Fußball

Inzidenz kein Maßstab mehr: U14-Kicker vor Rückkehr ins Training

Jugendfußballer im Luftkampf
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Ab Montag dürfen auch die E-Junioren wieder trainieren - jedenfalls hat der Märkische Kreis bisher noch kein Veto eingelegt.

Die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW gestattet dem Sport im Land mehr Lockerungen, als es nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz zu erwarten war. Die Umsetzung stellt indes an die Ehrenamtler auch in Lüdenscheid hohe Anforderungen.

Lüdenscheid – Von der Friedrichstraße, an der Michael Dregger sein Büro hat, zum Gothaer Haus, in dem der Fachdienst Schule und Sport der Stadt Lüdenscheid untergebracht ist, sind es zu Fuß keine fünf Minuten.

Und doch wählten Dierk Gelhausen vom Fachdienst und der RWL-Vorstandssprecher am Freitagnachmittag das Telefon zum Austausch, und das nicht nur einmal. Die neue Corona-Schutzverordnung lag auf dem Tisch – und mit ihr mussten viele Fragen geklärt werden. Eine Standleitung wäre an diesem Tag das Mittel der Wahl gewesen.

Zur Erinnerung: Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern war am Mittwoch beschlossen worden, dass es für den Amateur- und Breitensport die Möglichkeit für schrittweise Lockerungen geben sollte. Was genau wann wieder erlaubt ist, sollte von den Corona-Zahlen abhängen.

Inzidenz kein Maßstab mehr: U14-Kicker vor Rückkehr ins Training

Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 sollte kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen draußen ermöglicht werden.

Bei einer stabilen oder sinkenden Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 sollte das jeweilige Bundesland Individualsport mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten und Sport in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahre im Außenbereich ermöglichen.

Dann legte das Land NRW am Freitag die Corona-Schutzverordnung vor. Darin heißt es: Alle ungedeckten öffentlichen und vereinseigenen Sportanlagen können weiterhin geöffnet werden. Auf diesen Sportanlagen und im öffentlichen Raum können folgende Personenkonstellationen Sport betreiben:

  • Abschnitt A:
  • Einzelsportler, Sport zu zweit, Sport in Familien Personen allein
  • zwei Personen zusammen (auch ohne Abstand)
  • beliebig viele Personen aus einem Hausstand (auch ohne Abstand)
  • maximal fünf Personen aus zwei verschiedenen Hausständen (auch ohne Abstand)
  • die Anleitung eines Einzelsportlers durch einen Trainer oder Übungsleiter ist möglich (z. B. Tennis-Einzeltraining, Torwart-Einzeltraining)
  • Abschnitt B:
  • Sport für Kinder in Gruppen bis zu 20 Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahre können als Gruppe gemeinsam Sport-, Spiel- und Bewegungsaktivitäten durchführen. Eine Gruppe kann durch maximal zwei Übungsleiter / Trainer / Aufsichtspersonen betreut werden.
  • Zwischen den unter A und B genannten Personen oder Personengruppen, die gleichzeitig Sport auf einer Sportanlage betreiben, ist dauerhaft ein Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten.

Märkischer Kreis weiter NRW-weit Inzidenz-Spitzenreiter

Der Kreissportbund machte die Verordnung schnell publik – und schickte den Vereinen, die es nicht glauben konnten und direkt beim KSB nachfragten, zwei Stunden später eine Klarstellung hinterher. „Auch für den unter B. genannten Sport in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis einschließlich 14 Jahre gilt, dass kein Mindestabstand eingehalten werden muss. Es ist sowohl ein Trainings-, als auch ein Wettkampfbetrieb möglich.“

Kein Wort mehr zu Sieben-Tage-Inzidenzen. Das findet sich erst in Paragraf 16 der Verordnung. Hier heißt es, dass in Hotspots (Sieben-Tage-Inzidenz nachhaltig und signifikant über 100) „die Kreise oder kreisfreien Städte im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales besondere Schutzmaßnahmen anordnen können“.

Gut gemeinte Entscheidung, schlechte Umsetzung

Der Märkische Kreis ist seit Tagen Sieben-Tage-Inzidenz-Spitzenreiter in NRW, eine Topposition, die niemand gerne inne hat. Am Freitag lag der Wert bei 124,1. Insofern gab sich Dierk Gelhausen, was Sportplatzöffnungen betrifft, auf Anfrage am frühen Nachmittag noch zurückhaltend und gelassen. Lüdenscheid? Bei den Corona-Zahlen? Dann aber festigte sich der Eindruck, dass ab Montag tatsächlich der Trainingsbetrieb für Fußballer von der D-Jugend bis zu den Minikickern wieder möglich sein wird – auch im Märkischen Kreis. Mit all den daraus resultierenden Konsequenzen für die Vereine und Kommunen.

So etwas ist aus den Veröffentlichungen am Donnerstag überhaupt nicht absehbar gewesen. Ich bin eigentlich immer linientreu. Aber so etwas ist den Ehrenamtlern nicht zuzumuten!

Michael Dregger (RW Lüdenscheid)

„So etwas ist aus den Veröffentlichungen am Donnerstag überhaupt nicht absehbar gewesen“, sagt Michael Dregger, der nicht nur Vorstandssprecher von RWL, sondern auch Ratsherr der CDU in Lüdenscheid ist. Dass die Christdemokraten in Berlin und Düsseldorf an den Entscheidungen beteiligt waren, die nun eine Umsetzung von einem Moment auf den anderen erfordern, nötigt Dregger durchaus ein kritisches Wort ab. „Ich bin eigentlich immer linientreu“, sagt er mit Blick auf seine politische Arbeit, „aber so etwas ist den Ehrenamtlern nicht zuzumuten.“

Für das Nattenberg-Stadion und RWL bedeutet es exemplarisch: Theoretisch müsste das Hygienekonzept am Wochenende überarbeitet und an die neue Corona-Schutzverordnung angepasst werden. Dazu kommt, dass Trainingspläne angepasst werden müssen.

Die Umsetzung des Mindestabstands-Gebots von fünf Metern zwischen den Trainingsgruppen ist praktisch umzusetzen – bei vier E-Jugend-Teams, die normalerweise gleichzeitig den Kunstrasen nutzen, auch kein Pappenstiel. Und dazu wird sich RWL am Nattenberg mit dem STL arrangieren müssen. Seit November ist das Nattenberg-Stadion der zweite Standort für die Müllentsorgung. Hier werden abends die Müllwagen geparkt. Hier nimmt die Besatzung die Touren in Angriff und kann nachher die Duschen nutzen. Der STL hatte den Schritt zum Nattenberg gemacht, weil man die Besatzungen Corona-bedingt räumlich trennen wollte.

Auch Dierk Gelhausen muss eine Sonderschicht einlegen

„Es werden Bauzäune aufgestellt zum STL – und die Sportler werden von Tor 3 aus ins Stadion kommen“, sagt Dregger, „es ist am Freitag direkt vieles besprochen worden. Aber am Wochenende bleibt trotzdem noch sehr viel Arbeit, inklusive der Video-Konferenzen mit den Trainern.“

Auch Dierk Gelhausen hat den Samstag als Arbeitstag eingeplant. Telefonate mit den Vereinen, die Belegung der Plätze. Offene Fragen. Und immer der Blick in Richtung Märkischer Kreis und Gesundheitsamt. Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz weiter, könnte die Verantwortlichen im Kreis womöglich doch Maßnahmen beschließen, die die Vorbereitung des Trainingsstart für die jungen Fußballer hinfällig machen könnte.

Es bleibt spannend, es bleibt chaotisch – aber es winkt die Perspektive, dass die Jungen und Mädchen ab Anfang der Woche wieder kicken können. Immerhin eine Perspektive, ein bisschen Hoffnung.

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