Wie Peter Stadt 1995 den Hausmeisterjob beim TV Jahn Plettenberg bekam

Der Oberturnwart kannte die Oma

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Jan Gleitze, Vorsitzender des TV Jahn Plettenberg, und Geschäftsführerin Sonja Eppmann (rechts) dankten Dagmar und Peter Stadt am Mittwoch für 25 Jahre Hausmeistertätigkeit in der vereinseigenen Turnhalle.

Plettenberg – Es war die pure Wohnungsnot, die Peter Stadt 1995 bewog, sich für die vakante Hausmeisterstelle in der vereinseigenen Turnhalle des TV Jahn Plettenberg zu bewerben. „Wir wohnten zu viert an der Karlstraße auf der Bredde in einem Altbau mit drei mal drei Meter großen Räumen“, erinnert sich der hauptberuflich als Meister bei C.D. Wälzholz (damals noch Kaltwalzwerk Brockhaus) tätige Stadt.

Die Chance, mit Gattin Dagmar und den beiden Töchtern Daniela und Jennifer in die geräumigere Wohnung über der Turnhalle an der Bahnhofstraße umziehen zu dürfen, war aber gar nicht so groß. „Es gab ungefähr 15 Bewerbungen“, weiß Jan Gleitze, Vorsitzender des mit über 1000 Sportlern mitgliederstärksten Plettenberger Sportvereins.

Die Aussage „Ich wollte schon immer Hausmeister sein“ und die Tatsache, dass beide Töchter 1995 schon im Verein turnten, dürften es also nicht nur gewesen sein, warum ausgerechnet Peter Stadt den Job – übrigens ein reines Ehrenamt, „mit dem man kein Geld verdienen kann“, so Jan Gleitze – bekam. Im alt-ehrwürdigen „Vogelhaus“ neben der Jahnturnhalle – dort wo vor Errichtung des Anbaus im Jahr 1980 die Hallenwarte wohnten – musste sich Peter Stadt, damals Mitte 30, dem versammelten Vorstand um den damaligen Vorsitzenden Leo Schlütter vorstellen. „Das war fast wie bei Gericht“, erinnert sich der Mann mit dem Schnauzbart, den er bei Schützenfesten (2014 waren er und Ehefrau Dagmar das Königspaar in Eiringhausen) auch gern an den Ecken hochzwirbelt.

Stadts Türöffner, so vermutet er, könnte die Tatsache gewesen sein, dass Helmut von Hagen, damals Oberturnwart des TV Jahn, „meine Oma gekannt hatte. Sie wohnte in der Nachbarschaft.“ Helmut von Hagen war es auch, der Familie Stadt nach der telefonisch erfolgten Zusage am Abend wie gewünscht „etwas Schriftliches“ auf die Bredde brachte und bereits im Treppenhaus mit seinem lauten Organ kundtat, dass es mit der Hausmeisterstelle geklappt habe. Peter Stadts damaliger Vermieter dürfte es vernommen haben...

Wie es in der neuen Wohnung aussah, wusste das Ehepaar Stadt seinerzeit noch nicht. „Wir haben nur einmal geguckt. Sie stand sehr voll – der Sperrmüll war anschließend oft hier“, erzählt Dagmar Stadt, die am liebsten gleich wieder kehrt gemacht hätte. Doch die Familie wurde in der neuen Umgebung schnell heimisch. „Und es wurde von Jahr zu Jahr besser. Ich habe keine Sekunde bereut“, sagt Peter Stadt, der spätestens nach dem Deutschen Turnfest in Berlin 2005 „richtig drin“ war im TV Jahn. Mittlerweile hat er als Verantwortlicher für Gebäudewirtschaft sogar Sitz und Stimme im Turnrat. Tochter Jennifer, nach der Heirat mit dem Affelner Fußballer Fabian Cormann nach Blintrop verzogen, ist Schriftführerin im TV Jahn-Vorstand und war von 2013 bis 2017 Gaujugendwartin im Lenne-Volme-Turngau.

„Viele Renovierungen und Arbeitseinsätze, aber auch viele Herbstfeste mit anschließendem Aufräumen“, zählt Jan Gleitze auf, hat das Ehepaar Stadt in der Jahnturnhalle in 25 Jahren mitgemacht. „Und sie sind als Ansprechpartner für viele Mitglieder immer vor Ort“, weiß der Vorsitzende, dass oft an der Tür der Hausmeisterwohnung geschellt wird oder das Telefon klingelt. Dagmar Stadt ist als 450 Euro-Kraft für die Reinigung der Halle, der Umkleiden und der Toiletten zuständig, Ehemann Peter, der sich unter dem Hallendach eine kleine Werkstatt eingerichtet hat, hält alles in Schuss und pflegt zudem die Umlage, wozu auch der Steilhang hinter der Halle, aber auch der mächtige Baum an der Zufahrt gehört. Wenn der gestutzt werden muss, wird dazu die Bahnhofstraße gesperrt. „Das Laub habe ich aber nie in die Else geworfen“, entsorgt Peter Stadt den Grünschnitt stets fachgerecht – was zu früheren Zeiten offenbar auch schon anders praktiziert wurde...

Dem Hausmeisterpaar für 25 Jahre im Dienste des Vereins am Mittwoch mit einem Blumenstrauß und einem Essensgutschein Danke zu sagen, war für Jan Gleitze und Geschäftsführerin Sonja Eppmann eine angenehme Pflicht und Ausdruck der Wertschätzung der Arbeit von Dagmar und Peter Stadt. Wie lange sie den Job noch weitermachen können? „So lange sie möchten“ sagt Jan Gleitze. „So lange ich gesundheitlich in der Lage bin“, sagt Peter Stadt.

Demnächst werden sich die Stadts noch über ein anderes „Geschenk“ freuen können: Der TV Jahn investiert mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ 100.000 Euro, unter anderem in die Renovierung des „Vogelhauses“ und ein neues Badezimmer in der Hausmeisterwohnung.

Mit der relativen Ruhe in der Jahnturnhalle nach dem Ausbrauch der Corona-Pandemie hatte Peter Stadt so seine Probleme: „Das war schon komisch. Ich habe es vor allem an den Wochenenden vermisst, dass jemand trainieren will.“

Die Halle aufschließen – das handhabte Peter Stadt nach kurzer Absprache mit dem Vorstand meist nach eigenem Ermessen: „Peter wusste immer, was er zulassen kann. Bei uns ist nicht alles reglementiert“, hat Jan Gleitze uneingeschränktes Vertrauen in den Hallenwart.

Corona hat natürlich viel verändert. Nur Kleingruppen, so wie am Mittwoch die Leistungsturner, dürfen zurzeit trainieren. „Nach den Ferien wollen wir den Übungsbetrieb wieder langsam ans Laufen bringen, hoffen, ab September wieder durchstarten zu können“, will Jan Gleitze in einer Übungsleitersitzung das weitere Vorgehen besprechen. Sobald die Gruppen wieder an den Start gehen, wird auch die Arbeit für Dagmar und Peter Stadt, vor allem aufgrund der engeren Reinigungsintervalle, wieder zunehmen. Etwas Arbeit brachte Sonja Eppmann dem Hausmeister am Mittwoch bereits mit: Drei bestellte Spender für Desinfektionsmittel (mit Sensor) sind eingetroffen. Peter Stadt wird diese nun in der Turnhalle anbringen – die Sprühflasche hat damit ausgedient.

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