Handball (Frauen)

Landesliga-Frauen: Plädoyers für den Saisonabbruch

Handballerin im Zweikampf
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Ob und wann die Saison für Nina Lausen und die HSG-Frauen weitergeht, ist offen.

Beim digitalen Staffeltag der Frauen-Landesliga am Donnerstag gab es bei den Vereinen wenig Zuversicht, die Saison im neuen Jahr fortsetzen zu können. Eine Entscheidung über einen Saisonabbruch aber steht aus.

Lüdenscheid – Gegenwind von den Frauen: Die digitalen Staffeltage des Handball-Verbandes Westfalen am Donnerstag für Ober-, Verbands- und Landesliga im weiblichen Bereich brachten zumindest im Landesliga-Bereich eine überraschende Resonanz für die Spielplaner des HV Westfalen, Bernd Kuropka und Andreas Tiemann. Abgestimmt und entschieden wurde zwar wie bei den Männern nichts. Doch die Mehrheitsmeinung bei den Wortmeldungen der Vereine war ein großes gemeinsames Plädoyer dafür, die Saison abzubrechen und im neuen Jahr vorerst nur Freundschaftsspiele anzubieten.

Gerade von den Vereinen aus dem Ruhrgebiet gab es Signale, dass die Spielerinnen massive Probleme mit ihren Arbeitgebern haben, wenn sie sich beim Handball infizieren würden. Entsprechend groß seien die Schwierigkeiten, die Mannschaften bei einem eventuellen Neustart überhaupt zusammenzubekommen. Die Zuversicht, dass die Spielzeit nach den Vorstellungen der Spielplaner Ende Januar – analog zu den Männern – wieder Fahrt aufnehmen könnte, gibt es bei diesen Vereinen nicht.

Plädoyers für den Saisonabbruch

Julia Reichler, Frauen-Abteilungsleiterin der HSG Lüdenscheid und gemeinsam mit Dörte Klinker bei der Videokonferenz am Donnerstag dabei, teilt die Meinung der Ruhrgebiets-Clubs durchaus. Die HSG positionierte sich in der Konferenz nicht. „Aber auch deshalb nicht, weil bei den Wortmeldungen weitestgehend unsere Meinungen wiedergegeben wurden“, sagt Reichler, „Handball ist unser Hobby. Wir reden hier über die Landesliga. Natürlich gibt es da im Moment viel wichtigere Dinge.“

Bei der HSG gibt es auch zwei Spielerinnen, die aktuell aus beruflichen Gründen nicht spielen würden, wenn die Saison fortgesetzt werden sollte. „Das ist wahrscheinlich in jeder Mannschaft so – und dann verzerrt so etwas natürlich auch das Leistungsbild“, sagt Julia Reichler. Auch Trainer Torsten Düllmann ist nicht gegen die Abbruch-Variante – dass es Ende Januar wieder losgehen könnte, kann sich auch der Coach nicht vorstellen. Reichler, Düllmann und Klinker wollen sich in der nächsten Woche beraten und dann dem Verband die Meinung der HSG mitteilen.

Verbandsvertreter wollen noch nicht aufgeben

Die Vereine jedenfalls haben die Spieltechniker gebeten, in der Meinungsabfrage für ein nächstes digitales Treffen auch die Abbruch-Variante als mögliche Option mitaufzunehmen. Die Alternative – eine Fortsetzung des Spielbetriebs – orientiert sich in der Theorie am Beispiel der Männer: Meisterschaftsfortsetzung im Idealfall Ende Januar. Danach drei Varianten fürs Saisonfinale: Entweder eine Abschlusstabelle nach einer einfachen Runde mit Ermittlung von Auf- und Absteigern. Alternativ eine verkürzte Rückrunde in Leistungsgruppen. Oder als dritte Möglichkeit eine Play-off-Variante, in der alle offenen Fragen in K.o.-Spielen geklärt werden sollen.

Die Verbandsvertreter übrigens plädierten wie bei den Männern für eine Saisonfortsetzung, die Meinung der Mehrheit nahmen sie zur Kenntnis. „Wirklich überrascht waren wir bei der Frauen-Landesliga nicht“, sagt Andreas Tiemann, Chef der Spieltechnik im HV Westfalen, „es ist ja tatsächlich so, dass hier viele Spielerinnen in wichtigen Jobs arbeiten wie zum Beispiel in der Pflege, in denen sich nicht verzichtbar sind. Und natürlich ist die Landesliga bei den Frauen auch keine wirkliche Leistungshandball-Klasse – eher schon ist sie im gehobenen Freizeitsportbereich angesiedelt.“

Tiemann kann sich viele Optionen vorstellen – womöglich auch die, nur noch mit den spielwilligen Teams Aufsteiger auszuspielen. Aber erst einmal will er die Rückmeldungen abwarten. „Und wenn es eine deutliche Mehrheit dafür geben wird, den Spielbetrieb einzustellen, dann stellen wir ihn ein“, sagt er, „aber diese Mehrheit müsste dann schon wirklich deutlich sein.“ Noch eines stellte er klar: Ein Abbruch der Saison im Landesliga-Bereich der Frauen würde nicht heißen, dass auch in der Verbands- und Oberliga die Spielzeit nicht fortgesetzt würde. Hier gab es zwar auch Bedenken, aber längst nicht in der Ausprägung des Landesliga-Staffeltags.

Noch neun Spiele für die HSG Lüdenscheid

In der Staffel 5 der Frauen-Landesliga in Westfalen sind bis zur Saison-Aussetzung zwei Spieltage absolviert worden. Tatsächlich haben aber nur drei der elf Mannschaften auch schon zwei Spiele absolviert. Die HSG Lüdenscheid verlor zum Auftakt beim TVE Netphen II 16:19, das zweite Saisonspiel gegen die VTV Freier Grund fiel aus. Sollte die Saison Ende Februar wieder losgehen, müssten die HSG-Frauen noch neun Spiele absolvieren. Angesetzt ist laut Spielplan am 31. Januar ein HSG-Heimspiel gegen den HTV Hemer.

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