Handball, Kommentar

Warum Handballern die Nachnamen gestrichen werden - und Fußballer ganz 

Auf der Handballplattform sis-handball.de stehen seit Mitte April nur die Vornamen der Spieler bei den Spielberichten, die Nachnamen wurden entfernt.

Ein Kommentar des Sportredakteurs Thomas Machatzke zur Problematik mit der Datenschutz-Grundordnung am Beispiel des Handballs und seiner Plattform sis-handball.de

Es war Ostern, man hätte es für eine originelle Idee halten können: Der Handball-Verband Westfalen, der seine Spielklassen noch auf der Internet-Plattform sis-handball.de veröffentlicht, hatte in den elektronischen Spielberichten über Nacht die Nachnamen der Spieler, Torhüter und Trainer versteckt wie ein Familienvater im Garten die Ostereier versteckt. Aber es war keine lustige Osteridee, von den Nachnamen ist nur der erste Buchstabe übrig geblieben. Bis heute. Das Siegtor für die SGSH Dragons II in der Verbandsliga kurz vor Ostern gegen Riemke hat nun ganz einfach Nils geworfen. Oder genauer: „8 Nils“ – der Blick in den Spielbericht verrät: Nils L. Wir verraten es: L wie Leicht, aber so leicht ist es eben in vielen anderen Fällen nicht. Und die kompletten Nachnamen liegen nicht im Garten unterm Strauch.

Das Handballportal sis-handball.de, das ohnehin nur noch bis zum Sommer für den HV Westfalen arbeitet, ist schuldlos. Es hat das umgesetzt, was Verantwortliche in Westfalen in Auftrag gegeben haben. Verantwortliche im HV Westfalen haben dieses Etwas nicht aus einer Laune heraus entschieden. Sie haben es getan, weil es in Nordrhein-Westfalen ein Büro der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit gibt, das die Einhaltung der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung überwacht. Aus diesem Büro war Post gekommen mit der Androhung eines Ordnungsgeldes. Man wäre geneigt, darüber lauthals zu lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

HV steht vor einem Anbieterwechsel

Andreas Tiemann ist ein freundlicher Funktionär aus Ostwestfalen und Vize-Präsident Spieltechnik im HV Westfalen. Einer Zeitung hat er gesagt: „Wir waren gezwungen, schnell zu handeln. Das Risiko für den Verband und die Vereine war zu groß.“ Tiemann sagte auch, dass er die aktuelle Umsetzung für die denkbar schlechteste hielte, dass diese zudem noch gar nicht endgültig sei. Der HV steht nun vor einem Anbieterwechsel und vor dem Problem, wie er eine gewohnt komfortable Öffentlichkeitsarbeit leisten will, die sich an den bisherigen Standards orientiert und dabei die Standards einer neuen europäischen Spielregel auf dem Feld des Datenschutzes nicht verletzt. Das wird schwierig. Am Ende könnte es sein, dass es im Internet halt keine umfassenden Informationen zu Handballspielen geben wird. Womöglich nicht einmal mehr Vornamen. Das wird den Handballsport nicht von der Bildfläche verschwinden lassen. Im alten Jahrhundert ist auch Handball gespielt worden, ohne dass ein Internetnutzer in Bochum am nächsten Morgen im Netz lesen konnte, wie viele Tore sein Linksaußen am Vorabend in Schalksmühle erzielt hat. Für Redaktionsstuben wird es wieder sehr viel unbequemer werden, an Informationen zu kommen, aber auch sie haben dies früher geschafft. Und heute wären sie mit den entsprechenden Informationen sogar Händler eines raren Gutes, das es eben nicht mehr überall umsonst gibt.

Und doch bleibt ein fader Beigeschmack: Hier wird etwas verändert, das bisher eigentlich kein Problem gewesen ist, das womöglich in anderen Bundesländern, in denen entsprechende Behörden nicht so wachsam nachforschen, auffordern und androhen, auch gar kein Problem werden wird. In diesem Kontext wird es interessant zu sehen sein, wie der Deutsche Fußball-Bund auf der Plattform www.fussball.de mit dem Thema umgehen wird. Schon jetzt ist es dort Vereinen freigestellt, die Namen ihrer Spieler nicht öffentlich zu machen. Nach Anfängen in der Jugend auch bei den Senioren. Erst kürzlich in der Kreisliga A. Dort stand bei einem Spieler, der krankgeschrieben war und nicht öffentlich auftauchen wollte, das Kürzel „k.A.“ statt seines Namens. Keine Angabe. Die anderen zehn Namen gab’s... Man muss den Datenschutz im Europa des 21. Jahrhunderts nicht immer gut finden.

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