Sexistische Beleidigungen beim Jugendfußball bestraft

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Kreisjugendspruchkammer sperrt Jugendspieler wegen sexistischer Beleidigungen auf dem Fußballplatz für mehrere Wochen.

Kreisgebiet - Was auf den ersten Blick wie ein leichter Jahres-Aufgalopp für die Sportrichter der Kreisjugendspruchkammer des Fußball-Kreises Lüdenscheid aussah, entpuppte sich am Montagabend doch als ausgesprochen schwere Kost – teilweise mit einem höchst unbefriedigenden Ausgang.

Von Jörg Hellwig

Gut zwei Stunden beschäftigte sich die Kammer unter Vorsitz von Ralf Willschütz allein mit Vorfällen um das D-Junioren-Punktspiel zwischen der FSV Werdohl und dem SC Lüdenscheid von Anfang Dezember, dessen Verlauf nur als „höchst unschön“ betitelt werden kann. Zwar war der Verhandlungsanlass „nur“ ein Feldverweis wegen einer vermeintlich üblen Beleidigung, doch dahinter steckte weit mehr. Die Vorgänge hatten zwei Sonderberichte der Parteien zur Folge.

Sicher war nach stundenlanger Zeugenbefragung lediglich: Nach unauffälliger erster Halbzeit unter Regie des SC-Trainers Nail Makal, der die Partie anstelle des nicht erschienenen Schiedsrichters geleitet hatte, geriet diese nach dem Wechsel aus den Fugen. An vermeintlichen Fehlentscheidungen von Makal, von denen DFB-Stützpunkttrainer Niko Douros als neutraler Zeuge telefonisch und schriftlich lediglich ein Abseitstor mehr oder weniger eindeutig bestätigte, ansonsten die Spielleitung aber als „weitgehend im Rahmen“ bezeichnete, schaukelten sich Emotionen hoch.

Viel Theater um den Spielbericht

In deren Folge gab es wohl Ermahnungen an FSV-Coach Kocak, Anlagenverweise gegen zwei Zuschauer und FSV-Jugendleiter Rüdiger Backes, Vorwürfe stetiger Beleidigungen durch SCer an FSV-Akteure sowie viel Theater um das Ausfüllen des Spielberichts. Mit der Folge gegenseitiger Schuldzuweisungen und dass die FSV SC-Coach Nail Makal ein Platzverbot androhte.

Von ihren Positionen wichen beide Partien während der Verhandlung und umfangreicher Zeugenvernehmung nicht ab, machten damit der Kammer die Aufdröselung einzelner Vorfälle praktisch unmöglich. Was klar übrig blieb, war letztlich wieder jener Feldverweis des Werdohler D-Juniors, der den Vorwurf, einen Gegenspieler als „Bastard“ tituliert zu haben, bestritt, den aber mehrere Zeugen bestätigt hatten.

Rüdiger Backes räumte letztlich ein, mit dem angedrohten Platzverbots gegen Makal und Forderung einer Verbandssperre übers Ziel hinausgeschossen zu haben. SC-Jugendleiter Thomas Herrmann („Ich glaube hier längst nicht alles, auch nicht alles, was mir unsere Vertreter erzählen“) möchte das bisher gute Verhältnis beider Klubs nicht belastet sehen und appellierte an die Kammer, den FSV-Junior „mild zu bestrafen“. Die Kammer folgte diesem Wunsch, um nicht am einzigen überführten „Täter“ ein Exempel zu statuieren und sperrte ihn wegen grober Unsportlichkeit noch bis zum 1. Februar.

Willschütz schloss die Verhandlung mit einem Zitat von Stützpunkttrainer Douros: „Bei einem Jugendfußballspiel sollten Eltern, Zuschauer, Trainer und Betreuer Vorbild für die Kinder sein, was an diesem Tag leider nicht der Fall war.“ Dem war nichts hinzuzufügen.

Gegenspieler auf türkisch beschimpft

Grobe Unsportlichkeiten wurden auch in zwei weiteren Fällen verhandelt. Ein C-Junior des SV Hellas Lüdenscheid räumte „etwas flapsig“ (Willschütz) ein, seinen Gegenspieler von SC Lüdenscheid II sexistisch beleidigt zu haben: „Lohn“ war eine Strafe zwei Wochen unter der eigentlichen Mindestsperre bis zum 8. Februar. Nicht geständig war ein B-Junior des SC Plettenberg für eine ebenfalls sexistische Beleidigung auf türkisch gegen einen Spieler des Kiersper SC vom 30. November. Aber die Kammer sah den Vorwurf von Schiedsrichter Nick Aßmann (Lüdenscheid) als erwiesen an, weil dieser nachweisen konnte, einige landessprachlich Beschimpfungen zu kennen. Er wiederholte auf türkisch den von Kammermitglied Ismail Zengin als korrekt bestätigten Ausdruck. Die Folge: Eine Sperre bis zum 26. April, nur fünf Wochen unter der Höchstgrenze.

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