Fußball

Ömer Sönmez: „Ich fahre da nicht nochmal hin“

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Neuenrades Kapitän Ömer Sönmez steht voll hinter der Entscheidung.

Neuenrade -  Nach dem Rassismus-Eklat im Spiel des TuS Neuenrade beim VfB Marsberg spricht nun der Kapitän des TuS.

Der Rassismus-Eklat in Marsberg vom Sonntag wirkt beim Fußball-Bezirksligisten TuS Neuenrade noch immer nach. Im Gespräch mit Marc Kusche schildert Ömer Sönmez, Kapitän der Hönnestädter, seine Sicht der Dinge. 

Sie sind 33 Jahre alt, haben als Fußballer schon viel erlebt. Auch so etwas wie am Sonntag?

Nein, dass war auch für mich absolutes Neuland. Ich war noch nie an einem Spiel beteiligt, das abgebrochen wurde – und dann noch nach solch widerwärtigen Vorkommnissen.

Hat sich da im Verlauf des Spiels etwas aufgebaut oder war es ein einzelner Vorfall?

Es war von Beginn an eine komische Atmosphäre. Die Zuschauer standen quasi direkt an der Seitenlinie, da ist auch schon mal das ein oder andere bösere Wort gefallen. Das war allerdings noch im Rahmen.

Und dann?

Nach rund einer Stunde hat es von mehreren Zuschauern Affenlaute in Richtung eines Spielers von uns gegeben. Das hat unser Trainer Abi Ouhbi beim Schiedsrichter moniert, worauf ein Marsberger Spieler unseren Coach rassistisch beleidigt hat. Ich habe diesen Spieler dann zur Rede gestellt, woraufhin er sich entschuldigt hat. Akzeptiert hab ich das für mich nicht, solche Worte, die er benutzt hat, rutschen einem nicht mal so eben heraus. Ich habe ihm dann gesagt, dass er sich nach dem Spiel bei unserem Trainer entschuldigen soll. Ob er es gemacht hat, weiß ich nicht. Den Schiedsrichter habe ich dann in meiner Funktion als Kapitän gebeten, verstärkt darauf zu achten, was auf und abseits des Platzes so gesagt wird.

Rund 15 Minuten später war es dann soweit...

In der Tat. Und wieder ging es gegen den gleichen Spieler (Anm. d. Redaktion: einen 22-Jährigen), nachdem er gefoult worden war. Diesen bitterbösen rassistischen Spruch aus einer Zuschauergruppe von rund zehn Personen heraus hat der Schiedsrichter aber diesmal selbst gehört. Er hat mir dann angeboten, das Spiel erst einmal zu unterbrechen und wir könnten in die Kabine gehen, um uns zu beratschlagen, wie wir mit diesem Vorfall umgehen. Er würde zehn Minuten später vorbeikommen.

Und das hat er dann ja auch getan...

Wir sind in der Zwischenzeit recht schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass es an der Zeit ist, ein Zeichen zu setzen und nicht mehr weiterzuspielen. Das war nicht einstimmig, aber mehrheitlich. Gerade unser Spieler, der zweimal angegangen worden ist, war ziemlich fertig. Und auch mit dem Abstand einer Nacht bin ich überzeugt, dass wir das Richtige gemacht haben, egal was vor dem Sportgericht herauskommt.

Was sollte da Ihrer Meinung nach herauskommen?

Ich hoffe zunächst einmal, dass der VfB Marsberg den oder die Zuschauer, die dafür verantwortlich waren, ermittelt und als Verein dafür sorgt, dass so etwas nie wieder passiert. Ich bin noch nie vor einem Sportgericht gewesen, denke aber, dass es zumindest auch eine Geldstrafe geben wird. Wie die Partie gewertet wird, überlasse ich dem Sportgericht. Für mich persönlich ist aber klar, dass ich im Falle einer Neuansetzung dort nicht mehr hinfahren werde. Dann sollen die Marsberger die Punkte eben kampflos kassieren.

Es gibt allerdings auch Vorwürfe von Marsberger Seite. Teammanager Picht berichtete, dass der Neuenrader Torhüter dem Marsberger Zuschauer, der den zweiten rassistischen Spruch von sich gab, den Ball vor den Kopf warf, Trainer Bender warf den Neuenrader Spielern vor, dass sie während der Partie auch seine Spieler aufs Übelste beleidigt hätten...

Ich will das nicht komplett ausschließen, aber mitbekommen habe ich davon nichts.

Ömer Sönmez, herzlichen Dank für das Gespräch.

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