„Die letzte aller Optionen“

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Zahlreiche Helfer richteten die Sporthallen am Raithelplatz (Foto) und am Dickenberg zur Flüchtlings-Notunterkunft her.

Lüdenscheid - Zahlreiche Lüdenscheider Sportvereine trainieren regelmäßig in den Sporthallen am Raithelplatz und an der Hermann-Gmeiner-Grundschule am Dickenberg – da diese momentan als Flüchtlings-Notunterkunft genutzt werden, sind Alternativen gefragt.

Unter anderem werden die Sporthalle Buckesfeld, die Adolf-Reichwein-Sporthalle und die Hallen der Theodor-Heuss- und Richard-Schirrmann-Realschule frequentiert. „Das haben die Vereine zum großen Teil in Eigenregie organisiert. Gruppen verlegen Zeiten und kombinieren ihre Einheiten mit anderen Gruppen – momentan herrscht noch eine große Solidarität“, lobt Dierk Gelhausen vom städtischen Fachdienst Schule und Sport.

Mit Blick auf den Winter und die damit verbundene Hallensaison der Fußballvereine betont Gelhausen aber auch: „Je länger diese Situation herrscht, desto schwieriger wird es!“ Zumal auch noch ungewiss ist, wann die Renovierungen ander BGL-Sporthalle abgeschlossen werden.

Der Sportbund des Märkischen Kreises (KSB) positioniert sich noch klarer: „Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, kann und darf nur die letzte aller Optionen sein!“

In einer Mitteilung lobt der KSB das jahrelange Engagement der heimischen Sportvereine in Sachen Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen. Das hohe ehrenamtliche Engagement trage „erheblich zu einer gewünschten und unbedingt notwendigen positiven Grundhaltung in der jetzigen Situation bei. Dabei darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass vielfach die Grundlage dieser ehrenamtlichen Aktivitäten in den Sportstätten liegt. Werden Sporthallen als Notunterkünfte genutzt, entstehen hier zwangsläufig Engpässe“.

Aus „humanitäten Gründen“ sei eine Aufnahme von Flüchtlingen eine Selbstverständlichkeit, jedoch sollten die Hallen-Nutzungszeiten „so kurz wie möglich gehalten werden, da eine menschenwürdige Unterbringung in Sporthallen nur bedingt gewährleistet ist“.

Sinkende Temperaturen dienen bereits als Vorboten für die anstehende Hallenfußballsaison: „Natürlich muss man schauen, wie sich das zeitlich regeln lässt. Eine Lösung wäre, dass Fußballmannschaften nur eine Stunde lang trainieren. Da wäre es beispielsweise wünschenswert, wenn direkt von Beginn an intensiv trainiert und nicht noch eine halbe Stunde lang ‘gebolzt’ wird“, so Dierk Gelhausen.

Eine Dauer, wie lange die Lüdenscheider Sporthallen noch als Notunterkunft genutzt werden, kann er nicht nennen: „Das ist noch überhaupt nicht absehbar.“

Der KSB schreibt: „Die aktuelle Situation erfordert Geschlossenheit der Entscheidungsträger aus Politik, Gesellschaft und organisiertem Sport, um eine praktikable Lösung zu finden, die weder auf Kosten der Lebensqualität der Flüchtlinge noch auf Kosten der betroffenen Vereine und Verbände geht.“ Ansonsten würde es „vermehrt zu Fragen aus Reihen des Ehrenamts kommen und letztlich zu sinkender Akzeptanz in der Öffentlichkeit führen.“

Dennoch heiße der KSB Flüchtlinge weitern herzlich willkommen. Gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Vereinen werde er „auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Integration von Zuwanderern leisten“.

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