Tischtennis

Kosmopolit am Bierbaum

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Boris Rosenberg (Mitte) und seine Nachwuchs-Trainingsgruppe am Bierbaum: (von links) Rogelio Dringenberg Diaz, Bastian Hagenah, Lukas Kudera, Diego Dringenberg Diaz, Hannes Hagenah und Sophia Streuer.

Lüdenscheid - Mehrfacher Russischer Meister, EM-, WM-Teilnehmer und auch bei den Olympischen Spielen in Seoul stand Boris Rosenberg an der Tischtennisplatte. Nun will er die Lüdenscheider Tischtennisjugend in der Entwicklung unterstützen.

Die Spielpartner wechseln, Disziplin und Konzentration bleiben: Wenn am Donnerstagabend in der Sporthalle am Bierbaum zwischen den drei Tischtennis-Platten, an denen die wohl größten Nachwuchs-Talente der Bergstadt üben, ein grau-melierter, sportlich jung-gebliebener Herr im Butterfly-Trainingsanzug auf und ab geht, sich das Geschehen anschaut, kurz und klar kleine Korrekturen ansagt, dann ist das nicht alltäglich. Es ist spektakulär – jedenfalls für einen kleinen Verein wie den TuS Bierbaum, denn der Trainer, der da arbeitet, ist ein Großer, es ist Boris Rosenberg. 

Rosenberg arbeitet im Lüdenscheider Süden seit Anfang des Jahres immer donnerstags mit einer Trainingsgruppe, zu der die Brüder Hannes und Bastian Hagenah gehören, die noch so junge und so talentierte Sophia Streuer, der von der TTSG für den Jugend-Spielbetrieb an den TuS ausgeliehene Lukas Kudera und außerdem Rogelio und Diego Dringenberg Diaz. Die beiden sind bei der TTSG Lüdenscheid zu Hause, spielen aber in der Jugend beim Bierbaumer Bezirksliga-Rivalen TTC Altena. TuS und TTC kämpfen um den Aufstieg in die höchste Spielklasse und trotzdem wird hier zusammen trainiert – das sportliche Fortkommen aller steht vor der sportlichen Rivalität des Alltags. 

Will auch mit Hilfe von Boris Rosenberg den nächsten Entwicklungsschritt machen: Sophia Streuer.

Rosenberg ist für dieses Sextett mit all seiner Erfahrung derjenige, mit dem der nächste Leistungsschritt gelingen soll. 1962 in Odessa geboren, erlebte Boris Rosenberg seinen eigenen Leistungshöhepunkt noch zu Zeiten der UdSSR. Für die Sowjetunion spielte er bei drei Europameisterschaften, bei drei Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen in Seoul. Er wurde sechsmal sowjetischer Meister (Einzel, Doppel und Mixed). 

Als der Eiserne Vorhang fiel, zog es ihn zunächst nach Israel, bald danach indes schon nach Deutschland, wo er hochklassig spielte für Esslingen, Ochsenhausen und auch Würzburg. Heute lebt Rosenberg, der ab 1999 zum absoluten Leistungsträger beim TTC Schwalbe Bergneustadt wurde, in Siegen. Auch mit seinen 57 Jahren ist er bei seinem aktuellen Verein in Lantenbach in der Landesliga Extraklasse (25 Spiele, 25 Siege). 

Vor allem aber ist der Diplom-Sportlehrer, der seit 14 Jahren an einer Förderschule in Gummersbach als Sportlehrer und Erzieher arbeitet, ein Trainer, der weithin einen guten Ruf genießt: 2007 führte er den Nachwuchs des TTC Schwalbe Bergneustadt zur Deutschen Meisterschaft. Mit disziplinierter Arbeit, daran lässt Rosenberg, dessen Söhne Roman (2015 die Nummer 45 der deutschen Rangliste) und Erik auch exzellente Tischtennis-Spieler sind, auch in Lüdenscheid keinen Zweifel. 

„Direkt die ersten Trainingseinheiten hier haben mir gut gefallen“, sagt Rosenberg nach Trainingsende, „der gesamte Verein und insbesondere die Jugendlichen bringen viel Disziplin mit. Für mich als Trainer ist das unheimlich wichtig. Es macht mir einfach Spaß, mit Kindern zu arbeiten.“ 

In seinem Element: Trainerfuchs Boris Rosenberg.

Der TuS Bierbaum ist nicht der einzige Verein, bei dem Rosenberg den Nachwuchs ausbildet. Seit 2013 trainiert Rosenberg auch den Nachwuchs der TTF Pannenklöpper Olpe. In Olpe zählte auch Sophia Streuer als Trainingsgast zu seinen Schützlingen. Nicht der einzige heiße Draht nach Lüdenscheid: Aus ihrer langjährigen Bergneustädter Zeit kennt auch Christiane Hellmich den Mann aus Odessa gut. Die Ehefrau von TuS-Abteilungsleiter Patrick Hellmich, die heute für die 1. Mannschaft am Bierbaum spielt, durchlief im Oberbergischen die Rosenbergsche Ausbildung, eine gute Schule. „Boris ist ein absoluter Glücksfall für uns“, sagt Patrick Hellmich, der seit einem Jahr die Bierbaumer Abteilung leitet, „es profitieren ja nicht nur die Jugendlichen, auch die Erwachsenen lernen dazu. Es ist ein ganz neuer Drive zu erkennen.“ Nach dem Jugendtraining fanden sich zunächst vier Erwachsene, die Interesse an diesem besonderen Training hatten, also versuchte man es mit einer Trainingsgruppe. Inzwischen umfasst die Gruppe acht bis zehn Trainingsteilnehmer – auch wenn dafür von jedem Teilnehmer eine Kostenbeteiligung anfällt. „Der TuS trägt zwar das Gros der Kosten, aber alleine geht das nicht“, sagt Hellmich – auch im Nachwuchsbereich werden die Teilnehmer an den Aufwands-Entschädigungen beteiligt. 

Die Begeisterung rund um den Tischtennis-Kosmopoliten, der gemeinsam mit seinem Sohn Roman auch für den jüdischen Verein Makkabi Deutschland e.V. Tischtennis spielt, ist am Bierbaum in der Halle greifbar. Rosenberg, der selbst seit Jahrzehnten vom Tischtennis-Virus infiziert ist („Freizeit ohne Tischtennis wäre für mich nicht denkbar“), hat die Cracks und Youngster im Lüdenscheider Süden angesteckt. Wohin das führt? Besser werden will jeder Einzelne. Rosenberg will eine Entwicklung sehen. Und die großen Talente? „In Bergneustadt habe ich die Spieler mit sechs, sieben Jahren ganz am Anfang übernommen“, sagt Rosenberg, „hier sind die Leute schon zwei, drei Jahre oder länger im Training. Es gibt Kleinigkeiten zu verbessern. Wir schauen einfach, was dabei herauskommt…"

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