Fußball

„Die Truppe gefällt mir wirklich super!“

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Spielt seit Juli 2018 für den RSV Meinerzhagen: Johannes Focher.

Meinerzhagen - Seine Verpflichtung im vergangenen Sommer ließ auch über die Grenzen Meinerzhagens hinaus aufhorchen: Vom Oberligisten ETB Schwarz-Weiß Essen kommend, wechselte Torhüter Johannes Focher, früher Profi in Dortmund und Graz, zum heimischen Westfalenliga-Neuling RSV. Mit dem 28-Jährigen, der an der Bochumer Ruhr-Universität Management and Economics studiert, unterhielt sich Sportredakteur Thomas Busch.

Herr Focher, die erste Frage gilt natürlich dem rechten Knie. Vor anderthalb Wochen beim Auswärtsspiel in Hassel haben Sie einen Anriss des hinteren Kreuzbandes erlitten. Steht Ihnen jetzt eine OP bevor, und wie lange wird die Zwangspause voraussichtlich dauern?

Johannes Focher: Operiert werden muss ich nicht, die Verletzung wird konservativ behandelt. Die Prognosen, wie lange ich nicht spielen kann, sind unterschiedlich. Schlimmstenfalls werde ich für den Rest der Saison ausfallen, und davon müssen wir auch erst einmal ausgehen. Aber mit Nils Langwald ist der RSV im Tor gut besetzt – da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Sie spielen seit Juli in Meinerzhagen und kennen Nuri Sahin bestens aus Ihrer gemeinsamen Zeit als Profi. Doch der erste Kontakt nach Meinerzhagen kam nicht über ihn, sondern über Ihren Vorgänger als Nummer eins beim RSV, Jonas Ermes, zustande. 

Johannes Focher: Das ist richtig. Ich kenne Jonas über die Hochschulmannschaft recht gut. Als sich im letzten Frühjahr abzeichnete, dass er nicht weiterspielen wird, hat er mich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, für den RSV zu spielen. „Meinerzhagen, das ist schon eine Strecke“, habe ich erst einmal gedacht. Aber Jonas hat mir sehr viel Positives über den Verein erzählt, und später hat mich dann Nuri angerufen und mir erzählt, was er vorhat. Das hat mich erst recht gereizt, als ich noch erfahren habe, dass ich beim RSV mit guten Freunden und Bekannten zusammenspielen kann. Mit Tim Treude habe ich in Dortmund in der Jugend und beim BVB II zusammengespielt, mit Julian Jakobs in der Jugend. Mathieu Bengsch kannte ich ebenfalls schon gut, genauso wie über die Uni-Mannschaft Raphael Gräßer und aus der Dortmunder Zeit auch Til Bauman. Und ich muss sagen: Die Truppe hier in Meinerzhagen gefällt mir wirklich super!

Wie beurteilen Sie die derzeitige sportliche Situation beim RSV, und was ist für den Verein generell noch möglich?

Johannes Focher: Das Umfeld in Meinerzhagen ist gut; ich denke, hier kann man infrastrukturell und organisatorisch noch einiges bewegen. Was aktuell den sportlichen Teil angeht, so war uns ja vorher bewusst, dass es nicht einfach wird. Wir haben viele Punkte liegen gelassen oder verschenkt, trotzdem würde ich sagen, dass nach oben noch alles offen ist. Wir sind immer noch ein bisschen in der Lernphase, was aus meiner Sicht für einen Aufsteiger auch völlig in Ordnung ist. Wir haben schon richtig gute Spiele wie gegen Sinsen oder in Wanne-Eickel dabei gehabt, in denen sehr viel von dem, was man im Training einstudiert hat, funktioniert hat. Aber es gab auch ein paar weniger gute Spiele, zum Beispiel das am vergangenen Sonntag in Marl. Man muss einfach auch ‘mal Spiele gewinnen, in denen es nicht so läuft – wenn du das schaffst, dann bist du eine Spitzenmannschaft. Aber der Weg dorthin ist eben ein Lernprozess.

Als dritter Torwart sind Sie 2011 und 2012 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden, 2012/13 haben Sie in Österreich beim SK Sturm Graz gespielt. Trotzdem haben Sie im Alter von 24 Jahren dem Profifußball den Rücken gekehrt und sich stattdessen an der Uni eingeschrieben. Was waren die Beweggründe?

Johannes Focher: Ich habe festgestellt: Für einen Stammplatz in der 1. Bundesliga reicht es nicht, und auch die 2. Bundesliga könnte schwer werden. In der 3. Liga habe ich mich nicht gesehen, weil ich keine Lust hatte, irgendwohin zu wechseln, wohin ich eigentlich gar nicht will. Ich bin nie jemand gewesen, für den die Devise „Fußball – sonst nichts“ gegolten hat. Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, das Risiko ‘rauszunehmen, ein Studium zu beginnen und etwas für meinen Kopf zu tun. Während der ersten zweieinhalb Jahre an der Uni habe ich überhaupt nicht mehr Fußball gespielt, bevor ich dann in der Oberliga wieder angefangen habe.

Unabhängig von Ihrer momentanen Verletzung hätte der RSV Meinerzhagen im November und Dezember ohnehin auf Sie verzichten müssen, weil Sie ein Auslandssemester einlegen. Wohin geht’s?

Johannes Focher: Nach Australien, genauer gesagt nach Melbourne. Mitte Februar werde ich wieder da sein.

Herr Focher, vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß in „Down Under“!

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