Jugendfußball

SC und TuS machen gemeinsame Sache

+
Das letzte Derby der B-Junioren in der Bezirksliga liegt schon neun Jahre zurück.

Plettenberg - Ihre Rivalität reicht lange zurück und verhinderte bislang eine Kooperation. Doch jetzt finden die beiden großen Plettenberger Fußballvereine erstmals zusammen. 

Erst waren es nur lockere Gespräche am Rande des A-Juniorenturniers um den Sauerland-Cup, dann wurden diese bei der Arbeitstagung der Jugendleiter in Kaiserau vertieft. Es folgten vier Sitzungen, an denen Jugendkoordinator Christian Becker und sein Stellvertreter Christoph Ziegler als Vertreter des SC Plettenberg sowie vom TuS Plettenberg Jessica Kosch und Jochem Ashoff aus der Vorstandsspitze, Marc Stracke als sportlicher Leiter von C- bis G-Junioren und Markus Hildebrandt als sportlicher Leiter der Senioren teilnahmen. In diesen Zusammenkünften wurden die Details ausgelotet, dann war man sich einig: Ab der Saison 2020/21 wird es in Plettenberg erstmals eine Jugendspielgemeinschaft mit den Kickern von SC und TuS geben. Jeweils eine gemeinsame A- und B-Jugend sowie zwei C-Juniorenteams sollen dann als JSG Plettenberg an den Start gehen. Der Bereich D-Junioren bis Minikicker bleibt eigenständig.

Was andernorts vielleicht nur eine Randnotiz wäre, darf man aufgrund der jahrzehntelangen Rivalität beider Vereine, gerade auch im Jugendbereich, für die Stadt Plettenberg durchaus als sporthistorisches Ereignis bezeichnen.

Den letzten Anstoß dürfte der Verlauf der nun unterbrochenen Saison 2019/20 gegeben haben. Der TuS musste seine B-Junioren vom Spielbetrieb abmelden, der SC folgte wenig später mit dem Rückzug seiner A-Jugend. Jene Spieler, die den SC in die B-Junioren-Bezirksliga geschossen hatten, kicken nun für den TuS in der A-Junioren-Kreisliga. Die B-Jugend des SC spielt mit einer chancenlosen Mannschaft auf Bezirksebene und wird wieder absteigen. Und im C-Juniorenbereich kooperiert der SC aktuell sogar über die Kreisgrenze hinaus mit dem SC LWL 05.

„Wir schieben uns die Spieler hin und her, müssen über Aufwandsentschädigungen verhandeln und das sportliche Ergebnis stimmt nicht. Da war viel unnütze Arbeit, die nichts bringt. Und so war nach den ersten Ansätzen, eine gemeinsame Trainerausbildung vorzunehmen oder die Aufwandsentschädigungen bei Wechseln untereinander zu streichen, die einhellige Meinung: So kommen wir nicht weiter“, fasst Markus Hildebrandt vom TuS Ausgangslage und gereifte Erkenntnis zusammen, die im gemeinsamen Entschluss zur Kooperation mündete.

Ein Entschluss, der hoffentlich nicht zu spät kommt, denn da in Plettenberg die sportlichen Anreize, sprich oberhalb der Kreisliga spielende Nachwuchsteams, gen Null tendieren, haben sich talentierte Kicker aus der Vier-Täler-Stadt in den letzten Jahren gen Werdohl oder Lüdenscheid orientiert.

Doch es ist nicht nur ein qualitatives, sondern auch ein quantitatives Problem, das die beiden Vereine jetzt zur Zusammenarbeit bewogen hat. „Die Masse ist nicht mehr da. Ab der C-Jugend beginnt es, dass die Prioritäten anders gesetzt werden. Da hat sich die Einstellung im Vergleich zu meiner aktiven Zeit stark verändert. Früher war der Fußball das Wichtigste, heute sind es andere Dinge“, beklagt Hildebrandt. Er gibt zu, dass die JSG Plettenberg auch ein aus der Not geborenes Konstrukt ist. Aber eines, dem er eine gute Perspektive bescheinigt: „Wir wollen in erster Linie das Beste für Plettenberg, weg vom Konkurrenzdenken, weg von SC und TuS. Wir wollen die Synergien bündeln und irgendwann wieder sportlich angreifen. Das sollte Ansporn sein, mitzuhelfen. Ich kenne die guten Zeiten des Plettenberger Jugendfußballs. Da wollen wir wieder hin, da sind wir mit der JSG auf dem richtigen Weg. Unser Ziel muss sein, dass die besten Fußballer aus Plettenberg auch in Plettenberg spielen.“

Hildebrandt hofft, dass die Signalwirkung der JSG-Bildung auch in der Coronakrise nicht verhallen wird. „Für Alteingesessene mag der Zusammenschluss anfangs schwierig sein, aber das Umdenken wird nicht lange dauern“, ist Hildebrandt überzeugt. Zumal jeder JSG-Spieler bei seinem Heimatverein angemeldet bleibt und als A-Junior im Altjahrgang seine Seniorenerklärung für den Heimverein erhält.

Die Hausaufgaben mit der Ausarbeitung der Regularien ist erfolgt, auch die Trainerfrage ist für drei von vier Teams geklärt: Salih Öztürk bleibt Trainer der A-Jugend, Sergej Fetter coacht die B-Junioren. In die C1 rückt Benny Fuhrländer hoch, bislang Trainer der TuS-D-Junioren. Lediglich bei der C2 ist noch offen, wer den Trainerjob übernimmt. Besetzt werden müssen auch noch Posten wie die des Jugendleiters und/oder des sportlichen Leiters. Was es schon gibt, ist das Logo. Es zeigt die zur Vier-Täler-Stadt gehörigen vier Berge und ist in Blau und Weiß gehalten, jeweils einer TuS- und einer SC-Farbe also. Dass es auch die Lieblingsfarben von Schalke-Fan Markus Hildebrandt sind, ist rein zufällig...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare