Motorsport

Krepschiks STT im Corona-Jahr mit finaler Extratour

Rennorganisator Rolf Krepschik
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STT-Chef Rolf Krepschik in der Vömmelbach vor einem großen Werbebanner der Serie: Das Corona-Jahr hat auch der STT und Krepschik zugesetzt, doch am Ende schaut der Lüdenscheider doch wieder optimistisch in die Zukunft.

Rolf Krepschik und die Spezial-Tourenwagen-Trophy im Corona-Jahr 2020: Eine leichte Saison war es nicht, doch der Rennorganisator aus Lüdenscheid blickt positiv nach vorne.

Lüdenscheid – Es war eine Art Spezial-Tour zum Saisonfinale in der Spezial-Tourenwagen-Trophy 2020, genau genommen waren es sogar vier. Allerdings keine auf einer der bekannten Rundstrecken. Es waren Autobahn-Kilometer, die Rolf Krepschik, seit 1996 Chef der STT und damit der wahrscheinlich dienstälteste Rennorganisator im deutschen Rennsport der Breitensport-Sparte, abriss, um den STT-Siegern zu gratulieren und die Pokale zu überreichen.

„Ich habe alle Fahrer persönlich besucht“, sagt der Lüdenscheider, „und die haben sich darüber auch sehr gefreut, nur eine Tour nach Holland habe ich nicht gemacht – wegen Corona.“ Aber in die Schweiz ist Krepschik gefahren – vorher über Obertshausen bei Hanau, Neckarsulm und Königsbronn. Nach Betzdorf zu den Alzen-Brüdern natürlich, nach Duisburg. Und zuletzt über Gusborn bei Dannenberg und Magdeburg nach Leipzig.

„Es waren viele Kilometer und viel Zeit, aber die Fahrer haben das auch verdient“, sagt Krepschik. Eine Deutschland-Tour im Oktober und November, die es so noch nie gegeben hat in der Rennserie, und die Rennserie läuft immerhin seit 1986 und damit unter demselben Namen so lange wie keine andere in Deutschland.

Krepschiks STT im Corona-Jahr mit finaler Extratour

Krepschik, der im Mai 70 Jahre alt wird, ist 1987 zum ersten Mal selbst mit seinem später legendären Golf in der STT gefahren. Er hat fünfmal die Gesamtwertung gewonnen, nur Heinz Remmen war in der STT erfolgreicher. Und als 1996 der Gründer der Serie, Udo Lohmann aus Halver-Anschlag, der STT aufgrund der rückläufigen Meldungen keine Zukunft mehr geben wollte und sie einfach bei der ONS (Oberste Nationale Sportkommission) abmeldete, da nahm Krepschik die Dinge selbst in die Hand und hat die Verantwortung seitdem auch nicht wieder abgegeben.

24 Jahre später nun, im Herbst dieses vermaledeiten Corona-Jahres, sitzt Krepschik in seinem Büro in der Vömmelbach in Oberbrügge. Als er seinen Werkstatt-Standort in Lüdenscheid aufgegeben hat vor sechs Jahren, brauchte er für die Serie, für die Pokale, die Siegerschleifen und auch für seinen Tour-LKW einen neuen Standort und hat ihn in Oberbrügge gefunden. „Und wir brauchten eine Gewerbe-Adresse, eine Privatadresse geht nicht“, sagt Krepschik, der in der Vömmelbach mit einer alten  Lagerhalle glücklich geworden ist.

Krepschik: Seit 50 Jahren mit der Rennlizenz

Vor 24 Jahren, da wollte Krepschik einfach nur, dass es weitergeht, weil die STT mit ihrer Vielfalt Fahrzeugen eine Heimat bot, die nicht so leicht anderswo zu integrieren gewesen wären. Deshalb motivierte er das Starterfeld und machte den Lohmann-Schritt bei den Rennbehörden rückgängig. Und als der Fortbestand der Serie dann seinerzeit feststand, da kam die Angst. „Ich hatte doch von Tuten und Blasen keine Ahnung“, sagt Krepschik heute, der von einem Tag auf den anderen in der Verantwortung stand, „ich konnte mich damals auf Rennstrecken durchboxen, aber sonst…“

Faszination STT: Die Serie wird mit ausladendem Flügelwerk, mächtig breiten Kotflügeln und tollem Sound in Verbindung gebracht.

