Jugendhandball: Vertrag mit Linscheid gekündigt

Das Aus für die SGSH Juniors

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Das Emblem des TuS Linscheid-Heedfeld wird künftig nicht mehr die Hosen der Jugendhandballer aus Halver und Schalksmühle zieren – ab Sommer 2019 gehen die SGSH Dragons auch beim Nachwuchs ihren eigenen Weg.

Schalksmühle - Im Sommer 2019 endet eine Ära im Schalksmühler Jugendhandball: Die SGSH Dragons haben am Mittwochabend den TuS Linscheid-Heedfeld per E-Mail darüber unterrichtet, dass sie die Spielgemeinschaft zum Jahresende kündigen.

Real wirksam, so die Dragons auf ihrer Internetseite, werde diese Kündigung zur neuen Spielzeit 2019/2020. „Komplizierte Strukturen vergeuden Kraft und Manpower. [...] Die Spielgemeinschaft hat bis dato einen eigenen Vorstand, eigene Finanzstrukturen und vom Handballverband vorgegebene eigene administrative Abläufe. Diese Doppelstrukturen binden viel ehrenamtliches Engagement, was in der konkreten Arbeit mit jungen Handballerinnen und Handballern aus Sicht des Dragons-Vorstands besser aufgehoben ist, als in der Verwaltung“, heißt es u.a. in der Veröffentlichung des Vereins, und weiter wird der Vorstand zitiert: „Wir glauben [...], dass wir unsere Kraft ohne Schnittstellen, mit weniger Reibungsverlusten und größerem Input in die sportliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen besser auf die Straße bekommen [...] Die Spielgemeinschaft war damals die richtige Struktur zur richtigen Zeit. Im Wettbewerb mit den großen Nachbarn müssen wir uns jedoch effizienter und fokussierter aufstellen...“ 

Die Verantwortlichen beim TuS Linscheid-Heedfeld traf die Entscheidung unvorbereitet. Jens Stein, 1. Vorsitzender des Hauptvereins, traf sich direkt am Donnerstagabend mit dem Gesamtvorstand und dem Vorstand der Handball-Abteilung. „Wir haben die Dinge ruhig erörtert, aber auch mit ein bisschen Brass“, gibt Stein zu, „wir haben uns gefragt, warum das nun so schnell ging. Und so formlos. Eine E-Mail mit drei Sätzen. Das Einschreiben muss wohl unterwegs sein.“ Stein verweist auf Gespräche mit den Dragons, in denen es darum gegangen sei, dass man vom TuS verlangt habe, die finanziellen Beiträge zu erhöhen. Dazu sei der TuS nicht bereit gewesen. Außerdem beklagen die TuS-Verantwortlichen, dass sie zuletzt im Juniors-Vorstand stets vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein. Die Inthronisation des Sportlichen Leiters Mark Dragunski zum Beispiel sei auch den TuS-Vertretern im Juniors-Vorstand erst mitgeteilt worden, als auch die Öffentlichkeit informiert wurde. Die Linscheider denken nun gar nicht daran, den Jugendhandball allein den Dragons zu überlassen. 

Am Donnerstag beschlossen sie, wieder eine eigene Jugendabteilung betreiben zu wollen und wählten Thorsten Heising, den aktuellen 2. Vorsitzenden der Juniors, zum Jugendleiter. Bereits am Freitag wurde der Verein bei der Gemeinde vorstellig und lotete mögliche Hallenzeiten aus. In einer Stellungnahme des TuS heißt es: „Eine Begründung sucht man in dem Schreiben vergebens. [...] Nach so vielen Jahren der gemeinsamen Jugendarbeit hätten wir uns einen anderen Umgang gewünscht. Inhaltlich betrachtet zeichnete sich seit einiger Zeit ab, dass die gemeinsame Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit zwischen den Vereinen kleiner wird. [...] Der TuS Linscheid-Heedfeld steht für die bodenständige Struktur eines Breitensportvereins. Über die Ebenen des Vorstands des Übungsleiters bis zum Sportler pflegen wir ein Miteinander. Diese Werte spielten in der Ausrichtung der SGSH Juniors zuletzt eine eher untergeordnete Rolle zugunsten einer eher leistungsorientierten Philosophie, verbunden mit einem stetig steigenden finanziellen Aufwand. Die damit verbundene Kostenbeteiligung für den TuS konnten, aber vor allem wollten wir nicht mittragen...“ 

Stein ergänzt aus persönlicher Sicht: „Handball ist unsere Kernkompetenz. Wer an den TuS Linscheid denkt, denkt an Handball. Das wollen wir nicht aufgeben.“ Vor allem in den Schulen und Kindergärten im Höhengebiet wollen sie nun dem Nachwuchs ein Angebot machen. Auch Kooperationen mit anderen Vereinen schließt Stein nicht aus. Thorsten Heising, der angesichts der vergangenen Monate im Sommer 2019 als 2. Vorsitzender der Juniors ohnehin aufhören wollte, zeigte sich „persönlich enttäuscht“ darüber, dass er „später als alle anderen“ von der Kündigung erfahren habe. Heising war zehn Jahre im Vorstand der TSG Wehberg. Er hat ein anderes Bild vom Vereinsleben, ein basisdemokratisches. 

„Auf der einen Seite das unternehmerische Denken und Handeln, auf der anderen Seite das Vereinsdenken – das passt nicht zusammen. Insofern war der Schritt vielleicht die logische Konsequenz.“ Schade findet er die Entwicklung gleichwohl, gibt sich indes kämpferisch: „Uns hat man nun ins kalte Wasser geschmissen, nun müssen wir auch schwimmen...“ Markus Knuth, 1. Vorsitzender der SGSH Dragons, will sich zu den Darstellungen der Linscheider im Bezug aufs Geld und die Informationspolitik nicht äußern. „So etwas sollte man intern im Gespräch klären“, sagt er, versteht ansonsten indes die Aufregung nicht. Er habe viel Zustimmung bekommen für den Schritt, sieht ihn nach der Entscheidung, einen eigenen Handballverein zu gründen, als nächste logische Stufe. 

„Eine Spielgemeinschaft ist immer eine Notlösung, so wird es auch im HV Westfalen gesehen“, sagt Knuth und betont die eingangs genannten Vorteile, „die Jugendarbeit ist teuer geworden, damit nehmen wir auch die Verantwortlichen beim TuS aus der Haftung heraus. Außerdem sind von den 180 Kids bei den Juniors ohnehin nur noch sieben Linscheider...“ Der Weg ist damit auch frei für die Bezeichnung „SGSH Dragons Juniors“ – ein Logo mit diesem Titel ziert seit Wochen die Juniors-Internetseite, obwohl der Verein offiziell diesen Namen gar nicht trägt. Der Zeit ein Stück voraus zu sein, gehört womöglich zum Stil der SGSH Dragons. Beim Verband und in ganz Deutschland firmiert der Tabellenzweite der 3. Liga West seit August unter diesem Namen. Im Vereinsregister noch nicht. Dafür ist noch das Votum der Mitgliederversammlung erforderlich. Die tagt am 29. November, mehr als drei Monate nach der Namens-Einführung...

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