MZV-Serie: Übungsleiter der Woche

„Man sollte nicht kritisieren, sondern Anleitung geben“

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Fechttrainer Joachim Baum

Lüdenscheid - Trainer und Übungsleiter im Sport: Auf der einen Seite sind da die „Profis“, die in der Bundesliga oder bei Olympia im Rampenlicht stehen und viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite gibt es im Sport aber auch unzählige Trainer und Übungsleiter, die ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwands-Entschädigung in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen.

Denkt man in Lüdenscheid an den Fechtsport, kommt man an einer Person nicht vorbei: Joachim Baum. Der 73-Jährige begann 1962 beim damaligen RSV Lüdenscheid-Höh mit dem Fechten und ist seit den 70er-Jahren in der Bergstadt als Trainer tätig. Als unser „Übungsleiter der Woche“ stellt er sich den Fragen von Kevin Herzog.

Eigener Wunsch oder die Überredungskunst eines anderen? Was ist der Antrieb für Ihre Übungsleiter-Tätigkeit, und wie sind Sie dazu gekommen? 

Nachdem ich 1972 nach meiner Bundeswehrzeit wieder mit dem Fechten angefangen hatte, habe ich 1974 die Fechtabteilung bei RW Lüdenscheid übernommen und 1975 dann aus eigenem Wunsch die Trainer-C-Lizenz, die damals noch Übungsleiterschein hieß, erworben. Zwischen 1982 bis 2008 habe aus Familiengründen Pause gemacht, bin dann in den LTV 61 eingetreten und habe wieder begonnen. Die Trainer-C-Lizenz habe ich 2010 erneuert. Durch meine Übungsleitertätigkeit möchte ich Menschen, die daran interessiert sind, den Fechtsport in Lüdenscheid und Siegen, wo ich seit 2013 tätig bin, nahebringen.

Wieviel Zeit investieren Sie pro Woche?

Am Montag von 19 bis 21 Uhr leite ich in Lüdenscheid die Veteranengruppe; beim Fechten ist man ab dem 40. Lebensjahr ein „Veteran“. Am Mittwochs von 18.30 bis 22 Uhr bin ich in Siegen mit den Jugendlichen und Aktiven tätig. Dort wird Degen und Florett gefochten. An den Donnerstagabenden bin ich „Schüler“ bei Fechtmeister Wojciech Mróz in Lüdenscheid.

Stichwort Ziele: Geht es Ihnen bei der Arbeit als Übungsleiter um konkrete sportliche Ziele oder eher um gesellige Aspekte?

In Lüdenscheid steht die Geselligkeit mit den Veteranen an erster Stelle, in Siegen ist die Vorbereitung der Jugendlichen für die Turniere sehr wichtig. Ich persönlich habe Zeit und nehme deutschlandweit an Turnieren für die Veteranen teil. In diesem Jahr sind leider viele Turniere wegen Corona abgesagt worden. Am vorvergangenen Wochenende hätte ich an der Deutschen Meisterschaft in Bad Dürkheim teilgenommen.

Stichwort Selbstkritik: Als Trainer bzw. Übungsleiter beurteilen Sie Ihre Schützlinge, üben Kritik, um sie zu verbessern. Wenn Sie auf sich selbst schauen, was gibt es da zu kritisieren und zu verbessern?

Man sollte nicht kritisieren, sondern Anleitung geben. Dieses ist für die Motivation des Schülers sehr wichtig. Nach Trainingseinheiten versuche ich mit den Schülern zu analysieren, wo sie Verbesserungen einbauen könnten. Anderen Schülern gegenüber bin ich geduldig, doch bei den Lektionen, die ich von meinem Meister bekomme, bin ich mir selbst gegenüber sehr kritisch und ungeduldig.

Stichwort Coronavirus: Was machen Sie mit der ungewohnten Freizeit?

Ich habe Zeit, um unser Equipment zu reparieren und zu überprüfen. Ich gehe fast jeden Tag wandern und genieße die frische Luft, vermisse aber die sozialen Kontakte. WhatsApp und Telefon helfen uns, zumindest ein wenig in Kontakt zu bleiben.

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