfüllt, wie über die 1500 Meter und die 5000 Meter.

Die Qualifikationszeiten lief er in den USA, bei den Starts für seine Universitätsmannschaft aus Auburn in Alabama. Von dort ist er die Wetterbedingungen, die zurzeit hierzulande herrschen, bereits gewohnt. „Das ist fast ein Vorteil für mich. In den USA ist es sogar noch wärmer und schwüler als in Deutschland“, berichtet der Plettenberger, der in Ulm mit 25 bis 30 Grad rechnet. Normalerweise nicht sein Wetter: „Aber die Bedingungen sind ja für alle gleich“, sagt Bühner. Er will in Ulm eine gute Leistung abliefern: „Die Form ist nicht schlecht. Die Top 10 müssten drin sein.“

Druck verspürt er keinen. „Ich laufe ja nur für mich selbst“, sagt er. Das ist in den USA anders: Da erwartet man von ihm Punkte für Auburn. Vier Jahre Vollstipendium für den Studenten im Bereich Marketing und International Business wollen zumindest in sportlichen Erfolgen „refinanziert“ werden.

Ein Semester bis zum Abschluss des Bachelor-Studiengangs hat Bühner noch vor sich, fliegt deshalb am 14. August auch wieder in die USA. Ein Semester, und eine Crosslaufsaison im Herbst. „Es kommt mir nicht vor wie dreieinhalb Jahre – es geht alles ruck-zuck“, sagt der Plettenberger, der seinen Schritt nie bereut hat. „Allgemein und sportlich gesehen war es eine gute Erfahrung. Englisch spreche ich jetzt fließend. Und ein Auslandsaufenthalt erweitert natürlich auch den Horizont“, sagt Bühner.

Freundschaften hat der Plettenberger in seiner Zeit in den USA viele geschlossen, will diese auch nach Ende seiner Studienzeit pflegen. Ein Freund und Teamkollege, Jason Miller, war jetzt sogar für sieben Tage zu Besuch bei Familie Bühner in Plettenberg. „Es gefiel ihm sehr gut. Amerikaner sind begeistert von Europa“, erzählt Bühner, der mit Miller unter anderem auch in Köln war.

Köln wäre für ihn auch ein möglicher Standort, um noch zwei Jahre bis zum Master weiter zu studieren. Ob dies aber in Deutschland oder den USA geschieht, steht noch nicht fest. Sein Berufsziel indes schon: eine Tätigkeit im Bereich Sportmarketing. Nicht unbedingt in der Leichtathletik. „Da sind die Möglichkeiten begrenzt“, weiß Bühner, der sich schon auf den Dezember freut, wenn es in Auburn die klassische Abschlusszeremonie der erfolgreichen Absolventen („mit Hüten – das hat Tradition“) geben wird. Seine Eltern werden dann nach Alabama fliegen, anschließend geht es für einige Tage nach New York. „Da war ich noch nie“, sagt Niklas Bühner. Jetzt aber heißt das Ziel zunächst einmal Ulm.

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