Krepschik hat sich auch als Rennorganisator durchgeboxt. Mit dem Fahrwerk-Spezialisten H&R aus Lennestadt als Partner an seiner Seite. „Die haben mir auch in schwierigen Zeiten die Treue gehalten, ein toller Partner“, sagt Krepschik. Einen Geschäftsführer, der die STT mit ein bisschen viel Halligalli in Schieflage gebracht hatte, haben Krepschik und die STT überlebt. Und auch alle Aufs und Abs im stetigen Kampf darum, dass genügend Fahrer zusammenkommen, um die Serie nicht in die Verlustzone rutschen zu lassen.

Heute ist der Lüdenscheider, der selbst seit nun fast 50 Jahren die Rennlizenz besitzt („Ich setze mich schon noch mal gerne ins Rennauto – und dann staunen die Fahrer, dass der alte Mann doch noch fahren kann…“), ein gut vernetzter Grandseigneur des deutschen Rennsports. Dass die STT im Rahmen der Westfalentrophy des ADAC auch immer wieder am Nürburgring unterkommt – es hängt auch mit den langjährigen Kontakten des Bergstädters zusammen. Krepschik wird als seriöser Partner geschätzt.

Saisonfinale in der Eifel bleibt ein Traum

In diesem Jahr allerdings blieb die „grüne Hölle“ in der Eifel ein Traum für die STT, ein unerfüllter. Am zweiten Oktober-Wochenende noch fuhr Lewis Hamilton in der Formel 1 zum Sieg auf dem Nürburgring. Am dritten Oktober-Wochenende sollte die STT ihr Saisonfinale auf dem Ring bestreiten – mit zwei Läufen und anschließender Siegerehrung. Doch dann schnellten die Corona-Infektionszahlen in die Höhe. Bis dienstags hoffte Krepschik noch. Vergeblich.

„Ich habe an dem Wochenende einen fünfstelligen Betrag verloren“, sagt Krepschik. Geld spielt in der STT wie überall im Motorsport eine große Rolle. Jede Saison aufs Neue ist eine Gratwanderung. Für eine Saison in Zeiten der Corona-Pandemie gilt das insbesondere. Sieben Rennwochenenden mit je zwei Läufen hatte Krepschik im Programm. Die Veranstaltungen in Oschersleben und Hockenheim fielen direkt flach aufgrund der Pandemie.

STT-Chef Rolf Krepschik in der Vömmelbach vor einem großen Werbebanner der Serie: Das Corona-Jahr hat auch der STT und Krepschik zugesetzt, doch am Ende schaut der Lüdenscheider doch wieder optimistisch in die Zukunft.

Mit einem Trackday am Nürburgring gelang der Einstieg, dann folgten die Rennen auf dem Lausitzring, in Hockenheim (2. Termin), im niederländischen Assen und auf dem Sachsenring. „Eine der tollsten Rennstrecken“, sagt Krepschik über den Rundkurs im südlichsten neuen Bundesland und gerät ins Schwärmen, „die Rennstrecke ist wirklich unübersichtlich, eine echte Berg- und Talfahrt.“ So kamen acht Rennen in die Wertung. Immerhin.

Tolle Gesten im Corona-Jahr der STT

Aber so einfach ist es nicht. An einem Rennwochenende bucht Krepschik in der Regel 130 Rennminuten, die zwischen 150 und 210 Euro pro Minute kosten. „Per Handschlag. Das Geld ist fix zugesagt – und dann muss man auf die Fahrer hoffen“, sagt Krepschik. Dazu hat er die Kosten für den Standort in der Vömmelbach, den LKW, das Equipment, die Preisgelder. Der Rennchef tritt gedanklich in Vorleistung. Und wenn dann die Rennen nicht stattfinden, hat er ein Problem.

„Es hat tolle Gesten gegeben in dieser Saison“, sagt Krepschik. Fahrer, die bei ausgefallenen Rennen ihr Geld nicht zurückgefordert haben. Beim Saisonfinale sogar Teilnehmer, die trotz des Ausfalls am Ring noch schnell ihr Startgeld überwiesen haben. Gesten, die Krepschik ein bisschen stolz machen. Aber es gibt eben auch welche, die sich nur für ihre Belange interessieren.

