„Es gibt nach wie vor Ärger“

Wolfgang Kunde, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, bemängelt die Disziplin am Spielfeldrand.

Lüdenscheid - Am Donnerstag findet der Kreisjugendtag des FLVW Lüdenscheid statt. Um 19 Uhr beginnt die Veranstaltung im Vereinsheim des LTV 1861 am Honsel. Volontär Florian Herrmann sprach mit Wolfgang Kunde, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses (KJA), über die Entwicklungen im Jugendfußball und die Schwerpunkte des Kreisjugendtages.

Wolfgang Kunde, auf der Arbeitstagung des KJA im März 2015 sprachen Sie davon, dass etwas gegen die Vorkommnisse im D- bis F-Jugend-Bereich zwischen Trainern, Eltern und Betreuern getan werden müsse. Hat sich etwas verbessert?

Kunde: Nein. Es gibt nach wie vor Ärger. Dass sich die Leute nicht benehmen können, zieht sich wie ein roter Faden durch. Das jüngste Beispiel sind die Vorfälle bei den Hallenkreismeisterschaften in Kierspe.

Inwiefern?

Kunde: Dort gingen Trainer zu Spielern auf die Tribüne, um sie abzuwerben. Eltern haben sich fast geschlagen, Spiele wurden unterbrochen. Beinahe wäre das Turnier abgebrochen worden. Was folgte, waren Ordnungsgelder, gegen die die betreffenden Vereine auch noch Protest einlegten. Insgesamt hatten wir fünf Fälle bei den Hallenkreismeisterschaften.

Ist denn, unabhängig von diesen Vorfällen, eine Besserung im Verhalten der Trainer, Betreuer und Eltern zu erkennen?

Kunde:Wir führen keine Statistik, die besagen könnte, dass eine Spielzeit ruhiger war als die andere. Man kann dennoch feststellen, dass keine Besserung eingetreten ist. Im September war ich bei einem D-Jugend-Spiel. Eine Mutter war in der Coaching-Zone und legte sich mit einem Zuschauer an. Der hat die Frau dann geschlagen. Erst als die Verantwortlichen der Vereine uns entdeckten, kehrte Ruhe ein. Oft werden auch die vereinseigenen Schiedsrichter angegangen, weil sie vermeintlich einseitig pfeifen. Die Schiedsrichter, die angesetzt werden, sagen oft, dass sie keine Lust haben, sich für die kleine Aufwandsentschädigung noch anpöbeln zu lassen und hören auf. Die jungen Schiedsrichter sind kaum noch zu halten.

Probleme gab es auch bei der Regeleinhaltung bei der Austragung der Spiele. Feldgrößen wurden nicht eingehalten, Spielberichte falsch ausgefüllt.

Kunde:Falsch ausgefüllte Spielberichte sind praktisch ein Tagesgeschäft. Entweder werden sie kopiert oder es tauchen Namen von Spielern auf, die zuvor schon gespielt haben. Da muss man natürlich aufpassen, das wird sanktioniert. Ebenso wie falsche Spielfeldgrößen. Die Vereine sprechen dann gerne von Sanktionen oder Bestrafungen. Es sind schlichtweg Ordnungsgelder.

Wie kann dem Einhalt geboten werden?

Kunde:Wir haben vor der Saison alle Vereinsvertreter der E- und F-Jugend eingeladen. Wir haben alles angesprochen, ob Spielfeldgröße oder Ausfüllen der Spielberichte. Sieben Vereine kamen nicht – mit der Begründung, sie wüssten, wie das funktioniert.

Widmen wir uns dem Sportlichen. Der Mädchenfußball wird zusammen mit dem Kreis Iserlohn ausgetragen. Sind die anfänglichen Bestrebungen, dieses im Jungenfußball auch durchzuführen, ad acta gelegt?

Kunde: Ja. Bei den Mädchen läuft der Spielbetrieb zum Teil auch mit dem Kreis Hagen zusammen, der das auch nicht alleine stemmen könnte. Im Jungenfußball soll die Unabhängigkeit aber gewahrt bleiben.

Welche thematischen Schwerpunkte wird der Kreisjugendtag am Donnerstag haben?

Kunde: Es gibt eine Reihe von Anträgen, die behandelt werden müssen. Da bin ich sehr gespannt, was dabei rumkommt. Zudem wird natürlich gewählt.

Gibt es Anzeichen, dass sich im Vorstand etwas verändert?

Kunde: Von unserer Seite aus kaum. Der Vorstand des Kreisjugendausschusses wird sich wieder zur Wahl stellen. Lediglich eine Position könnte aus beruflichen Gründen des Amtsinhabers vakant werden.

Inwiefern sind Sie gespannt, was mit den gestellten Anträgen passiert?

Kunde: Rot-Weiß Lüdenscheid hat etliche Anträge gestellt. Zum einen möchten sie die Reduzierung der Ordnungsgelder erreichen. Es gibt dazu einen Strafenkatalog. Selbst wenn der Antrag eine Mehrheit bekommen sollte, hätten wir keine Handhabe. Dieser Antrag würde dann an den Verband weitergereicht. Außerdem möchte RWL, dass aus Kostengründen die Kreisauswahlmannschaften abgeschafft werden. Ich bin gerade mit einer Auswahl für knapp zwei Tage in in der Sportschule Kamen-Kaiserau. Für die Kinder ist es ein großes Erlebnis, das mitzumachen. Ich denke nicht, dass die Abschaffung der Auswahlteams sinnvoll wäre.

Wolfgang Kunde, vielen Dank für das Gespräch!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare