Bei JHV von RWL kritisiert Michael Dregger DFB scharf

+
Drei Geehrte und zwei Vorstandsmitglieder von RW Lüdenscheid (von links): Winfried Sauer, Stefan Grappendorf, Peter Arens, Dietmar Weigel und Michael Dregger.

Lüdenscheid - In nur knapp 25 Minuten brachte Vorstandssprecher Michael Dregger am Montagabend die harmonische Jahreshauptversammlung von Rot-Weiß Lüdenscheid mit einmütigen Wiederwahlen aller Amtsträger im Jugendraum des Nattenberg-Stadions über die Bühne.

Intensive Minuten allerdings, in denen Dregger nach umfassenden Danksagungen an Vereinssschiedsrichter, ehrenamtlichen Helfer und Trainer, „ohne die ein solcher Verein nicht zu führen ist“, „Giftpfeile“ in Richtung DFB-Zentrale in Frankfurt und die „Bundesliga-Millionaros“ abfeuerte und FLVW-Kreis Lüdenscheid sowie den Landesverband Westfalen unmissverständlich aufforderte, sich für den Schutz der langfristig in ihrer Existenz bedrohten Amateurklubs stark zu machen.

Keine Bundesliga am Sonntag

„Die Fußball-Bundesliga muss weg vom Sonntag, jedes Bundesligaspiel, das einen Amateurklub 30 Zuschauer kostet, gefährdet dessen Zukunft“, kritisierte der RWL-Sprecher und prangerte den großen Einfluss der nur rund 0,15 Prozent der Mitglieder umfassenden Profiklubs mit 25 Prozent der Stimmen plus eine als greifende Sperrminorität auf den DFB-Hauptversammlungen an.

Und auch in einem anderen Feld sieht sich die Vereinsspitze des Sauerland-Klubs vom DFB allein gelassen: So bemüht sich der Klub, für den ehemaligen Jugendspieler Aykut Erdogan Ausbildungsentschädigungen gegenüber dem türkischen Profiklub Gaziantep Büyüksehir Belediyespor (2.Liga) geltend zu machen (im Raum stehen laut RWL 20 000 Euro), zudem prüft der Klub Ansprüche ähnlicher Art gegenüber einem griechischen Profiverein, der einen Ex-RWL-Kicker in der höchsten griechischen A-Junioren-Liga einsetzt (laut RWL 5000 Euro).

Beim DFB abgewiesen

Um diese Ansprüche geltend zu machen, hatte der RWL-Vorstandssprecher um Unterstützung beim DFB nachgesucht, war aber abgewiesen worden: „Uns wurde mitgeteilt, dass es grundsätzlich kein Interesse gebe, diese Dinge nachzuhalten, da der Verband eine größere Zahllast der DFB-Klubs befürchte. Das heißt doch, dass Amateurvereinen bei möglichen Einnahmen nicht geholfen wird, dagegen schützt man die Profiklubs vor möglichen Ausgaben“, sieht Dregger einmal mehr die „Kleinen“ hängen gelassen.

Dabei haben die ohnehin große Zukunftssorgen, denn der allgemein um sich greifende Mitgliederschwund hat auch vor RWL nicht Halt gemacht: Aktuell habe der Klub nach angelaufenen Bereinigungen des Bestandes noch 498 Mitglieder gegenüber 535 im vergangenen Jahr. Im Jahr 2014 erzielte RWL knapp 30 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen, doch die Zahlungsmoral lässt nach wie vor wohl viele Wünsche offen. Immerhin fast 4000 Euro mussten von Inkassounternehmen eingezogen werden, das sind rund 13 Prozent aller Beiträge, hinzu kommen noch ausstehende Forderungen von nochmals 4000 Euro an Beiträgen. „Und wer nicht mehr spielt, der tritt aus dem Verein aus. Das Solidaritätsprinzip, mit dem die Klub mitfinanziert wurden, ist nicht gefährdet, es ist schon tot. Mittelfristig müssen wir uns da neue Wege einfallen lassen“, so Dregger.

In 2014 verbuchte RWL nach dem satten Gewinn von 2013 einen buchhalterischen Verlust von gut 7700 Euro, in reiner Gegenüberstellung von Kosten- und Erlösrechnung einen tatsächlichen Verlust von rund 3200 Euro. Der Stand an Verbindlichkeiten unter Berücksichtigung von Zahlungszusagen und weiterer Bereinigungen beträgt aktuell nunmehr rund 23 000 Euro.

Beanstandungen am vorgetragenen Zahlenwerk des Vorstandes hatten die Revisoren nicht, die deshalb die Vorstandsentlastung beantragten. Bis auf die drei Vorstandsmitglieder, die sich der Stimme enthielten, folgten die dann noch Stimmberechtigten einmütig dem Antrag. Überhaupt gab es weder bei Wahlen noch bei Verabschiedung der nach vielen Änderungen in den vergangenen Jahren komplett neu überarbeiteten Satzung eine Gegenstimme der 22 versammmelten Mitglieder – mithin rund 10 Prozent aller stimmberechtigten Rot-Weiß-Mitglieder. - jig

Wahlen: Der dreiköpfige RWL-Vorstand mit Michael Dregger, Martin Buchheister und Stefan Grappendorf wurde wiedergewählt; ebenso die Revisoren Lars Scheerer und Oliver Kamp

Ehrungen: Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden ausgezeichnet: Franz-Josef Frieling (anwesend), Wolfgang Struwe (bereits Ehrenmitglieder, deshalb ohne Nadel), Burkhard Klatt, Michael Cramer (beide nicht anwesend)

40 Jahre Mitglied und damit als Ehrenmitglied künftig beitragsfrei: Martin Klasen (anwesend), Ulrich Blach, Gerhard Dunkel (bereits zuvor Ehrenmitglieder wegen ihrer Verdienste für den Klub; Peter Arens (50 Jahre), Winfried Sauer, Dietmar Weigel (anwesend) sowie nicht anwesend: Klaus Eick, Wilhelm Asbach, Karl-Heinz Pirch, Willibald Kuhbier, Hans Peter Eick, Walter Wagener, André Drückow, Dieter Röttger, Friedhelm Schulte und Heiko Kölz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare