Fußball, Bezirksliga 5

Landesliga-Träume am Felderhof

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Ein Kapitän, der vorneweg marschiert: KSC-Innenverteidiger Manuel Wolf (links), hier im Duell mit Marlon Klein vom SC LWL 05.

Kierspe – Die Tabellenführung in der Fußball-Bezirksliga 5 musste der Kiersper SC am letzten Spieltag des Kalenderjahres wieder abgeben – aber nur deshalb, weil er zum Kehraus spielfrei war und die an ihm vorbeigezogenen Konkurrenten SV Ottfingen und TSV Weißtal eine Partie mehr bestritten haben. Mit 34 Punkten aus 15 Spielen überwintert der KSC als Rangdritter.

Eine ganz starke Bilanz – erst recht vor dem Hintergrund, dass die Volmestädter in der gesamten Saison 2018/19 gerade einmal 32 Zähler eingefahren hatten. Eine Bestandsaufnahme nach einer ersten Saisonhälfte, die am Felderhof nach viereinhalb mageren Jahren wieder Träume geweckt hat.

Der Verlauf

Personell breiter aufgestellt als in den Spielzeiten zuvor, starteten die Kiersper in die neue Serie und ließen sich auch von der glatten 0:3-Niederlage im zweiten Saisonspiel in Attendorn nicht beirren. Sechs Siege und ein Unentschieden in den folgenden sieben Begegnungen katapultierten die Blau-Roten auf den zweiten Tabellenplatz. Fortan biss sich der KSC an der Spitze fest, auch wenn er Ende Oktober gegen den SV Germania Salchendorf eine äußerst unglückliche 1:3-Schlappe hinnehmen musste. Es folgten vier weitere Siege und zwischenzeitlich eine neuerliche Heimniederlage gegen SuS Niederschelden, die die starke erste Saisonhälfte jedoch nicht schmälerte. „Am Ende haben wir uns durchgebissen“, sagt Trainer Marco Carbotta mit Blick auf das abschließende 5:1 gegen den TuS Plettenberg.

Das Personal

Der im August noch recht üppige Kader wurde im Laufe der Runde immer dünner. Zu den beiden Langzeitausfällen Orhan Eroglu (Kreuzbandriss) und Özgür Muti (schwerer Bandscheibenvorfall) sowie den üblichen kleineren Blessuren kam der Umstand, dass sich mit Moritz Müller, Luca Czernio und Tom Liepert ein Youngster-Trio komplett verabschiedete. Folge: Die monatelang gute Trainingsbeteiligung – ein wesentlicher Baustein für den Erfolg – sank auf der Zielgeraden der Hinrunde deutlich, was sich auch durchaus bemerkbar machte. „Zuletzt sind wir schon ein bisschen auf dem Zahnfleisch gegangen“, bestätigt Marco Carbotta diesen Eindruck und hat für die Rückrunde mit Routinier Orhan Yilmaz personell schon ein Mal nachgebessert. Mindestens ein weiterer Neuer vom Typus „echte Verstärkung“ soll noch folgen.

Die Stärken

„Ich denke, das Positivste ist, dass wir eine echte Einheit bilden“, sagt Carbotta und verweist darauf, dass auch von den Spielern, die zeitweise nur wenig zum Einsatz kamen, keine Unruhe ausging. An der neuen Stabilität der Gruppe hat der junge Trainer selbst fraglos auch großen Anteil: Disziplin ist ihm sehr wichtig, in der Vorbereitung setzte er mit dem Rauswurf von Giovanni Inchingioli diesbezüglich ein klares Zeichen. In sportlicher Hinsicht hat es sich ausgezahlt, dass die Kiersper an der Fitness- und Temposchraube gedreht haben. „Unsere große Stärke ist sicherlich unser Powerplay, mit dem wir offensiv viel Druck erzeugen und viele Torchancen herausspielen, auch wenn wir noch viel daran arbeiten müssen“, stellt Marco Carbotta fest.

Die Schwächen

Eine wirkliche Schwäche des KSC war in den zurückliegenden 15 Spielen eigentlich nur die Chancenverwertung: 37 Tore haben die Kiersper erzielt, und ohne Übertreibung hätten es an die 15 mehr sein müssen. In puncto „Knipsen“ besteht Nachholbedarf.

Der Ausblick

„Wir wollen uns oben behaupten“, benennt Marco Carbotta das klare Ziel für die zweite Saisonhälfte. Der mögliche Landesliga-Aufstieg ist am Felderhof keineswegs ein Tabu-Thema. „Nach einer solchen Hinrunde können wir ruhig darüber reden, dass wir gerne nach hoch wollen“, ist der Coach kein Freund von falschem Understatement. Gleichzeitig aber schreibt er seinen Schützlingen ins Stammbuch: „Der Weg dorthin ist hart, wir können und dürfen uns nach einer guten Halbserie keineswegs sicher fühlen.“ Die Bereitschaft im Team jedenfalls ist vorhanden: „Jeder will, und jeder weiß, was dafür zu tun ist!“ Richtungsweisend dürfte schon das erste Punktspiel anno 2020 gegen den SV 04 Attendorn sein, ehe im März mit dem TSV Weißtal und dem SV Ottfingen die nächsten beiden ganz „dicken Brocken“ warten.

Die Prognose

Entscheidend für die Landesliga-Ambitionen des KSC wird vor allem sein, wie gut er über den Winter kommt. „Sollten wir wegen des Wetters nicht auf dem Platz trainieren können, werden wir verstärkt im Ausdauerbereich arbeiten“, will es Marco Carbotta genauso halten wie vor Jahresfrist bei seiner ersten Halbjahresvorbereitung als Trainer, während der es gelang, viele der seinerzeit vorhandenen konditionellen Defizite aufzuarbeiten. Zudem hat sich der 31-Jährige die eine oder andere Hallenzeit gesichert. Aus seinem großen Traum macht er keinen Hehl: Carbotta würde es nur allzu gern seinem Vater Savino gleichtun, der den Kiersper SC vor einem Vierteljahrhundert – konkret in der Saison 1994/95 – als Trainer in die Landesliga führte. Die Namen der damaligen Protagonisten auf dem Feld klingen in den Ohren von Kiersper Fußballfreunden noch heute wie Musik: Kötter, Kobus, Blumenschein, Gürtler, Weimer...

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