Skeptische Konkurrenz

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Jendrik Lange (hier am Pauschenpferd) ist mit der Kiersper Oberligariege wieder im Training.

Kierspe – Seit zwei Wochen trainieren die Liga-Turner des TSV Kierspe wieder in der Halle am Büscherweg. Es ist aktuell sogar ein sehr effektives Training, denn weil die Grundschule noch keinen Sportunterricht durchführt, können die Geräte aufgebaut bleiben, so kann die Trainingszeit komplett fürs Üben genutzt werden. Eine komfortable Situation, zumal die Riege relativ vollzählig ist – auch der Lüdenscheider Konrad Brandts studiert derzeit nicht in Jena, sondern online daheim und kann trainieren.

Die TSV-Turner sind motiviert am Werk. Ob das Training indes in einer Saison und womöglich in einen Anlauf zur Verteidigung des Oberliga-Titels münden wird, ist fraglich. Der WTB hat offiziell bisher nur bis zu den Sommerferien jeglichen Wettkampfbetrieb abgesagt; wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest.

Der DTB hat inzwischen alle  Breitensportveranstaltungen“ (Deutschlandpokal, Bundespokal, Deutsche Senioren etc.) bis Ende des Jahres 2020 abgesagt, unter anderem aber auch, damit die Landesturnverbände eventuell mehr Termine für ihre Wettkämpfe nach den Sommerferien hätten.

„Für unsere Oberliga bedeutet dies zu 99 Prozent, dass eine Durchführung wie geplant nicht möglich ist. Auch wenn vereinzelt schon wieder an Geräten trainiert wird oder Fitnessprogramme im Freien stattfinden, ist ein Start Ende August und eine Durchführung nach Terminplan wahrscheinlich unrealistisch. Die Voraussetzungen für die Vereine sind zu unterschiedlich, ein fairer Wettbewerb wäre nicht möglich“, stellt Liga-Chef Ralf Bredebusch in einem Schreiben an die Vereine fest, „ihr könnt mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen, wenn Ihr als Oberligavereine meint, dass Ihr es trotzdem schafft, die Wettkämpfe nach Terminplan sicher durchzuführen (falls es wieder „erlaubt“ ist).“

Die Antworten auf Bredebuschs Initiative ließen nicht lange auf sich warten. Er hatte neben einer regulären Durchführung der Saison den Komplett-Ausfall oder als dritte Möglichkeit die Durchführung der Saison in komprimierter Form zur Auswahl gestellt. Beim dritten Weg würden sich die Turner dem normalen Wettkampfbetrieb der Turnerinnen anschließen – an drei Terminen würde sich die komplette Liga zu einem Wettkampf treffen. Als Termine hatte Bredebusch den 31. Oktober, 14. November und 21. November vorgeschlagen.

Eine Variante, die Kierspes Trainer Uwe Hütz gut gefallen würde. Ein Festhalten an den eigentlich geplanten Terminen auf „Biegen und Brechen“ hält Hütz nicht für gut, die Rundenwettkämpfe im Oktober und November aber schon. Die Kiersper boten spontan auch an, einen dieser drei Wettkämpfe auszurichten.

Doch es dürfte anders kommen. In Paderborn und Stadtlohn werden die Turner frühestens nach den Ferien wieder in der Halle trainieren können. Aus Stadtlohn kam die Botschaft: Riege zu alt, Unfallrisiko nicht kalkulierbar. Die SuS-Riege wird nicht antreten, wenn es zu einer Saison kommt. Auch die Paderborner sehen die Vorbereitungszeit als zu kurz an und die Saison nicht durchführbar.

Im Turnzentrum Bochum/Witten wird zwar in Kleingruppen wieder trainiert, doch Peter Dekowski, Verantwortlicher des TZ, sieht einen Wettkampfbetrieb „derzeit undenkbar“. Er spricht von physischen und psychischen Problemen durch die Corona-Pandemie, die zu bewältigen seien. Ein Wettkampf würde da Schaden anrichten. Dass aus Mettingen die Kunde kam, dass man wieder im Training sei und für eine normale Durchführung der Saison stimme, ist die große Ausnahme. Die Liga ist reserviert.

Rückmeldungen aus Gleidorf und Leopoldshöhe fehlen derzeit noch. Uwe Hütz findet die Resonanz schade. Natürlich sieht auch Hütz die Probleme, dass der unterschiedliche Termin für die Wiederaufnahme des Trainings sportlich alles andere als optimal ist. „Es ist unfair, wenn wir seit zwei Wochen wieder in der Halle sind, Paderborn und Stadtlohn aber erst im August“, sagt der TSV-Trainer, „auf der anderen Seite ist Turnen ohne Wettkämpfe natürlich deutlich motivationsloser. Was man sich im Training erarbeitet, will man letztlich auch im Wettkampf zeigen. Wenn es das Training nicht zulässt, kann man ja auch ein kleineres Programm turnen.“

Und so bleibt in Kierspe die Hoffnung, dass es doch noch einen kleinen gemeinsamen Nenner pro Wettkampfbetrieb geben wird. Eine Hoffnung, die allerdings durch die ersten Rückmeldungen einen erheblichen Dämpfer erhalten hat.

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