Sexualisierte Gewalt: KSB klärt Vereine auf

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Sport in Vereinen schafft soziale und emotionale Nähe – potenzielle Missbrauchstäter nutzen dies häufig für ihre Bedürfnisse aus. Zahlreiche Institutionen wie der Kreissportbund MK versuchen gegen sexuelle Gewalt in Sportvereinen vorzugehen.

Kreisgebiet - Sport schafft soziale und emotionale Nähe – doch die zwangsläufige Körperlichkeit macht den Sport auch für potenzielle Missbrauchstäter attraktiv. „Sport bietet geradezu ein Becken für kranke Bedürfnisse“, sagt Sebastian Pahlke, Geschäftsführer des Kreissportbundes Märkischer Kreis (KSB), der seit langer Zeit versucht, mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Prävention und Intervention das Thema „Sexualisierte Gewalt“ für Sportvereine greifbar zu machen.

Von Martin Meyer

Nicht erst zuletzt durch den vor knapp zehn Tagen begonnenen Prozess vor dem Hagener Landgericht gegen einen Ex-Handballtrainer aus Iserlohn, der vor 15 Jahren einen Jugendlichen aus seiner Hagener Mannschaft missbraucht haben soll, rückt sexuell motivierte Gewalt in den Focus von Vereinen und Verbänden. „So etwas gibt es ja nicht erst seit heute, das Thema ist ein wichtiges Tagesgeschäft für uns“, betont der KSB-Geschäftsführer und ergänzt: „Der Bund hat die Rolle als Aufklärer eingenommen, um zu zeigen, wie vor allem Präventionsarbeit in Vereinen aussehen kann.“ Im Prozess vor dem Landgericht wurde deutlich, wie lange das Opfer aus Scham leiden musste, bis es sein Schweigen brach. Erst nach 15 Jahren offenbarte er sich seiner Ehefrau – 2013 ging das Paar gemeinsam zur Polizei. Hilfe oder eine Vertrauensperson hatte der heute 27 Jahre alte Mann damals nicht.

Kontakt zum KSB

Ansprechpartnerin beim Kreissportbund MK für Vereinsvertreter zum Thema sexualisierte Gewalt im Sport ist die Fachkraft für Jugendarbeit Mandy Owczarzak (Tel. 02371/7797713)

Mit seinem Engagement möchte der KSB den Menschen in den Vereinen „die Augen öffnen“, sagt Pahlke und verweist dabei vor allem auf die Seminare für Vereinsvertreter seines Bundes im gesamten Kreisgebiet. Auf Grundlage der gemeinsamen Initiative des Landessportbundes NRW (LSB) und der Landesregierung „Schweigen schützt die Falschen“ möchten Pahlke und seine Mitstreiter durch viele kleine Aktionen, wie einfaches Plakatieren in Sporthallen und Vereinsräumen „ein Warnzeichen für potentielle Täter“ setzen. „Viele Vereine wissen mit dem Thema nicht umzugehen. Deshalb zeigen wir in den Seminaren, wie man bei einem Verdachtsfall verantwortungsvoll reagiert und welche Institutionen, hier besonders die zuständigen Jugendämter, zu alarmieren sind. Die Verantwortlichen in den Vereinen sollen nicht wegschauen, sondern sensibel dafür sein, wo die Grenzen des körperlichen Kontaktes im Sport sind“, erklärt der Geschäftsführer des Sportbundes. Unter anderem werden in den Seminaren Telefonnummern und anonyme Anlaufstellen genannt, an die sich sowohl Opfer, als auch Zeugen von sexualisierter Gewalt wenden können.

Hemmschwelle für Täter

Zahlreiche Bestrebungen von Bund, Ländern und Sportverbänden versuchen Kinder in Sportvereinen zu schützen. Unter anderem gab der LSB 2012 einen Ehrenkodex heraus, eine sogenannte freiwillige Selbstverpflichtung zum richtigen Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die der Unterzeichner einzuhalten verspricht. Dieser Kodex soll vor allem psychologisch wirken – als Hemmschwelle für mögliche Täter, die im Vereinssport aktiv sind oder es werden wollen. Deshalb ist er auch bei allen Lizenzausbildungen des Landessportbundes NRW von Teilnehmern verbindlich zu unterzeichnen. Zudem werden Präventions- und Interventionsleitfäden an Sportvereine verschickt. Auf Grundlage einer Neufassung des Kinderschutzgesetzes aus 2014 befürwortet der Landessportbund als weiteren Baustein der Präventionsarbeit in speziellen Fällen die Einführung des erweiterten Führungszeugnisse für ehrenamtliche Mitarbeiter.

Kein 100-prozentiger Schutz möglich

Bis Anfang März soll der Prozess gegen den Ex-Trainer noch andauern. Bis dahin wird auch das ganze Ausmaß seiner Tat deutlich werden. Einen 100-prozentigen Schutz können auch die Maßnahmen des KSB oder anderer Institutionen nicht bieten, das weiß auch Pahlke: „Wir können nur versuchen, dieses abscheuliche Thema so häufig wie möglich auf die Agenden der Vereine zu setzen.“ Eine repräsentative Aussage, ob die Aufklärungsarbeit des KSB bei den Vereinen ankomme, sei ebenfalls nicht zu treffen, so der Geschäftsführer: „Wir können den Verantwortlichen nur raten, sich bei uns beraten zu lassen.“

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