Keine Tabellen in der E-Jugend: Regelung stößt auf Kritik

Bei den Minikickern und den F-Jugendlichen wird schon länger ohne Ergebnisse und Tabelle gespielt
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Kicken ohne Ergebnisdruck: Bei den Minikickern und den F-Jugendlichen wird schon länger ohne Ergebnisse und Tabelle gespielt, diese Regelung gilt jetzt auch für die E-Junioren und wird durchaus kontrovers diskutiert.

Neulich in der Sportredaktion. Anruf von Daniel Rosin. Der Ex-Profi (u.a. RB Leipzig) ist seit mehreren Jahren als Jugendtrainer beim TuS Grünenbaum tätig und fragt nach, warum in den Ausgaben des Märkischen Zeitungsverlages unterhalb der D-Jugend keine Tabellen mehr veröffentlicht werden. Und er sollte nicht der einzige Anrufer bleiben, auch Trainer und Eltern fragten nach.

Kreisgebiet – Der Hintergrund: Zur Erstellung der Tabellen in unserer Zeitung beziehen wir die Daten über die Schnittstellen der Verbandssoftware DFBnet bzw. fussball.de. Mit Beginn der laufenden Saison lautet die verbandsseitige Empfehlung, dass neben den Minikickern und der F-Jugend – das war bisher schon so – auch für die E-Jugend keine Ergebnisse und Tabellen veröffentlicht werden. Den Kindern soll so der Ergebnisdruck genommen werden.

Eine Marschroute, die in den Vereinen durchaus kontrovers diskutiert wird. Daniel Rosin sieht den Schritt des FLVW-Kreises Lüdenscheid als falsch an. „Zum Leben gehört, dass man mit Anstand gewinnt und verlieren lernt. Kinder wollen sich messen, um besser zu werden. Meiner Ansicht nach ist der jetzige Weg der falsche.“ Das sagen die Jugendleiter einiger Vereine aus dem heimischen Kreis.

Stefan Grappendorf (Jugendleiter RW Lüdenscheid)

  • „Es wird nichts dagegen unternommen, dass Scouts von Bundesligavereinen wie Dortmund oder Schalke bei E- und auch schon F-Juniorenspielen bei uns vorstellig werden, auf der anderen Seite aber sollen die Kinder durch veröffentlichte Ergebnisse und Tabellen nicht zu viel Druck verspüren. Was für ein Unsinn. Nicht nur die Trainer und Eltern wollen die Ergebnisse wissen, sondern in erster Linie auch die Spieler. Und ganz ehrlich: Zehnjährige Kinder können es auch schon aushalten, wenn sie in der Tabelle nicht ganz oben stehen. Die Realität bei uns im Kreis sieht momentan so aus, dass die Trainer auf unterschiedlichste Weise untereinander kommunizieren, Ergebnisse der Konkurrenz abfragen und jeder für sich ‘wilde Tabellen’ führt. Das kann es doch nicht sein. Ich kann nur hoffen, dass unser KJA so schnell wie möglich eine Kehrtwendung vollziehen wird. Fußball ist und bleibt für mich ein Ergebnissport, in dem man sich mit anderen Mannschaften messen und vergleichen möchte.“

Peter Klauke (Jugendleiter SC Lüdenscheid)

  • „Ich finde es nicht in Ordnung, Ergebnisse und Tabellen nicht mehr zu veröffentlichen. Kinder in diesem Alter, die auf dem Sprung zu den D-Junioren sind, wollen sich mit anderen messen, da gehören Sieg und Niederlage einfach dazu. Und Zehnjährige können mental auch schon mit einer hohen Niederlage umgehen. Ich selbst trainiere im Verein die E1, und da kommen immer wieder Nachfragen von Spielern und Eltern, wie die anderen Vereine gespielt haben beziehungsweise wie es tabellarisch aussieht. Bis jetzt habe ich gedacht, dass der Hintergrund der Nichtveröffentlichung sei, dass es bei uns im Kreis nach der langen Coronapause zunächst Findungsrunden gibt. Dass dies aber Wunsch des Verbandes ist, ist mir neu, da muss ich auf der Jugendleitersitzung nicht richtig hingehört haben oder es ist vom KJA nicht kommuniziert worden. Und dass auf der anderen Seite die Kreispokalergebnisse im ‘Fussball.de“ einzusehen sind, erschließt sich mir auch nicht.“

Tom Herberg (Jugendleiter TuS Grünenbaum)

  • „In meinen Augen gibt es einige interessante Entwicklungen im Jugendfußball. Unter anderem sollen auch bei uns im Kreis Lüdenscheid zur Rückrunde neue Regelungen bei den Minikickern und der F-Jugend gelten: Gespielt werden soll mit reduzierter Spielerzahl und stattdessen auf vier kleine Tore ohne Torwart. Ziel ist es, allen Kindern mehr Ballaktionen und Spielanteile zu ermöglichen. Außerdem möchte man damit den Kindern Ergebnisdruck nehmen – und in die Richtung zielt sicherlich auch der Wegfall der Ergebnisse und Tabellen bis einschließlich der E-Jugend. Bei den Minis und der F-Jugend wird das bereits seit Jahren gemacht und die Erfahrungen sind durchaus positiv. Ab der E-Jugend kann man sicherlich drüber streiten, ob der Wegfall der Tabellen ein Vorteil ist. Für einige Kinder sicherlich, aber in dieser Altersklasse gibt es auch Spielerinnen und Spieler, die ehrgeizig sind und sich Ergebnisse wünschen. Ich finde, dass man die jetzige Saison als Pilotphase sehen und danach auswerten sollte, ob man weiterhin auf die Ergebnismeldung verzichten möchte.“

Markus Peter (Jugendleiter TuS Ennepe)

  • „Die Meinungen bei uns im Verein gehen da auseinander. Die meisten finden diese Regelung nicht so gut. Gerade in der E-Jugend sind die Kinder schon soweit, dass sie gerne wissen wollen, wo sie stehen. Ich persönlich allerdings finde den Ansatz, dass die Tabelle und Ergebnisse nicht gezeigt werden, wesentlich besser. Vielen Trainern ist einfach nicht bewusst, dass das Ergebnis in dieser Altersklasse unwichtig ist, weil die Entwicklung des Kindes im Vordergrund steht. Viele Trainer sind zu ehrgeizig und wollen lieber gewinnen oder auf dem 1. Platz stehen – und dann kommen leider die nicht ganz so spielstarken Kinder zu kurz, weil sie wenig bis gar nicht zum Einsatz kommen. Kinder sollen in diesem Alter aber noch nicht das Gefühl haben, gewinnen zu müssen, sondern dürfen den Spaß am Fußball nicht verlieren.“

Marc Ritter (Abteilungsleiter-Team Fußball TuS Stöcken-Dahlerbrück)

  • „Mein Vorstandskollege Mike Tenkhoff und ich sind da absolut einer Meinung. Wir befürworten diese Regeländerung zu 100 Prozent. In den untersten Jahrgängen sollte es unserer Meinung nach nicht darum gehen, dass das Ergebnis im Vordergrund steht, sondern um Spiel und Spaß. Die Entwicklung der Kinder ist in diesem Alter wichtig und nicht die absolute Erfolgsorientierung. Wir sind da definitiv derselben Meinung wie der Kreis. Deshalb unterstützen wir auch die neuen Spielformen im 3-gegen-3 auf Minitore. Da kommt jedes Kind viel mehr zum Zug, hat viel mehr Spielanteile und kann sich viel besser entwickeln, weil das Ergebnis eben nicht im Mittelpunkt steht.“

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