Portugues-Verantwortliche streiten Vorwürfe ab

Gleich mehrere Strafen verhängte die Kreisspruchkammer gegen Verantwortliche von Portugues Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Wer keinerlei Einsicht zeigt, selbst nach gegenteiligen Aussagen neutraler Zeugen bis zum Ende auf seinem Standpunkt beharrt und schließlich als vermeintlicher Lügner entlarvt wird, der muss sich nicht wundern, wenn er dafür mit den Konsequenzen leben muss. So geschehen in Sachen Portugues Lüdenscheid am Montagabend vor der Kreisspruchkammer (KSK) in der Gaststätte „Friedrichshof“.

Von Marc Kusche

Im Einzelnen: Gegen den Übungsleiter verhängte die Kammer wegen grober Unsportlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter ein Ordnungsgeld von 100 Euro sowie eine einmonatige Funktionssperre, gegen den Torwart wegen des gleichen Delikts plus Beleidigungen eine Sperre bis zum 3. Februar 2015, gegen einen Spieler wegen Schiedsrichterbeleidigung eine Sperre von acht Wochen (höchstens acht Pflichtspiele), dazu gegen den Verein Portugues wegen grober Unsportlichkeit seiner Zuschauer ein Ordnungsgeld von 150 Euro.

Zu Grunde lag dem Fall ein sehr detaillierter Sonderbericht des Referees zu den Vorkommnissen der C-Liga-Partie VfB Altena II gegen Portugues (6:2) vom 13. April dieses Jahres. Danach hätte der Portugues-Übungsleiter ihn nach dem frühen Rückstand aus der 3. Minute ständig kritisiert und beleidigt, auch nach dem Abpfiff nicht damit aufgehört. Auch zwischenzeitliche Bemühungen, dies zu unterlassen, hätten nicht gefruchtet, zumal es auch Beleidigungen von weiteren Portugues-Zuschauern in Nähe der Ersatzbank gegeben habe. Der Torwart derweil hätte nach einem Gegentor den Ball mit voller Absicht Richtung Referee geschossen, ihn auch getroffen. Nach Erhalt der roten Karte folgten noch weitere Beleidigungen des Keepers. Und der Spieler schließlich, so der Schiedsrichter, hätte ihn Minuten nach Spielende noch mit einem nicht zitierfähigen Wort beleidigt.

Die Reaktion der vermeintlichen „Sünder“: Abgesehen davon, dass der Torwart einräumte, den Schiedsrichter aus Frust über die rote Karte beleidigt zu haben, stritten sie alle weiteren Vorwürfe vehement ab. Geradezu grotesk mutete die Aussage des Spielers an: „Ich habe den Schiri nicht beleidigt, sondern ihm einen schönen Sonntag gewünscht.“ Aussage stand gegen Aussage, und so brachten Zeugen Licht ins Dunkel. Gar ein Portugues-Spieler bestätigte, dass der Referee mit dem Trainer gesprochen hätte, dass er seine Kritik unterlassen solle, was der Übungsleiter zuvor weit von sich gewiesen hatte. Ein VfB-Spieler bestätigte zudem, dass von außen immer wieder Worte Richtung Schiedsrichter gefallen seien, dazu widersprach der VfB-Trainer der Aussage des Torwarts („Ich habe den Ball zur Mittellinie geschossen und den Schiri nicht getroffen“): „Der Schiedsrichter stand am Strafraumeck und in diese Richtung ist der Ball geflogen. Ob er ihn getroffen hat, weiß ich allerdings nicht.“

Doch auch davon ließen sich die angeklagten Portugues-Protagonisten nicht beeindrucken, erhielten folgerichtig die Quittung dafür. „Sie haben auf Sekt oder Selters gesetzt und Selters erhalten“, so der KSK-Vorsitzende Heiko Kölz. Erstmals in seiner Amtszeit wurde daher u.a. gegen einen Übungsleiter nicht nur ein Ordnungsgeld, sondern zusätzlich noch eine Funktionssperre verhängt.

Dass es auch anders geht, zeigte der ähnlich gelagerte zweite Fall des Abends. Angeklagt waren der Übungsleiter vom TSP Plettenberg II (Kreisliga D) wegen des Verdachts der Schiedsrichterbeleidigung sowie ein Spieler wegen des Verdachts einer Tätlichkeit gegenüber dem Referee. Bei beiden hatte sich nach der 3:4-„Last-Minute-Niederlage“ gegen den TuS Versetal II vom 12. Oktober Frust breit gemacht. „Ich bin laut geworden, weil ich sauer war. Dafür entschuldige ich mich“, räumte der Trainer freimütig ein, und auch der Spieler, der eine Plastikflasche vor dem Referee auf den Boden geworfen und dafür „Rot“ gesehen hatte, gestand dies, hatte sich gar direkt nach dem Spiel schon beim Unparteiischen entschuldigt.

Straffrei gingen die Plettenberger natürlich dennoch nicht aus, doch das Urteil fiel milde aus. Jeweils 50 Euro Ordnungsgeld wurden gegen den Übungsleiter wegen unsportlichen Verhaltens und auch den Verein wegen des gleichen Delikts einiger seiner Zuschauer gegenüber dem Referee verhängt, dazu wurde der Spieler wegen grob unsportlichen Verhaltens für weitere fünf Wochen (höchstens fünf Pflichtspiele) „auf Eis“ gelegt.

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