Interview mit Lüdenscheids SSV-Vorsitzendem Michael Meyer

Das größte Problem? Die Zahl der Übungsleiter!

Michael Meyer
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Michael Meyer ist Vorstandssprecher des Stadtsportverbands Lüdenscheid.

Wenn es so etwas wie den „obersten ersten Vorsitzenden“ der Lüdenscheider Sportvereine gibt, dann ist er es: Michael Meyer ist Vorstandssprecher des Stadtsportverbands (SSV) Lüdenscheid, dem insgesamt 58 Vereine angehören.

Lüdenscheid - Am Wochenende trafen sich deren Vertreter im Ratssaal zur Jahreshauptversammlung des Verbands, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aus diesem Anlass fragte Redakteur Frank Zacharias den SSV-Sprecher nach den besonderen Herausforderungen in Corona-Zeiten – und nach ganz persönlichen Erfolgserlebnissen.

Herr Meyer, wie geht es dem Sport in Lüdenscheid im Jahr eins nach Beginn der Pandemie?

Zunächst einmal ist es gut, dass alles wieder anläuft, wenn auch nur schleppend. Die Solidarität, die sich in dieser Zeit unter den Vereinen gezeigt hat, war beeindruckend – nicht nur im Zuge der Pandemie, sondern zuletzt auch in Sachen Flut. Nach der Coronapause müssen sich die Gruppen jetzt aber erst wieder finden. Dabei hatten wir sicher den großen Vorteil, dass es uns gemeinsam mit Politik und Verwaltung gelungen ist, die Hallen auch in den Ferien offen zu halten. Das größte Problem sind derzeit aber nicht Hallenzeiten oder Mitgliederrückgänge, sondern die Übungsleiter: Von denen gibt es viel zu wenige, weil sie den Kontakt zum Sport während der Pandemie verloren haben.

Wie kann der Stadtsportverband den Vereinen ganz konkret helfen?

Indem wir nicht nur die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördern und unterstützten, sondern auch die Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern. Auch mit Geld. Daneben gibt es aber auch andere Bereiche, in denen wir als Schnittstelle zum Landes- und Kreissportbund, zur Politik und Verwaltung helfen können. Und wir bieten auch administrative Hilfe an: Es gibt nicht nur einen Mangel an Übungsleitern, sondern auch an Vorständen. Da könnte der SSV helfen, für kleinere Vereine etwa die komplette Verwaltung übernehmen. Dafür bietet sich unser Büro am Rathausplatz ja an, dessen Öffnungszeiten wir ausbauen wollen.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist das Programm „Moderne Sportstätten“, für das in Lüdenscheid 930 000 Euro zur Verfügung stehen. Mehr als eine halbe Million Euro wurde nicht abgerufen. Woran liegt das?

Lüdenscheid hat die Besonderheit, dass sich nahezu alle Sportstätten in Besitz der Stadt befinden. Das Programm richtet sich aber nun mal an Vereine, die in ihr Eigentum finanzieren können. Man darf nicht vergessen, dass das etwa auch bei Tennisplätzen ein Problem war, weil die Anlage selbst vielleicht dem Verein gehört, diese aber insgesamt auf dem Grund und Boden der Stadt steht. Da mussten extra Pachtverträge geschlossen werden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir mit dem sehr guten Draht zur Verwaltung da schnelle und gute Lösungen gefunden haben. Die Zusammenarbeit klappt insbesondere mit dem Fachbereich Schule und Sport sehr gut. Ich weiß, dass das nicht in allen Städten so ist.

Hätte das Land die Förderbedingungen Ihrer Meinung nach – insbesondere im Sinne der Lüdenscheider Vereine – lockerer formulieren müssen?

Eigentlich sind sie locker formuliert. Es muss nun mal gewisse Voraussetzungen und Richtlinien geben, damit man nicht ständig diskutieren muss.

Aber was geschieht mit dem nicht abgerufenen Geld für das Jahr 2021?

Es ist nicht verloren. Was nicht abgerufen wurde, kann durch die Stadtverwaltung etwa für städtische Gebäude eingesetzt werden – aber immer noch unter der Prämisse, dass wir als Stadtsportverband entscheiden können, in welche Projekte investiert wird. Das erfolgt dann in enger Absprache, aber nicht ohne unsere Zustimmung.

