Kennzeichnungspflicht gilt auch für Sportvereine

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Weiter nicht auszeichnungspflichtig: Selbstgebackene Kuchen und Torten bei gelegentlichen Zusammenkünften wie hier der Weihnachtsfeier der Pöppelheimer Senioren in Lüdenscheid. Anders sieht’s bei den regelmäßigen Heimspielen und -turnieren von Sportvereinen aus: Da greift die neue „EU-Lebensmittelinformationsverordnung“.

Märkischer Kreis -  Die neue sogenannte Lebensmittelinformationsverordnung der Europäischen Union, die am 13. Dezember 2014 in Kraft trat, sorgt weiter für offene Fragen.

Von Martin Meyer

Ein Gerücht machte zuletzt die Runde: Sportvereine müssten, entgegen zahlreicher Hinweise von Sportverbänden und einem ersten Bericht in dieser Zeitung, beim Verkauf von Speisen bei Veranstaltungen bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, doch nicht kenntlich machen. Grundlage für diese Behauptung liefert Punkt 15 des EU-Gesetzes. Hier heißt es: „Das Unionsrecht sollte nur für Unternehmen gelten, wobei der Unternehmensbegriff eine gewisse Kontinuität der Aktivitäten und einen gewissen Organisationsgrad voraussetzt.“ Weiter ist in dem Gesetz zu lesen, dass „Tätigkeiten wie der gelegentliche Umgang mit Lebensmitteln“, „das Servieren von Mahlzeiten und der Verkauf von Lebensmitteln durch Privatpersonen“ etwa bei „Wohltätigkeitsveranstaltungen“ oder „bei Zusammenkünften auf lokaler Ebene“ nicht von der neuen Verordnung betroffen sind. Diese Formulierung ließ den Schluss zu, dass damit das Catering oder der Kuchenverkauf bei Sportveranstaltungen von der Gesetzgebung ausgenommen seien.

Sportbund holt juristischen Rat ein

Hierzu stellt Frank Michael Rall, Pressesprecher des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, aber klar: „Natürlich sind auch Sportvereine dazu verpflichtet.“ Der Verband hat sich im Zuge des Inkrafttretens der Verordnung juristisch beraten lassen. „Werden Lebensmittel bei offiziellen Turnieren, etwa bei einem Fußball- und Handballspiel verkauft, und geht das daraus erwirtschaftete Entgelt in die Vereinskasse, dann müssen sich die Vereine an die Verordnung halten“, erklärt Rall. Dabei sei es egal, ob die Speisen selbst hergestellt oder etwa beim Bäcker gekauft wurden, ergänzt der LSB-Sprecher. In der Praxis soll auf Grundlage einer sogenannten nationalen Durchführungsverordnung durch gut lesbare Schilder an den Lebensmitteln auf die möglicherweise problematischen Zutaten hingewiesen werden.

Bei Verstößen droht Bußgeld

Bei Verstößen droht nach Aussagen des Kreisgesundheitsamtes, das für die Lebensmittelüberwachung zuständig ist, ein Bußgeld. Dessen Höhe richtet sich nach dem gewerblichen Erfolg der Veranstaltung. Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde erklärte zwar, dass das Amt nicht die Kapazitäten habe, jede Sportveranstaltung zu kontrollieren. Dies entbinde Vereine allerdings nicht von der Deklarationspflicht.

Kreise und Kommunen helfen weiter

Ausschließlich ausgenommen von der Verpflichtung sind laut LSB gelegentliche Verkäufe, etwa bei Schulsport- oder Vereinsfesten. Rall dazu: „Bei Einzelmaßnahmen ist hingegen nicht so streng auf die von der EU verlangte Deklarationspflicht der Inhaltsstoffe zu achten.“ Der Vertreter des Landessportbundes empfiehlt allen Vereinen, die im Umgang mit der Lebensmittelverordnung unsicher sind, sich an die zuständigen Lebensmittelüberwachungsinstanzen der Kommunen oder des Kreises zu wenden.

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