Der Pizarro vom Nattenberg

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Mit 37 Jahren absoluter Leistungsträger bei RW Lüdenscheid: Lars Scheerer (links). 

Lüdenscheid - Aktuell trennen beide zwar sieben Spielklassen und der Peruaner ist auch einen Monat älter, aber für ihre Mannschaften sind Claudio Pizarro und Lars Scheerer gleich wertvoll – wie ein alter lagerfähiger Wein. Sie sind trotz 37 Lebensjahren absolute Leistungsträger beim Bundesligisten Werder Bremen oder eben dem Bezirksligisten Rot-Weiß Lüdenscheid.

 „Unglaublich sein läuferisches Niveau, sein Einsatzwille und die Gabe, nicht aufzugeben“, weiß RWL-Trainer Marco Sadowski, was er an seinem spielenden Co-Trainer Lars Scheerer gerade in der laufenden Saison hat: Der ehemals offensive Mittelfeldspieler, der in den letzten beiden Spielzeiten zunehmend in die Rolle des „6ers“ hineingewachsen ist, geht voran: In der überragenden Hinrunde der Rot-Weißen, die sie auf Platz zwei und Tuchfühlung mit Primus FSV Gerlingen geführt hat, sowieso. Vor allem aber auch in den Krisenwochen mit sieben sieglosen Partien, aus der er als einer der überragenden Leader das Team derzeit offensichtlich wieder herausführt. Denn gerade in den letzten Wochen war er eine der alles überragenden Kräfte, die die Formkurve bei RWL wieder in die Richtung „aufwärts“ drehte, obwohl er sich bescheiden nur als ein „Teil der Mannschaft“ sieht.

 Die starke eigene Form hat er mit seiner Erfahrung aber natürlich schon registriert und führt sie auch auf eine etwas andere Interpretation seiner Rolle als in den vergangenen Jahren durch: „Nach den vielen Gegentoren, die wir bekommen haben, war mir an einer defensiveren Ausrichtung der ‘6’ neben Timo Sommer gelegen. Wir fokussieren uns in erster Linie auf die Arbeit nach hinten“, sieht der 37-Jährige einen Grund für die Leistungshausse mit seinem Nebenmann, der er sich als Anlageberater in Diensten der Sparkasse quasi auch beruflich verbunden fühlt. Wobei die Aufgaben im Mittelfeld trotz stark verbesserten Defensivzweikampfverhaltens im fortgeschrittenen Alter durchaus auch für die Offensive wichtig sind: Denn der Routinier ist ganz wesentlicher Taktgeber für die Teamkollegen und der Mann, der das Gespür für die gebotene Spieleröffnung entwickelt. „Ich schieße zwar keine Tore mehr, aber dafür haben wir ja viele andere Mitspieler, an torgefährlichen Akteuren mangelt es uns ja nicht“, definiert der junge Familienvater seine neue Rolle. Für die schöpft er gerade aus dem Familienleben eine Menge einst vermisster Ausgeglichenheit: „Ich bin immer noch zu hundert Prozent ehrgeizig und voll motiviert, aber auch vor den schwierigen Aufgaben nicht mehr nervös, weil sich die Prioritäten im Leben doch etwas verschoben haben“, sagt er.

 Mit seiner ganzen Erfahrung geht Lars Scheerer auf dem Platz auch verbal voran: Meist mit positiver Ansprache an die Teamkollegen, auch wenn mal etwas daneben gegangen ist. Aber auch mit kritischen Worten, wenn er Fehler eher in der Einstellung von Mitspielern sieht als bei rein praktischer Ausführung. „Dann rappelt es auch schon mal, sind die Teamkollegen sauer auf mich. Vor allem, wenn ein Spiel verloren geht“, sieht sich der Co-Trainer als selber Fehler begehender Teamkollege hin und wieder auch im Kreuzfeuer der Kritik, „aber überwiegend sehe ich die Rolle als ‘Lautsprecher’ durchaus positiv.“

 Und da pflichtet Trainer Marco Sadowski seinem „Edel-Oldie“ bei, kann der das Spiel der Mannschaft auf dem Platz doch noch hautnäher mitbestimmen als von Außen. Klar deshalb, dass Sadowski den topfitten Lars Scheerer auch in der nächsten Saison noch gern an Bord hätte: „Die körperlichen Grundlagen sind da. Trotz nicht mehr ganz so intensiven Traininingsprogramms wie früher stimmt auch die Geschwindigkeit noch, nur brauche ich nach den Höchstbelastungen am Sonntag länger zur Regeneration als früher“, sieht auch der Spieler selbst gute Voraussetzungen für ein weiteres Karrierejahr, hat sich dennoch Bedenkzeit erbeten: „Natürlich nehmen Frau und Tochter die Nummer eins in meinem Leben ein, da sind noch einige Dinge zu klären. Nur wenn alles passt, hänge ich noch eine Saison dran.

In fast 30 Jahren in nur drei Vereinen

Bis auf einen kurzen Auftakt in der Jugend von Grün-Weiß Lüdenscheid hat Lars Scheerer in fast 30 Jahren nur für zwei Klubs die Schuhe geschnürt. Schereer wechselte alsbald in die RWL-Jugend, kickte dann nach einem mit viel Geduld erfordernden Senioren-Lehrjahr bei Rot-Weiß in der Verbandsliga, ehe er dem Ruf der Sportfreunde Oestrich nach Iserlohn folgte. Dort überzeugte Scheerer sieben Jahre lang in Verbands- und Oberliga als schneller und torgefährlicher Flügelflitzer, ehe er im Herbst seiner Laufbahn 2010 wieder zu den in einer „Abstiegssprale“ befindlichen Rot-Weißen zurückkam. „Um von dem, was mir Rot-Weiß in der fußballerischen Ausbildung mitgegeben hat, etwas zurückzugeben“, wie er seinerzeit erklärte.

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