Fußball in Westfalen

Kein Saisonabbruch, dafür „Wahnsinn mit Methode“ bei den Fußballern

Fußballer im Zweikampf
+
Vor allem in der Oberliga ist es inzwischen utopisch, die 50-Prozent-Marke der Spiele noch zu erreichen. Abgebrochen ist die Saison aber noch nicht.

Die Fußballer in Westfalen brechen die Saison (noch) nicht ab - sie wollen warten, bis auch rechnerisch in den Staffeln des Verbandesgebietes nichts mehr geht.

Kreisgebiet – Der Spielbetrieb liegt seit Ende Oktober auf Eis, und die Frage ist inzwischen nicht mehr, wann die Saison 2020/21 im westfälischen Amateurfußball fortgesetzt werden kann, sondern ob das überhaupt noch wird passieren können.

Erwartungsgemäß brachte auch die Video-Pressekonferenz des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) am Montag diesbezüglich nichts Erhellendes.

Klar ist vor dem Hintergrund, dass der 30. Juni 2021 das Saisonende markieren wird, lediglich: Der Punkt, ab dem nichts mehr geht, rückt zunehmend näher.

„Wahnsinn mit Methode“ statt Saisonabbruch in Westfalen

„Ich persönlich halte eine Annullierung der Saison für das Gerechteste“, stellte FLVW-Boss Gundolf Walaschewski eingangs fest. Durchaus passend dazu lautet eine Erkenntnis der Gesprächsrunde: Dass der Verband noch nicht vor den hohen und weiterhin im Steigen begriffenen Inzidenzzahlen kapituliert hat, liegt im Prinzip nahezu ausschließlich an der Spielordnung.

Selbige sieht zwar die Annullierung einer Saison vor, wenn bis Ende Juni weniger als die Hälfte der angesetzten Partien absolviert worden sind. Ein Saisonende zu einem vorherigen Zeitpunkt ist aus juristischen Gründen aber erst dann möglich, wenn auch rechnerisch feststeht, dass die geforderten 50 Prozent nicht mehr zu erreichen sind.

Eine westfalenweit einheitliche Stunde null wird es dabei nicht geben, wie Manfred Schnieders (FLVW-Vizepräsident Amateurfußball) nochmals betonte: „Jede Staffel ist einzeln zu betrachten.“ Heißt: Ist in einer Gruppe die magische Grenze erreicht, wird gewertet – gänzlich ungeachtet dessen, was in anderen Staffeln passiert. Auf der Hand liegt: Je kleiner eine Staffel ist, desto größer ist die Chance, dass die 50-Prozent-Marke eventuell noch erreicht wird. Im Umkehrschluss heißt das für die 21 Mannschaften starke und dementsprechend am meisten hinterherhinkende Oberliga Westfalen: Sie wird die erste Klasse sein, in der bei andauerndem Lockdown in Richtung der besagten 50 Prozent nichts mehr geht. Was die Spieltage betrifft, so plant der Verband neben zwei Feiertagen im Mai ausschließlich mit Wochenendterminen.

Corona-Schutzverordnung gilt bis zum 18. April

Grundlage aller Überlegungen in puncto Saisonfortsetzung ist freilich, „dass ab dem 19. April etwas möglich ist“, gibt Schnieders zu bedenken und meint damit eine möglichst flächendeckende Rückkehr ins Mannschaftstraining. Hintergrund: Die aktuelle Fassung der Corona-Schutzverordnung ist bis zum 18. April befristet, spätestens am Tag danach wird es also Bewegung geben. Geht diese dann in die aus Sicht des Sports falsche Richtung, dürfte vieles ebenso schnell wie endgültig Makulatur werden.

Jede Staffel ist einzeln zu betrachten!

Manfred Schnieders (FLVW-Vizepräsident)

Apropos endgültig: Einer möglichen Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus erteilte Schnieders gestern mit dem Hinweis auf Vertragslaufzeiten und Transferfenster erneut eine klare Absage. Nur für den Westfalenpokalwettbewerb muss das nicht unbedingt gelten – schließlich wurde ja auch im vergangenen Sommer der Termin, bis zu dem die Landesverbände ihre Teilnehmer am DFB-Pokal melden müssen, nach hinten verschoben. Und generell will man beim FLVW dem Westfalenpokal auch Vorrang gegenüber der Meisterschaft einräumen: „Das ist schließlich der Wettbewerb, in dem die Vereine Geld verdienen können – selbst ohne Zuschauer“, begründet Manfred Schnieders.

„Kein Moduswechsel“ beim Aufstieg in die Regionalliga

Eher unwahrscheinlich ist laut dem FLVW-„Vize“ hingegen, dass die NRW-Landesverbände Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein im Falle einer Annullierung trotzdem Aufsteiger zur Regionalliga melden werden. Die Spielordnung lässt diesbezüglich zwar ein Schlupfloch, doch „aktuell beabsichtigen wir keinen Moduswechsel“.

Fazit des Ganzen: Nichts Genaues weiß man immer noch nicht. So war man am Ende geneigt, sich an einem von Gundolf Walaschewski ins Feld geführten Shakespeare-Zitat festzuhalten: „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare