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Jonas Ermes will „Elevaide“ etablieren - auch „Die Mannschaft“ macht mit

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Von: Michael Jeide

Marc Werheid, Jennifer Walter und Ex-Torwart Jonas Ermes.
Die Gründer von Elevaide (von links): Marc Werheid, Jennifer Walter und Ex-Torwart Jonas Ermes.. © Elevaide/Bejond Germany

Pünktlich zum Start der Fußball-Europameisterschaft ist „Elevaide“ am Freitag vergangener Woche an den Start gegangen, präsentiert sich das neue Projekt von Jonas Ermes im weltweiten Netz (elevaide.com) und in den sozialen Medien.

Kreisgebiet - Der aus Rönkhausen stammende, frühere Profitorwart beim VfL Bochum, Ex-Keeper und Co-Trainer des RSV Meinerzhagen, B-Jugendtorwart beim TuS Plettenberg und U17-Nationalspieler hat mit „Elevaide“ ein neues Kapitel seines sozialen Engagements aufgeschlagen, das schon vor einigen Jahren mit der von der UEFA ausgezeichneten Initiative „In safe hands“ begonnen hatte.

„Elevaide“ ist ein neu geschaffenes Kunstwort, das drei Begriffe zu einem verbindet: Elevaide hebt (elevate) Hilfe (aid) durch Helfer (aide) auf ein höheres Level. „Wir wollen dir ermöglichen, wichtige Projekte zu unterstützen, um so positive Veränderungen zu erreichen. Dabei ist unser Name vor allem als Aufforderung zu verstehen: Mach mit, pack an, elevaide!“, schreiben die Initiatoren, zu denen neben Jonas Ermes noch Marc Werheid und Jennifer Walter gehören. „Marc und ich kennen uns schon länger und verfügen über die Kontakte in den Profisport, Jenny stieß als Geschäftsführerin der Design- und Beratungsagentur Bejond hinzu“, sagt Ermes.

Ein Jahr Vorbereitung

Die Idee, jetzt mit „Elevaide“ an den Start zu gehen, ist länger gereift. Schon seit 2017 befindet sich Jonas Ermes im regen Austausch mit Kat Craig, die in England eine Beratungsstelle für Profis unterhält, die sich gemeinnützig engagieren möchten. „So entstand die Idee, auch in Deutschland Profisportler für soziales Engagement zu sensibilisieren und ihre Reichweite zu nutzen, um den Fokus auf wichtige Themen der Gesellschaft zu lenken“, sagt Ermes. „Seit März 2020, also praktisch mit dem ersten Lockdown, ist dann Tempo in die Aktion reingekommen, hat sich ein Team herauskristallisiert, das Elevaide vorbereitet hat.“

Profisportler als wichtige Leitfiguren und ihre Popularität sollen genutzt werden, um Projekte zu unterstützen. Welche Projekte das sind, ist durch die Sustainable Development Goals, kurz SDGs. definiert. Dabei handelte es sich um 17 von den Vereinten Nationen gesteckte Ziele für nachhaltige Entwicklung. „Sie reichen von der Bekämpfung von Armut über Geschlechtergleichheit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen bis zum Schutz von Natur, Tierwelt und zur Rettung des Klimas. Dabei ist es besonders wichtig, sich den Bedürfnissen und Prioritäten der schwächsten Erdbewohner, Bevölkerungsgruppen und Länder anzunehmen“, heißt es bei „Elevaide“.

Bekannte Fußballer und ihre Projekte machen mit

Lassen sich die Projekte, die ein Profisportler unterstützt, einem dieser Ziele zuordnen, werden sie bei Elevaide aufgenommen. Dazu zählt die Manuel Neuer Kids Foundation, das Projekt Mitternachtssport, das von Hertha-Profi Jordan Torunarigha unterstützt wird, oder das Projekt „Bunter Ball“ von „In safe hands“, für das Union Berlins Keeper Andreas Luthe steht.

Bereits bestehende und mit bekannten Sportlern „besetzte“ Projekte sind die eine Variante, bei der zweiten sucht „Elevaide“ für Sportler, die sich sozial engagieren möchte, aber nicht wissen, wo, nach Gesprächen die passende Organisation aus. So fanden Ermes und seine Mitstreiter beispielsweise für Laura Benkarth, Torhüterin bei den Frauen von Bayern München und in der Nationalmannschaft, das Projekt „Balu und Du“, das sich für gleiche Bildungschancen bei Kindern einsetzt. „Oder nehmen wir Pia Wolter vom VfL Wolfsburg, die nun die flächendeckend zwar nicht bekannte, in Freiburg aber super arbeitende Organisation Bike Bridge unterstützt“, erzählt Ermes. Der Verein Bike Bridge setzte sich für mehr soziales Miteinander durch Fahrradfahren ein. Das Fahrrad wird genutzt, um Frauen zu bewegen, zu verbinden und zu stärken.

„Pia Wolter wird am Mittwoch auch in Bochum bei ,In safe hands’ hineinschnuppern“, freut sich Jonas Ermes über die Teilnahme der Fußballerin am sportpädagogischen Konzept „Bunter Ball“ für Grundschulkinder, die in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden und Vielfalt wertschätzen lernen sollen.

Nationalmannschaft ist mit im Boot

Für die genannten und weitere Projekte kann jeder Erwachsene bei „Elevaide“ spenden. Die Zahl der Unterstützer wird auf der Seite ständig aktualisiert. An der Spitze stand am Dienstag die „Arche Herzensbrücken“, die von der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft unterstützt wird und Familien mit schwer erkrankten Kindern eine gemeinsame Auszeit ermöglicht. In einem familiär geführten Hotel in Seefeld/Tirol können betroffene Familien zur Ruhe kommen, sich erholen und Kraft tanken. 38 Unterstützer hatten bis 16 Uhr am Dienstag für diesen Zweck knapp 9000 Euro gespendet.

Am Anfang ist es noch eine Lernphase, aber wir saugen alles auf und bekommen sehr schnell Feedback.

Jonas Ermes

Aus Impact Points werden Spenden

Neben der Geldspende, der von „Elevaide“ zu 100 Prozent an das Projekt weitergeleitet wird,, ist aber auch die Variante über „Impact Points“ möglich. „Damit entmonetarisieren wir die Spenden und setzen auf einen Lernimpuls“ erklärt Jonas Ermes. „Wer die Zeit investiert, um sich mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, für den bieten wir ein Quiz an. Für die korrekte Beantwortung der Fragen zum jeweiligen Thema gibt es als Belohnung Punkte. Für diese Punkte suchen wir Sponsoren und wandeln sie so wieder in Geldspenden für die vom Teilnehmer ausgewählten Projekte um“, erläutert Ermes das komplexe Modell. „So machen wir es beispielsweise bei der Nationalmannschaft, die drei Projekte unterstützt. Zu zwei Fixspenden von 25000 Euro kommt dann noch eine dritte, die von den Fans über Elevaide aktiviert werden kann.“ Die Mittel kommen dann aus einer im März 2020 gegründeten Stiftung, die auf Artikel 25 der UN-Menschenrechtscharta basiert. Er spricht jedem Menschen das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard zu.

Gerade durch die während der UEFA Euro 2020 weiterlaufenden Kooperation mit der Nationalmannschaft erhofft sich Jonas Ermes, dass „Elevaide“ schnell einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Zu diesem Zweck werden auch die sozialen Meiden fleißig bespielt.

„Als Ziel wünschen wir uns, dass Elevaide funktioniert. Am Anfang ist es noch eine Lernphase, aber wir saugen alles auf und bekommen sehr schnell Feedback“, hat Ermes schon nach wenigen Tagen zahlreiche Rückmeldungen registriert. „Nur so können sich Dinge ändern“, gilt dies für ihn auch beim Bestreben, mit Hilfe der Topsportler und den unterstützten Projekten positive Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken.

Vom zweifelnden Talent zum engagierten Unternehmer

Im März hat der Arete-Verlag das 240 Seiten starke Buch „Woran hat’s gelegen? Der verpasste Traum vom Fußballprofi“ herausgebracht. Geschrieben wurde es von dem 1966 in Meinerzhagen geborenen, seit 1988 aber in Köln lebenden und arbeitenden Sportjournalisten Olaf Jansen. Eines der 13 Porträts von hoffnungsvollen Talenten, die den Sprung in den Profifußball aus verschiedensten Gründen nicht schafften, dreht sich um Jonas Ermes.

Dass es nicht allein mehrere schwere Knieverletzungen waren, die verhinderten, dass der aus Rönkhausen stammende Torwart eine Bundesligakarriere beim VfL Bochum machte, schildert der 29-Jährige, ehemalige U17-Nationaltorwart und Teilnehmer der U17-WM 2009 in Nigeria nicht nur in diesem Buch, sondern auch im einem bemerkenswerten Interview mit Sebastian Dalkowski, das ebenfalls im März in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen ist.

Unbestritten ist dabei fraglos, dass die innerlich schon früh gehegten Zweifel am Profifußball und das Hinterfragen des Systems das heutige soziale Engagement von Jonas Ermes nachhaltig vorangetrieben haben.

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