Interview mit Günther Nülle

KSB-Chef Nülle über die Sorgen der Vereine und die Corona-Soforthilfe

Günther Nülle, Vorsitzender Kreissportbund MK
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KSB-Chef Günther Nülle äußerte sich im Interview zur Corona-Krise.

Der Sport-Lockdown und seine Folgen für die Sportler im Märkischen Kreis: Günther Nülle, Vorsitzender des Kreissportbundes, zeigt Verständnis für die Sorgen der Vereine.

Kreisgebiet – Für die Sportvereine hat der am Montag flächendeckend in Kraft getretene „Lockdown light“ gravierende Folgen. Es gibt nicht wenige Vereinsfunktionäre, die eine Stilllegung des Sports über den November hinaus befürchten. Neben Verlusten auf der Einnahmeseite durch die Einstellung des organisierten Spielbetriebs auf Amateurebene wächst auch die Sorge, dass es eine Welle von Mitgliederaustritten geben könnte. Über die Probleme und Sorgen der heimischen Sportvereine, aber auch über mögliche Hilfen, sprach Lars Schäfer mit Günther Nülle, dem Vorsitzenden des Kreissportbundes MK.

Die Sportvereine haben im Frühling und Sommer viel Zeit, Kraft und teilweise auch Geld investiert, um Hygienekonzepte zu erstellen und umzusetzen. Seit Montag aber sind Sportplätze, Sporthallen und Bäder dicht. Die Reaktionen reichen von Verständnis über Schulterzucken bis hin zur Frustration. Wie haben Sie die politischen Beschlüsse in der vergangenen Woche aufgenommen?
Die Sportvereine haben im Frühling und Sommer viel Zeit, Kraft und teilweise auch Geld investiert, um Hygienekonzepte zu erstellen und umzusetzen. Seit Montag aber sind Sportplätze, Sporthallen und Bäder dicht. Die Reaktionen reichen von Verständnis über Schulterzucken bis hin zur Frustration. Wie haben Sie die politischen Beschlüsse in der vergangenen Woche aufgenommen?
Welche Gefahr birgt die erneute Zwangspause für den organisierten Vereinssport. Was sind die größten Sorgen oder Bedenken der Vereinsfunktionäre, die bis dato an den KSB herangetreten sind?
Natürlich geht es um den Blick in die Zukunft. Es taucht immer wieder die Frage auf: Was machen wir, wenn es so weitergeht? Dann nämlich sind irgendwann die finanziellen Ressourcen aufgebracht. Einige Vereine leben vom Spielbetrieb und müssen sich so finanzieren. Sie haben Verträge mit Übungsleiterinnen und Übungsleitern, die sie erfüllen müssen. Auf der anderen Seite haben sie aber keine Einnahmen, weil Kurse nicht stattfinden oder Spiele ausfallen. Da haben wir das Glück, dass es ein Soforthilfeprogramm des Landes über zehn Millionen Euro gibt. Davon haben auch schon Vereine aus dem Märkischen Kreis partizipiert.
Sie sprechen die „Soforthilfe Sport“ an, die von notleidenden Sportvereinen beantragt werden kann. Diese Hilfe wurde vom Landessportbund NRW als „schnell und unbürokratisch“ bezeichnet. Ist sie das auch in der Umsetzung und wurde im MK davon Gebrauch gemacht?
Wir beim KSB Märkischer Kreis haben nur einen begrenzten Einblick auf diesen Bereich des Förderportals. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir auf diese Daten nicht zugreifen. Wir wissen aber vom Landessportbund, wie viele Vereine aus dem Märkischen Kreis diese Hilfe bis jetzt in Anspruch genommen haben. Es sind von 22 Vereinen 31 Anträge gestellt worden. Und es geht um ein Gesamtvolumen von Zuschüssen in Höhe von circa 220 000 Euro, die bis Dienstag bewilligt worden sind.
In den vergangenen Tagen wurde kontrovers diskutiert, ob der Vereinssport zu den Infektionsherden zählt oder eben nicht. Was können Sie zu diesem Thema sagen, welche Informationen liegen dem KSB MK diesbezüglich vor?
Uns liegen keine Zahlen vor, wie viele Infektionen tatsächlich aus dem Sport gekommen sind. Es gab aber Meldungen darüber, dass es einige wenige Infektionen auch aus dem Sport heraus gegeben hat. Man weiß aber nichts Genaues, es ist schlecht zu eruieren. Die Gesundheitsämter können, glaube ich, im Moment auch diese Zahlen nicht liefern.
In NRW steht die große Mehrheit der mehr als 18000 Sportvereine unter einer ehrenamtlichen Führung. Werden die politischen Beschlüssen Ihrer Meinung nach für eine schwindende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement nach sich ziehen?
Das sind, neben dem finanziellen Aspekt, unsere größten Sorgen. Wir befürchten, dass die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit aufgrund der Belastungen, die durch die Pandemie auftreten, immer weiter schwinden wird. Wir haben ja sowieso schon in einigen Vereinen Probleme, die Vorstände zu besetzen. Diese Problematik gab es schon vor der Corona-Krise, sie wird durch die Pandemie aber sicher noch verstärkt werden.
Der Landessportbund arbeitet daran, der Politik Lösungen anzubieten, wie es mit einem verantwortungsvollen Sporttreiben ab dem 1. Dezember weitergehen kann. Wie könnten solche Lösungen aussehen?
Der Landessportbund steht im regen Austausch mit der Staatskanzlei in Düsseldorf. Ersten Informationen nach, möchte der LSB verstärkt digitale Sportangebote entwickeln bzw. ausbauen. Für diese Projekte nimmt der LSB eine Millionen Euro aus eigenem Etat in die Hand. Eine Idee ist auch eine Winteredition vom „Sport im Park“. Es kann natürlich so sein, dass der Sport- und Trainingsbetrieb im Freien wieder erlaubt wird. An die Öffnung des Hallensports aber glaube ich nicht. Der Schwerpunkt müsste dann darauf liegen, dass zum Beispiel die Kooperationen mit Schulen wieder aktiviert werden. Das passiert im Einzelfall auch schon. Unser FSJler Felix Tinghaus beispielsweise geht normalerweise in Schulen, um dort Sportunterricht im offenen Ganztag zu machen. Das wird seit Dienstag wieder praktiziert, ist natürlich auch erlaubt. Das ist auch wichtig für die Kinder, damit sie Bewegung bekommen und sich ein bisschen auspowern können.

Zur Person: Günther Nülle

Günther Nülle ist seit acht Jahren Vorsitzender des Kreissportbundes Märkischer Kreis. Der 69-Jährige, der Sport und Sonderpädagogik studiert hat und Förderschullehrer war, lebt in Iserlohn und ist begeisterter Segler. Beim Kanu-Segel-Club Hemer ist er aktives Mitglied und Sportwart. Beim KSB MK gibt es mittlerweile sechs hauptamtliche Mitarbeiter, die den ehrenamtlichen Vorstand um Günther Nülle unterstützen.

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