Interview: TSV Lüdenscheid

„Alle wollen Häuptlinge sein, sind aber nur Indianer“

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Hofft auf eine schnelle Trendwende beim Türkischen SV Lüdenscheid: Hassan El Mourabit

Lüdenscheid - Die Saison im Lüdenscheider Kreisliga-Oberhaus ist zwar noch jung, doch beim TSV Lüdenscheid ist der Start nahezu gänzlich in die Hose gegangen.

Nach vier Spieltagen zieren die Kicker vom Wefelshohl das Tabellenende, das ist trotz des personellen Umbruchs mit vielen jungen Spielern eine herbe Enttäuschung. Marc Kusche sprach mit Cheftrainer Hassan El Mourabit. 

Das Wochenende hatte für dich so schön begonnen... 

Hassan El Mourabit: Das kann man so sagen. Da gewinnen wir am Samstag mit der C-Jugend vom SC Lüdenscheid 6:0 beim TuS Grünenbaum, um dann tags darauf mit dem TSV gegen Oestertal 2:6 unterzugehen. Die Art und Weise hat mich noch bis Montag mitgenommen. 

Der TSV als Schießbude der Liga, ist das übertrieben? 

El Mourabit: Nein, die Tabelle lügt doch nicht. Wir sind Letzter, haben bereits unfassbare 17 Gegentore kassiert. Und gegen Oestertal hätten wir uns auch über noch mehr Gegentore nicht beschweren können. Seitdem ich hier Trainer bin, war das der absolute Tiefpunkt. Nach 75 Minuten habe ich schlichtweg abgeschaltet. 

Ist die Gegentorflut der Philosophie geschuldet, fast nur noch auf junge Spieler zu setzen? 

El Mourabit: Das würde ich so nicht sagen. Natürlich wollen die Youngster lieber nach vorne spielen. Doch zum Fußball gehört auch das Umschalten nach hinten und resolutes Verteidigen, das haben sie noch nicht verinnerlicht. Die Rückwärtsbewegung schon im Mittelfeld ist katastrophal, sodass der Gegner immer wieder in Überzahl auf unsere letzte Linie anläuft. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch deshalb auseinander, weil alle Häuptlinge sein wollen. Dabei sind es alles nur Indianer, die noch viel, viel lernen müssen. Und das schnellstens. 

Letztlich aber steht der Trainer in der Verantwortung... 

El Mourabit: Das ist mir schon klar, irgendwann müssen Ergebnisse abgeliefert werden. Ich werde aber nicht von meiner Linie abweichen, dass am Sonntag die spielen, die regelmäßig trainieren. Und das gilt eben für Spieler wie Ufuk Yazar oder Onur Seckin, nach denen einige schreien, nicht. Abgesehen davon habe ich in den ersten vier Spielen personell schon mächtig rotiert, doch die Fehler sind die selben geblieben. Mittlerweile sind auch alle verunsichert und blockiert, es wird nicht einfach. 

Was kann das Trainerteam noch tun? 

El Mourabit: Wir, also Deniz Altan und ich, müssen die Köpfe der Spieler frei bekommen, da hilft natürlich in erster Linie ein Erfolgserlebnis. Eine Sache des Systems ist es eher nicht, denn wir haben hinten schon einiges probiert, mal mit Vierer-, mal mit Fünferkette. Letztlich, und da wiederhole ich mich, müssen die Jungs einfach konsequenter zurücklaufen und besser verteidigen. Ich bin zwar eigentlich kein Freund davon, aber vielleicht wäre es noch eine Option, einen Libero zu installieren. Ein erfahrener Mann wie Ali Akhabach könnte das mit Sicherheit. Da werden wir in dieser Woche noch drüber sprechen. 

Spürst du noch Rückendeckung vom Vorstand? 

El Mourabit: Absolut. Die tragen das Konzept voll mit, tun auch von ihrer Seite, ob nun Bälle, Trikots oder Trainingsanzüge, alles, dass sich die Spieler wohlfühlen können. Am Sonntag habe ich mich nach Spielende für die Leistung der Mannschaft regelrecht geschämt, da tat es richtig gut, dass unser 1. Vorsitzender Alpay Kilinc der erste war, der mich getröstet und versucht hat, mich wieder aufzubauen. Aber natürlich kenne ich die Gesetzmäßigkeiten: Wir brauchen endlich wieder einen Erfolg, am besten schon am Sonntag beim TuS Ennepe. 

Hassan, vielen Dank für das Gespräch.

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