Ich setze mich schon noch mal gerne ins Rennauto – und dann staunen die Fahrer, dass der alte Mann doch noch fahren kann…

Rolf Krepschik

25 Fahrer haben ihre Boliden in diesem Jahr in der Rennserie mit den drei Divisionen und ihren Unterklassen über die Rennstrecken bewegt. Ein buntes, interessantes Feld, das freilich viel kleiner ist als 1989, als Krepschik das erste Mal die STT gewann. „Da waren es 20 Auto in meiner Klasse und 50 in meiner Division“, erinnert sich Krepschik, „und 1987, als ich im Regen bei meiner Premiere mit dem Golf sensationell Gesamtdritter geworden bin, da waren 80 Autos im Rennen…“ Das ist lange her. Heute ist es ein Kampf um jeden Teilnehmer. Gaststarter, die auch immer wichtig waren für die Wirtschaftlichkeit der STT, haben sich im Corona-Jahr rar gemacht – irgendwie logisch.

Doch es gibt auch positive Aspekte: Unter den 25 STT-Startern war mit Uwe Alzen, dem langjährigen DTM-Piloten, diesmal auch ein Profi und Vollblutrennfahrer, der sich am Ende auch mit Ralf Glatzel, der im Ford Fiesta die Division 3 genauso dominierte wie Alzen die Division 1, den Gesamtsieg teilte. Als Vizemeister zeichnete Krepschik den Sieger der Division 2, Max Frederik Gruhn im Audi RS3 TCR, aus.

Uwe Alzen: Der Profi fährt sein eigenes Rennen

Ein Starter wie Uwe Alzen, der seinem Sponsor H&R den Titel bescherte, den sein Bruder Jürgen die Jahre zuvor nicht heimgebracht hatte, tut der Rennserie einerseits gut, aber es gibt eben auch die zweite Seite: In seinem Audi R8 GT3 wertete er die STT mit seinen Auftritten zweifelsohne auf – allerdings war er so dominant und outstanding, dass die Konkurrenz ihm nur staunend beim Gewinnen zuschauen durfte. Uwe Alzen fuhr seine eigenen Rennen, die anderen Fahrer waren für ihn Staffage.

Sei’s drum: Am Ende ist alles gut gegangen mit der Saison. Wieder einmal und trotz Corona. Krepschik schaut in seinem Büro in der Vömmelbach zufrieden zurück, aber auch nach vorne. Eigentlich läge jetzt die große Messe in Essen vor ihm. Sie ist auch ein Corona-Opfer. Aber der vitale Endsechziger, der sich mit Tennis und Radfahren fit hält, gerade am Vortag 55 Kilometer abgerissen hat („Ich mache das, solange ich mich wohlfühle, das hält gesund…“), bleibt optimistisch.

Kurz vor Weihnachten und im Januar warten Trackdays im spanischen Ascari – Wochenenden zum Aufwärmen für die Fahrer, die den Weg und die Kosten nicht scheuen. Danach hat sich Krepschik von Januar bis März mit einem neuen H&R-Cup Europa in die GT-Winterserie eingeklinkt. Zwei Rennen auf der portugiesischen Formel 1-Strecke in Portimao, eines im spanischen Aragon. „Ja, da werde ich dann vor Ort sein“, sagt Krepschik – was die Messe nicht leisten kann bei der Pflege von Kontakten und im Werben um  Starter, soll nun die Winterserie leisten. Vielleicht lassen sich über die Preisgelder interessante Fahrer in die STT lotsen.

STT: Der Fahrplan für das Jahr 2021 steht

Der STT-Fahrplan steht auch schon. In Oschersleben soll die Saison am 24./25. April losgehen. Im Mai feiert Krepschik seinen 70. Geburtstag, im Juni (10./11., Lausitzring), Ende Juli (31. Juli/1. August, Nürburgring), im August (27.-29., Assen) und im September (18./19., Hockenheimring) warten weitere jeweils zwei Rennen. Die STT-Rennen sind gleichzeitig Wertungsrennen für den H&R-Cup Europa. 

Das Gesamtpaket ist geschnürt, und es ist ein attraktives, wenn die Pandemie nicht wieder dazwischenfunkt. Die STT geht in ihre 36. Saison. Die STT und Krepschik sind zwei Dauerbrenner, die nicht müde werden, nicht voneinander lassen können. Die Siegerehrung übrigens ist für den 19. September 2021 in Hockenheim terminiert. Die Spezial-Tour 2020 zum Saisonfinale, sie soll für Krepschik ein ganz besonderes Erlebnis, vor allem aber eine einmalige Erfahrung bleiben.

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