Axel Jacobi: "Kurz vor dem Exitus"

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Die weibliche A-Jugend der SGSH Juniors um Alina Schwalm – hier am Wochenende beim 10:36 gegen Drolshagen – wird die Kreisliga-Saison mindestens auf Platz fünf abschließen. Mehr Teams gibt es im Kreis Lenne-Sieg nämlich nicht.

Kreisgebiet - Nun hat es auch die HSG Lüdenscheid getroffen: ein Mannschafts-Rückzug im Jugendbereich. Die B-Jugend aus der Bergstadt spielt nicht mehr mit im Spielbetrieb des Handballkreises Lenne-Sieg. Ein normaler Vorgang dieser Tage. Rückzüge sind an der Tagesordnung beim Handball-Nachwuchs. Eine Entwicklung, die Sorgen bereiten darf.

„Der Spielbetrieb steht kurz vor dem Exitus“, sagt Axel Jacobi. Der Jugend-Ausschuss-Vorsitzende im Handballkreis Lenne-Sieg ist dieser Tage mehr noch als früher ein Verwalter des Mangels. Die Klassen waren bei der Planung nicht eben üppig besetzt, nach den Sommerferien indes hat Jacobi es noch einmal mit der groben Kelle bekommen.

Bei der weiblichen B-Jugend zum Beispiel haben die SU Altena, die JSG Littfe-Heestal und der TuS Grünenbaum ihre Teams zurückgezogen. Übrig geblieben ist eine 7er-Staffel, in der auch noch drei Teams „aK“, also außer Konkurrenz, spielen, weil sie ältere Spielerinnen einsetzen, um ihr Team komplett zu haben. Bei der weiblichen A-Jugend sind es noch fünf Mannschaften, bei der weiblichen C-Jugend derer acht bei einer aK-Meldung. Einen Spielbetrieb der Mädchen im D- und E-Jugendbereich hatte Jacobi ohnehin nicht mehr geplant.

Bei den Jungen ist die Lage besser, aber auch weit davon entfernt, das Prädikat „gut“ zu bekommen. Die A-Jugend spielt in einer 10er-Staffel gemeinsam mit dem Kreis Hagen – hier haben die Rückzüge der Hagener Vereine aus Emst und Halden-Herbeck den Spielbetrieb getroffen. Bei der B-Jugend hat neben der HSG Lüdenscheid auch der TV Neunkirchen zurückgezogen. Hier ist die Lage wie bei den Mädchen: Sieben Kreisligisten gibt es, davon drei aK-Teams. Mit anderen Worten: Aus den Altkreisen Lüdenscheid, Olpe und Siegen/Wittgenstein gibt es inklusive der überkreislich aktiven Mannschaften acht intakte B-Jugend-Gebilde. Bei den C-Junioren starten fünf Lenne-Sieg-Teams im Kreis Hagen, zehn weitere in einer eigenen Staffel, darunter drei aK-Mannschaften. Im Bereich der D- und E-Junioren kämpfen aktuell jeweils 14 Mannschaften in den Vorrunden um Punkte – auch hier ist der Kreis schon deutlich besser besetzt gewesen. Bei den D-Junioren hatte nach dem Meldetermin die HSV Plettenberg/Werdohl II, bei den E-Jugendlichen die SU Altena und der TuS Grünenbaum II zurückgezogen. Und die erste E-Jugend von Grünenbaum hat noch kein Saisonspiel absolviert, am Wochenende schenkten sie ihr erstes Pflichtspiel bei den SGSH Juniors kampflos ab...

Vermehrt Kooperationen mit dem Kreis Hagen in der Zukunft

„Ich sehe es ja im eigenen Verein: Du findest keinen, der das Training machen will“, sagt Jacobi – sein Verein Erndtebrück hatte zuletzt auch die weibliche A-Jugend abmelden müssen. „Natürlich gibt es auch weniger Kinder, aber wie willst du die in den Schulen abholen, wenn du keine Übungsleiter hast?“ Der Spielbetrieb im Kreis Lenne-Sieg ist bis an eine imaginäre Schmerzgrenze geschrumpft.

Für die Zukunft wird bei weiter sinkenden Meldezahlen noch mehr über Kooperationen nachgedacht werden müssen. „Im Kreis Hagen ist es ja nicht besser“, sagt Jacobi, „auf der anderen Seite werden dann die Fahrten auch immer weiter.“ Gut ins Bild passt im Gesamtkontext auch die Absage des F-Jugend-Spielfestes am Sonntag in Schalksmühle –abgesagt vom Gastgeber aus Mangel an Interesse bei den eingeladenen Vereinen. Ein trauriges Szenario.

Die HSG Lüdenscheid hat derweil nach der Abmeldung der B-Junioren nun in dieser Saison weder eine männliche A- noch eine männliche B-Jugend. Zu Ende gedacht bedeutet dies, dass in den nächsten vier Jahren keine Jugendlichen nachwachsen werden im eigenen Verein, die die Senioren-Abteilung verstärken können. So ist das Problem beim Nachwuchs ein Problem, das schon bald die Senioren erreichen wird. Keine schöne Vorstellung...

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