Sportgeschichte

Mit Werder-Trikot im Bayern-Festzelt

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Das große Werder-Logo am Haus von Jürgen Winterstein in der Grabenstraße.

Lüdenscheid - Geht man vom Sterncenter aus in die Grabenstraße und richtet seinen Blick ausnahmsweise nicht auf das Mobiltelefon, sondern nach vorn, fällt einem sofort ein rotes Haus mit einem riesigen Logo des norddeutschen Fußball-Bundesliga-Clubs SV Werder Bremen auf.

Dieses Haus gehört Jürgen Winterstein, der nur der „Chief“ genannt wird. 

Als glühender Anhänger des Traditionsvereins von der Weser erinnert sich der mittlerweile 76-Jährige an einen Tag vor 15 Jahren. Am 8. Mai 2004 gastierte der SVW beim großen FC Bayern München – damals noch im altehrwürdigen Olympiastadion. An diesem 32. Spieltag ging es um nichts Geringeres als die Deutsche Meisterschaft, hatten die Bremer als Tabellenführer doch sechs Punkte Vorsprung vor den Bayern und konnten ausgerechnet beim großen Konkurrenten vorzeitig Deutscher Meister werden. Die Bremer profitierten in dieser Saison vor allem von ihrem kongenialen Offensivtrio um den französischen Spielmacher Johan Micoud, den kroatischen Knipser Ivan Klasnic und den auch als „Kugelblitz“ bekannten Brasilianer Ailton. 

Bei den Bayern standen derweil Topstars wie Oliver Kahn, Bixente Lizarazu, Zé Roberto, Roy Makaay und der Ex-Bremer Claudio Pizarro in der Startelf. 

Der „Chief“ erinnert sich an den historischen Start zurück: „Ich war damals zur Kur – ausgerechnet in Bayern. Ich glaube Bad Birnbach hieß der Ort.“ Das wichtigste Spiel der Saison wollte er sich selbstverständlich nicht entgehen lassen. „Es gab dort ein Festzelt“, sagt Winterstein, „da bin ich dann mit meinem Werder-Trikot hin. Vorsichtshalber habe ich noch ein Ersatz-Trikot mitgenommen.“ 

Mit typisch bayerischem Humor verwehrte man ihm den Zutritt in das Festzelt. Als Winterstein ein vermutlich sportlich Gleichgesinnter beipflichtete, durfte er das Festzelt schließlich doch betreten. „Dieser Mann hat dann auch gleich mein zweites Trikot angezogen.“ 

An den Spielverlauf erinnert sich der Rentner. Werder ging in der 19. Minute durch Ivan Klasnic mit 1:0 in Führung. Zuvor konnte „Titan“ Oliver Kahn eine eigentlich zu langen Pass von Ailton nicht festhalten. Klasnic schnappte sich den Ball und vollendete ins leere Bayern-Tor. Nur sieben Minuten schlug die Sternstunde von Johan Micoud, der nach einem Pass von Fabian Ernst elegant per Lupfer zum 2:0 traf. „Micoud war damals Bremens bester Spieler. Er hat das Spiel gemacht und mit Klasnic und Ailton zwei Vollstrecker vor sich gehabt“, sagt Winterhagen. Spätestens nach dem 3:0 durch Ailton war die Partie und damit auch die Meisterschaft entschieden. Der Brasilianer überwand Oliver Kahn in der 35. Spielminute mit einem gefühlvollen Linksschuss ins obere linke Eck. 

„Wir hatten das Spiel voll unter Kontrolle. Ich glaube, die Bayern haben uns nicht ernst genommen“, mutmaßt Winterhagen, der zwar in 56. Minute den Anschlusstreffer zum 1:3 von Roy Makaay sah, jedoch keinen Zweifel mehr an dem Sieg hatte. Auch die Bayern-Fans erkannten die Niederlage früh an, hatten im „Chief“ jedoch auch ein gefundenes Fressen gefunden. „Die haben mich dann mit Obstler total abgefüllt“, sagt er und muss dabei lachen. 

Nach einer wenig ruhigen Nacht verlängerte Winterhagen seine Kur und sah drei Wochen später, ebenfalls in Bad Birnbach, den 3:2-Pokalsieg des SVW über Alemannia Aachen. „Das war schon eine tolle Saison.“

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