Auch im kommenden Jahr sollen „Moderne Sportstätten“ gefördert werden. Was können die Vereine vom Programm 2022 erwarten?

Tatsächlich richtet es sich in erster Linie gar nicht an Vereine, sondern an die Kommunen. Wichtig ist, dass das zu fördernde Projekt öffentlich zugänglich ist. Als Beispiel wurde ja im Sportausschuss schon der Bolzplatz am Vogelberg genannt, der immer wieder von Vandalismus betroffen ist und zu einer multifunktionalen Fläche umgebaut werden könnte. Fest steht aber auch, dass nicht alle gemeldeten Projekte umgesetzt werden können.

Unabhängig von der Beratung zu Fördergeldern – vor welchen großen Herausforderungen steht der Sport im Allgemeinen und der SSV im Speziellen?

Wir haben viel zu tun, keine Frage. Wichtig ist aber zunächst, dass wir alle erst mal wieder „ans Laufen“ kommen, Wettbewerbe austragen können, der Alltag zurückkehrt. Aber wir müssen auch erreichen, dass sich mehr Leute in den Vereinen engagieren, sei es als Übungsleiter oder im Vorstand. Da gibt es übrigens viele Möglichkeiten, um Vereine zu entlasten – zum Beispiel in Form von Fusionen. Dass so etwas funktionieren kann, zeigt etwa das Beispiel meines Vereins Olympic Taekwondo mit dem TKD Lüdenscheid. Wir haben da viele Entlastungen und sind sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

Stichwort Vorstandsarbeit: Am vergangenen Samstag sind Sie zum vierten Mal zum Vorstandssprecher des SSV gewählt worden. Was reizt Sie an dieser Funktion?

Ich wurde ja 2013 ein wenig reingeschubst, habe das Amt von Bernd Stahlschmidt aber auch gerne übernommen. Ich gehöre zu der Fraktion, die nicht nur meckern, sondern aktiv etwas verändern will.

Welche Veränderung im SSV fällt Ihnen als Positivbeispiel ein?

(lacht) Zum Beispiel der Verzicht darauf, bei den Jahreshauptversammlungen das Protokoll des Vorjahres zu verlesen. Aber im Ernst: Ich habe mich immer gewundert, warum die Absolventen des Sportabzeichens bei der Verleihung zum Tisch gehen und erst mal 5 Euro bezahlen müssen, um ihr Abzeichen zu erhalten. Das fühlte sich für mich falsch an. Deshalb haben wir beschlossen, diese Kosten mithilfe von Sponsoren zu übernehmen. Dann gibt es natürlich einfach positive Momente wie bei der Sportlerehrung, wenn du in die Gesichter dieser stolzen Sportler schaust, die hier ein wenig Lohn für ein Jahr harten Trainings bekommen. Aber es ist auch ein tolles Gefühl, Vereinen durch die Unterstützung bei Förderprogrammen geholfen zu haben, Projekte umzusetzen.

Was lässt Sie verzweifeln?

Eigentlich nichts. Wenn ich Vandalismus an Sportanlagen sehe oder junge Menschen, die in ihrer Freizeit kriminell werden anstatt im Sportverein aktiv zu sein, macht mich das eher traurig und nachdenklich.

Sie blicken auf eine erfolgreiche Karriere als Taekwondoka zurück, haben schon mit neun Jahren angefangen, diesen Sport auszuüben und zahlreiche internationale Erfolge gefeiert. Welche Eigenschaften als guter Kampfsportler sind für Sie im Berufsleben hilfreich?

Diese Kampfkunst geht immer einher mit Tugenden wie Respekt und Durchhaltevermögen, aber auch Kommunikation, weil ich schon sehr früh eigene Trainingsgruppen hatte. Und nicht zuletzt habe ich gelernt, gelassen zu bleiben, Niederlagen muss man im Zweifel einstecken können und den Gegner respektieren.

Und wenn Sie sich eine Profikarriere in einem anderen Sport als Taekwondo aussuchen könnten? Welcher wäre das und warum?

Taekwondo als Profisport war zu meiner Zeit noch nicht möglich. Das hätte ich zweifellos gerne gemacht. Eine Alternative? Vielleicht Golf. Das ist ein Sport, in dem du Demut lernst, bei dem du viel an der frischen Luft bist und der sehr gesellig ist – und wenn man gut ist, kann sich das auch finanziell lohnen.

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