Handball: Einspruch erfolgreich

Spruchkammer gibt HSV Werdohl/Versetal Recht

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Erst gewonnen, dann Punkte aberkannt und jetzt wieder zuerkannt: Der Sieg der HSV II gegen den Tabellenführer Wetter.

Werdohl - Als bekannt wurde, dass den Senioren-Mannschaften der HSV Werdohl/Versetal im März 2014 aufgrund von nicht bezahlten Verbandsabgaben sportlich bereits errungene Punkte aberkannt worden waren, suchte sich der Klub einen Rechtsbeistand und legte Einspruch ein. Inzwischen ist klar: mit Erfolg.

Denn die HSV bekam mit ihrem Einspruch vor der Landesspruchkammer Recht – nicht nur im Kampf um die Punkte. „Wir wollten uns nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht alles versucht hätten“, erinnert sich der HSV-Vorsitzende Alexander Griessl an die ersten Gespräche im Vorstandskreis.

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Der Verein zog Rechtsanwalt Carsten Hoffmann hinzu, der für die HSV einen rechtlich einwandfreien Einspruch formulierte. „Viele Einsprüche kommen wegen kleiner Formfehler häufig gar nicht zur Verhandlung. Das wollten wir vermeiden und das ist uns auch gelungen“, sagt Griessl.

In dem Einspruch thematisierte die HSV nicht nur den Punktabzug, der aus ihrer Sicht rechtswidrig war, sie ging noch einige Schritte weiter. Der Handballverband Westfalen versendet seine Rechnungen und Gutschriften in Papierform, Mahnungen hingegen werden lediglich im so genannten „WH“ veröffentlicht, einem Informationsblatt, das der Verband als amtliches Organ bezeichnet. Diese Art des Mahnwesens kritisierte die HSV, ebenso wie die Nichteinhaltung datenschutzrechtlicher Grundsätze.

Mahnwesen des Verbandes rechtlich nicht haltbar

Carsten Hoffmann thematisierte zudem die Unbestimmtheit der Maßnahme und die Bekanntgabe der Rechnungen. Mit Spannung erwarteten die Verantwortlichen der HSV Werdohl/Versetal und ihr Rechtsbeistand das Urteil der Landesspruchkammer. Zwar rechneten sich die „Kläger“ eine kleine Chance aus, dass sie aber gleich in allen Punkten Recht bekamen und damit nachwiesen, dass das Mahnwesen des Verbandes rechtlich nicht haltbar ist, überraschte alle.

Auslöser dieser Grundsatzentscheidung waren zwei Rechnungen aus den Jahren 2012 und 2013, die die HSV angeblich nicht beglichen habe. Griessl erklärte hierzu, dass die HSV diese Rechnungen nicht bekommen habe. Schließlich sei die HSV als pünktlicher Zahler bekannt. „Wir haben alle vorherigen Rechnungen bezahlt, auch die, die zwischen den beiden lagen und auch alle folgenden. Warum sollten wir diese beiden nicht begleichen? Das widerspricht doch jeder Logik.“

HSV-Vorsitzender Alexander Griessl

Die Landesspruchkammer gab den entsprechenden Verantwortlichen aus den Bereichen Recht und Finanzen beim Handballverband Westfalen die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Sie gaben an, aus ihrer Sicht korrekt gehandelt zu haben.

Das sah die Spruchkammer anders. Mahnungen seien in der Schrift- und Papierform zuzusenden und unterliegen einem persönlichen Verhältnis zwischen Rechnungssteller und -adressat. Eine Veröffentlichung im WH sei rechtlich nicht korrekt. Der Verband setzte zwar eine letzte Zahlungsfrist, drohte aber keinerlei Sanktionen an. Auch dieser Umstand sei rechtlich nicht tragbar. Der säumige Zahler müsse erkennen, welche Konsequenzen eine Nichtbezahlung nach sich zieht. Diese Androhung von Sanktionen ist sogar in der Rechtsordnung des DHB festgeschrieben.

Urteil kritisiert Pauschalstrafen

Im Urteil wurde auch die Missachtung der Verhältnismäßigkeit kritisiert. Sämtliche Vereine, unabhängig von Dauer und Höhe des Zahlungsverzugs, wurden in gleichem Maße bestraft. Solche Pauschalstrafen, die von einer gewissen Willkürlichkeit geprägt scheinen, stünden in keinem Verhältnis zum beabsichtigten Zweck, begründete die Spruchkammer.

Und dass der Verband durch sein Verhalten aktiv in Auf- und Abstiegskampf eingriff, war den Kammer-Mitgliedern außerdem ein Dorn im Auge. Faktisch ist keine Mannschaft aufgrund der Punktabzüge abgestiegen oder Teams aufgrund der Punktgewinne am grünen Tisch aufgestiegen.

Einen Beigeschmack hat dieser Umstand aber schon, schließlich ist der HSV ein für die Motivation enorm wichtiger Sieg gegen den Tabellenführer aberkannt worden. Zeitgleich wurde die Verbandsligamannschaft daran gehindert, Spieler für die akut abstiegsbedrohte Reserve freizuspielen. Doch diese Punkte sind rechtlich nicht greifbar. „Wir haben viel Arbeit in dieses Verfahren investiert“, verriet Griessl. - Von Markus Jentzsch

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