Zeugnispflicht für Übungsleiter findet breite Akzeptanz

+
Nach gut drei Jahren findet die Führungszeugnispflicht weitestgehend Akzeptanz in den Vereinen.

Lüdenscheid - Das neue Bundeskinderschutzgesetz sorgte bei seiner Einführung im Jahr 2012 für Diskussionsstoff – unter anderem verpflichtet dieses auch Sportvereine dazu, unter gewissen Umständen von ihren Übungsleitern ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis einzufordern. Mittlerweile findet das zunächst nicht unumstrittene Gesetz in Lüdenscheid weitestgehend Akzeptanz.

Mit der Einführung des Gesetzes zielt die Bundesregierung darauf ab, den Kinderschutz zu verbessern. Es soll Akteure stärken, die sich für das Wohlergehen von Kindern engagieren. Unter anderem schreibt die Gesetzesänderung einen „Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen“ (laut § 72a) vor. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe dürfen demnach keine Person beschäftigen oder vermitteln, die wegen einer Straftat rechtskräftig verurteilt worden ist. Um dies zu gewährleisten, müssen sie sich ein Führungszeugnis des Bundeszentralregistergesetzes vorlegen lassen. Dies gilt auch für Übungsleiter in Sportvereinen, etwa im Bereich der Kooperation mit dem offenen Ganztag. Die Neuregelung soll Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt im Sport schützen.

Zusätzlicher bürokratischer Aufwand und eine mögliche Abschreckung von potentiellen Helfern in der Jugendarbeit – dies waren die Befürchtungen der Vereine nach der Gesetzeseinführung. Probleme bei der Beantragung eines solchen Zeugnisses sieht Michael Meyer, Vorstandssprecher des Stadtsportverbandes Lüdenscheid, nicht. „Ich habe problemlos und kostenfrei ein Zeugnis über das Bürgeramt bekommen“, schildert Meyer, der auch 1. Vorsitzender und Trainer am NRW-Leistungsstützpunkt bei Olympic Taekwondo Lüdenscheid ist. Bedenken bei der Einführung des neuen Gesetzes hatte Meyer nicht: „Generell finde ich diese Neuregelung gut. Sie ist eine sinnvolle Einrichtung zum Schutz der Kinder.“ Doch der SSV-Ehrenamtliche hat andere Sorgen: „In einem Führungszeugnis können auch sensible Dinge stehen. Hier stellt sich für mich die Frage nach dem Datenschutz.“

Stadt immer sehr kooperativ

Ähnliche Erfahrungen hat auch Sören Miossec, Vorstandssprecher der HSG Lüdenscheid, seit der Einführung des neuen Gesetzes gemacht. „Wir hatten bisher keine Probleme. Die Stadt war immer sehr kooperativ. Das ist ein Verwaltungsaufwand, der auf jeden Fall sinnvoll ist. Immerhin setzen wir bei der HSG höchste Standards im Bezug auf das Wohlergehen der Kinder.“ Doch Miossec sieht das Gesetz nur als einen Baustein für einen besseren Kinderschutz. „Das Zeugnis allein bietet keinen absoluten Schutz. Gewalt gegen Kinder im Sport sollte immer Thema in der Aus- und Weiterbildung aller Vereinsverantwortlichen sein.“ Der Umgang mit sensiblen Daten im Führungszeugnisse werde bei der HSG vertraulich bearbeitet, betont der Vorstandssprecher. Miossec: „Wir können unseren Trainern einen verantwortungsvollen Umgang zusichern.“

Dierk Gelhausen, tätig im Fachbereich Schule und Sport der Stadt Lüdenscheid, kann verstehen, wenn sich Vereine nicht sofort mit der Neuregelung anfreunden können. „Im Ehrenamt gibt es naturgemäß wenig Zeit für Neues. Wenn solche Dinge wie die Zeugnispflicht, der Mindestlohn oder die neue Lebensmittelverordnung gehäuft auf die Leute zukommen, dann sind sie verständlicherweise nicht begeistert“, sagt Gelhausen. Doch man versuche bei der Stadt – zusammen mit dem SSV und dem Kreissportbund – ein System zu finden, um den Bürokratieaufwand für Vereine zu reduzieren. „Doch wir können den Vereinen den letzten Weg nicht abnehmen. Da wir zukünftig die Kinder- und Jugendförderung an die Zeugnispflicht koppeln werden, hoffe ich, dass wir alle überzeugen können, Zeugnisse zu beantragen.“

Zunächst skeptisch beäugte damals Thomas Herrmann, 1. Jugendleiter des SC Lüdenscheid, die Einführung des neuen Gesetzes. „Die Frage nach den Kosten für die Zeugnisse lag uns damals schwer im Magen. Heutzutage ist es ja nicht einfach, Menschen für ein Ehrenamt im Jugendbereich zu gewinnen.“ Mitt-erweile habe sich die Meinung innerhalb des SC zu dem Thema aber gewandelt, sagt Herrmann. „Ich halte es für eine gute Sache. Wer nichts zu verbergen hat, der kann auch ein Führungszeugnis vorlegen. Das kostet ihn über den Verein nichts. Unser Ziel ist es, dass alle unsere Trainer einen solchen Nachweis erbringen. Es ist eine Auflage bei uns, wenn Übungsleiter mit Kindern ins Ausland fahren“, erklärt Herrmann, zuständig für 13 Junioren-Teams.

Bürokratische Hürde

für Vereine Eine kritischere Meinung zu dem Gesetz hat Günther Nülle, 1. Vorsitzender des Kreissportbundes im Märkischen Kreis. „Auf der einen Seite halte ich die Maßnahme für sinnvoll, um die Vereine für das unangenehme Thema sexualisierte Gewalt sensibler zu machen. Auf der anderen Seite zieht sie auch eine bürokratische Hürde hinter sich her. Für die Vereine bedeutet es viele Gänge und Unterschriften. Das führt nicht unbedingt zu mehr Akzeptanz des Gesetzes. Ein vereinfachtes Verfahren wäre besser gewesen.“ Doch verteufeln möchte der Vorsitzende die Neuregelung nicht: „Wichtig ist, dass man sich Gedanken über das Wohlergehen der Kinder macht. Nur ein Zeugnis hält potentielle Täter nicht ab. Die Vereine müssen die Augen öffnen und kritisch viele Dinge hinterfragen.“

Zentrale Auflaufstelle

Das Thema Führungszeugnis stellt viele Sportvereine vor offene Fragen. „Der Stadtsportverband möchte zusammen mit dem Kreissportbund im Märkischen Kreis und der Stadt Lüdenscheid eine zentrale Anlaufstelle für Vereine schaffen“, sagt Michael Meyer, SSV-Vorstandssprecher. Neben diesem Thema soll diese Stelle auch Ansprechpartner für Vereine bei Fragen zum Mindeslohn oder zur neuen Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel sein, erklärt der SSV-Sprecher. Mit Winfried Lütke-Dartmann (Fachbereich Jugend, Bildung und Sport) sowie mit Dierk Gelhausen (Fachbereich Schule und Sport) habe man sehr gute Ansprechpartner, sagt Meyer.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare