Eindrücke aus Indien: „Keiner hupt die Kuh an“

Kirsten Schwade, hier mit Mark Griffith, erhielt vor den Wettkämpfen in Delhi eine prunkvolle Teilnehmer-Urkunde. Die Konkurrenzen im Bankdrücken und Kreuzheben entschied Schwade für sich.

Lüdenscheid -  Am 25. März flog Kraftsportlerin Kirsten Schwade von Frankfurt ins indische Delhi, am 2. April landete sie wieder in Deutschland. Dazwischen lag eine ereignisreiche Zeit für die Lüdenscheiderin, die ihre Wettkämpfe im Bankdrücken und Kreuzheben bei der „Indo-South-Asia International-Open-Powerlifting-Championship“ gewann.

Von Emanuel Holz

Der Wettkampf war nur ein Aspekt der Reise: „Das war ein Kulturschock, da schlafen Menschen in Teppichen eingerollt am Straßenrand. Ich bin in meinem ganzen Leben nicht mehr undankbar,“ erzählte sie sichtlich berührt. Dass Schwade auf ihrem Kopfkissenbezug Schminkreste ihrer Vorgängerin fand – in Indien wird die Hotel-Bettwäsche nicht vor jedem Neu-Einzug gewaschen – fiel da kaum mehr ins Gewicht. Vieles hinterließ Eindruck: „Auf vier Spuren stadtein- bzw. -auswärts fahren sieben Autos nebeneinander. Wenn eine Kuh auf der Straße steht, dann halten die alle an und keiner hupt die Kuh an.“

Sportlich lief’s beim Wettkampf sehr gut: In der Altersklasse 55-59 Jahre (Gewichtsklasse bis 90 kg) siegte sie im Bankdrücken mit 85 und im Kreuzheben mit 125 Kilogramm. Dabei verlief das Bankdrücken, hier hätte Schwade gerne ihre Bestleistung von 95 Kilogramm bestätigt, äußerst unglücklich. Weil der Zeitplan nicht eingehalten wurde, verschob sich Schwades Startzeit nach hinten, doch niemand hatte sie informiert. Die Bergstädterin wärmte sich zu früh auf, zwängte sich in die enge Bankdrücker-Kluft und – nichts passierte. Die anderen Konkurrenzen liefen noch, für Schwade war der Wettkampf zu diesem Zeitpunkt gelaufen. „Da hatte ich mein Pulver schon verschossen.“ Dennoch siegte sie später im Bankdrücken und Kreuzheben, im Mannschaftswettbewerb mit Betreuer Peter Malfa sprang Platz zwei heraus.

„Europa gegen Asien“ im Jahr 2015

„Der Jetlag und die veränderten Lebensumstände lassen einen immer ein bisschen weniger leisten.“ Trotz der Pleite beim Bankdrücken sei der Wettkampf für die rund 160 Athleten gut organisiert gewesen: „Was da an einem Tag geschafft wird, schaffen wir in Europa an drei Tagen.“

Die Delegation der World-Powerlifting-Union (WPU) um Präsident Mark Griffith, Shane Brodie (Technischer Delegierter) und Kirsten Schwade (Sekretärin) begrüßte den neu-gegründeten „asiatischen Zweig“ unter dem Dach der WPU. Bhupender Dhawan, auf dessen Einladung Schwade nach Delhi reiste, ist neuer Vorsitzender. Vertreter aus Nepal, Indien und Afghanistan traten bei. Im Jahr 2015 ist in Delhi ein Duell „Europa gegen Asien“ geplant – wenn nichts dazwischenkommt, wieder mit Kirsten Schwade.

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