Kreissportgericht verhandelt Fall

Nach Schlag gegen Referee: Hetzkampagne gegen TSKV - dabei hat Spieler keinen Migrationshintergrund

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Der Spieler hatte eine gelbe Karte gesehen, dann soll er den Schiedsrichter angegriffen haben. 

Lüdenscheid – Das Kreissportgericht (KSG) des Fußballkreises Lüdenscheid wird am Montagabend um 18 Uhr im Festzentrum an der Hohen Steinert erstmals überhaupt seit der Neufassung der Rechts- und Verfahrensordnung zusammenkommen und einen Fall öffentlich verhandeln.

Auf der Tagesordnung steht der Abbruch der Kreisliga-B-Partie zwischen dem TuS Herscheid und dem TSKV Altena vom 25. August. Der Fall hatte seinerzeit hohe Wellen geschlagen. Ein TSKV-Kicker hatte in der Schlussphase nach einer Gelben Karte die Beherrschung verloren und war den 71-jährigen Schiedsrichter tätlich angegangen. In ersten Darstellungen nach dem Spiel hatte es geheißen, er habe den Schiedsrichter ins Gesicht gefasst und zu Boden gestoßen, später dann war der Vorwurf präzisiert worden: Ein Schlag auf den Unterkiefer des Unparteiischen soll es gewesen sein.

Heiko Kölz verhandelt am Montagabend mit dem Kreissportgericht einen Spielabbruch aus der Kreisliga B, der hohe Wellen geschlagen hat.

Auf jeden Fall ging der Referee zu Boden, war für kurze Zeit bewusstlos und musste im Krankenhaus behandelt werden (Schädeltrauma). Im Nachgang erstattete der Unparteiische Anzeige gegen den 28-Jährigen aus Altena. Die Partie war beim Stand von 5:1 für den TuS Herscheid abgebrochen worden. Der Spieler wurde zunächst vom Staffelleiter Mustafa Tekir und später per einstweiliger Verfügung vom KSG bis zur Verhandlung vor dem KSG gesperrt.

Spieler ohne Migrationshintergrund angeklagt

Da der Spieler vom TSKV Altena kommt, wurde nach dem Fall schnell gemutmaßt, dass es sich um einen türkischen Fußballer handeln könnte – mit entsprechenden Reaktionen im Internet, unter anderem fremdenfeindlicher Hetze. Dem allerdings war gar nicht so – es war ein deutscher Kicker ohne Migrationshintergrund gewesen, dem die Tätlichkeit zur Last gelegt wird. 

Unmissverständlich hatte TSKV-Trainer Fikret Durak seine Wut darüber zum Ausdruck, was sich in den sozialen Medien abspielte: „Ein Einzelner hat Mist gebaut, an den Pranger gestellt wird aber der gesamte Türkische Sport- und Kulturverein Altena. Da läuft eine regelrechte Hetzkampagne. Ich habe Spieler aus gleich zehn Nationen in der Mannschaft, bei uns wird Integration gelebt. Und derjenige, der den Mist gebaut hat, ist noch nicht einmal Ausländer.“

Der TSKV hatte direkt geäußert, dass dieser Kicker keine Zukunft im Verein habe, dass sich der Verein zudem beim Referee entschuldigen wolle.

Auch der Verband hatte sich in Person des Verbandsvorsitzenden Gundolf Walaschewski geäußert: „Null Toleranz! Das Präsidium und der gesamte FLVW sind schockiert über diesen brutalen Gewaltausbruch. Zu keinem Zeitpunkt einer Saison sind Attacken auf Schiedsrichter zu erklären oder gar zu entschuldigen“, hatte sich der FLVW-Präsident fassungslos gezeigt. Nun also wird der Fall vor dem Sportgericht unter Vorsitz von Heiko Kölz verhandelt.

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