„Der Kick ist immer noch da“

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Götz Hübenthal in seinem Element: Am Wochenende absolvierte der Neuenrader seinen Sprung Nummer 3254. Vor 30 Jahren stürzte sich der heute 51-Jährige zum ersten Mal in die Tiefe.

Neuenrade - Aus dem einmotorigen Turboprop-Flugzeug vom Typ Cessna 208 Caravan stürzte sich Götz Hübenthal am Samstag aus rund 1300 Metern in die Tiefe, glitt nach wenigen Sekunden des freien Falls mit seinem Fallschirm über Marl im nordwestlichen Ruhrgebiet. Für den Neuenrader war es Fallschirmsprung Nummer 3254 und zugleich ein ganz besonderer. Vor ziemlich genau 30 Jahren sprang der heute 51-Jährige zum ersten Mal aus einem Flugzeug der Erde entgegen. Pures Adrenalin.

Von Lars Schäfer

„Trotz aller Routine, die sich in 30 Jahren einschleicht: Den Respekt habe ich bis heute nicht verloren“, sagt Götz Heinrich Hübenthal, kurz GHH. Bis heute ist auch seine Leidenschaft für diesen Nervenkitzel der besonderen Art geblieben. „Das Gefühl, wenn der Luftstrom im freien Fall immer heftiger wird, ist unbeschreiblich. Der Kick ist trotz dieser mehr als 3250 Sprünge immer noch da. Und ich hoffe, dass er noch einige Jahre so bleibt“, betont der Kaufmann im Schrottgroßhandel. Sein Sport erfordert ein Höchstmaß an Selbstdisziplin und die Beherrschung der Techniken. Die richtige Einschätzung von Wind und Thermik ist ein Muss.

Als Fallschirmschirmjäger des ehemaligen Bataillons 273 in Iserlohn wurde GHH im Februar 1985 zu einem dreiwöchigen Lehrgang ins oberbayrische Altenstadt abkommandiert. Zum Abschluss dieses Lehrgangs stand sein erster (militärischer) Sprung mit einem Rundkappenschirm aus 280 Metern Höhe an.

„Diesen ersten Sprung werde ich nie vergessen“, sagt der sportbegeisterte Neuenrader, der vor allem in der Altenaer Schwimmerfamilie bekannt ist wie der oft bemühte bunte Hund. Erst Mitte Januar gewann der Schwimmer des SC „Gut Naß“ Altena zwei Goldmedaillen bei den Kreismeisterschaften über die langen Strecken, fischte im Laufe der Jahre landesweit unzählige Medaillen aus diversen Becken. Im vergangenen Jahr wurde Hübenthal unter anderem Südwestfälischer Meister über 400 Meter Lagen in der Altersklasse 50.

Zu reichlich Titelehren kam der 51-Jährige aber auch beim Fallschirmspringen. 2001 wurde er Norddeutscher Meister, 2012 in Itzhoe DM-Dritter im Teamspringen. Zudem kann GHH neben Sprüngen bei nationalen Titelkämpfen auch über Teilnahmen an Europameisterschaften oder Weltcups zurückblicken. „Ich bin ein Freund der klassischen Disziplinen Ziel- und Stilspringen“, so Hübenthal.

Beim Zielspringen muss, wie der Name impliziert, präzise eine Landezone beim ersten Bodenkontakt getroffen werden. Beim Stilspringen hingegen spielt nicht die Landung, sondern der Flug selbst die zentrale Rolle. „Daraus hat sich das bekannte Formationsspringen entwickelt“, verdeutlicht Hübenthal, der vor allem in den Sommermonaten recht häufig auf dem Flugplatz Loemühle anzutreffen ist – dem zentralen Anlaufpunkt seines Vereins Fallschirmsport Marl. Zwischen 30 und 80 Sprünge macht der Neuenrader pro Jahr, darunter auch einige Außenlandungen. Im vergangenen Jahr landete der Neuenrader, wie im Vorfeld geplant, beispielsweise in der Duisburger Fußball-Arena.

Unter den 3254 Sprüngen waren aber nicht nur schöne, sondern auch vier bis fünf knifflige dabei. „Bei einem Sprung über Nimwegen hatte ich einen technischen Defekt. Der Traggurt war gerissen. Deswegen musste ich den Hauptschirm abwerfen und mit dem Reserveschirm landen“, so der 51-Jährige, der sich bei einem Sprung im Jahr 1987 einen Bruch des Lendenwirbels zuzog. Doch trotz dieser vereinzelten Zwischenfälle steht über allem die Begeisterung für diesen Sport, für den GHH unzählige Stunden seiner Freizeit „opfert“. „Es ist aber immer noch ordentlich Feuer da. Sowohl für das Fallschirmspringen als auch für das Schwimmen“, denkt der sympathische Neuenrader noch lange nicht an ein Ende seiner sportlichen Laufbahn, zu der hin und wieder auch der Triathlon gehört.

Und so wird GHH auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder aus Flugzeugen springen oder auf Startblöcke am Beckenrand steigen. Er ist eben noch immer ganz Feuer und Flamme für „seine“ Elemente Luft und Wasser.

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