Der Meister wackelt, rettet sich aber ins dritte Spiel

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Die Fans feierten das Highlander-Team trotz der Niederlage.

LÜDENSCHEID – Es fehlte nicht viel, und für den Deutschen Meister und Europapokalsieger TV Augsburg wäre die Spielzeit 2013 bereits am Samstagabend, am 5. Oktober, zu Ende gewesen. Der Titelverteidiger wackelte nach der 8:13-Niederlage im ersten Viertelfinale auch im zweiten Spiel in der Halle des Bergstadt-Gymnasiums, doch die Highlander des LTV 61 verpassten den ganz großen Coup, unterlagen nach Verlängerung 8:9 (2:3, 2:1, 2:2, 0:3, 2:0). So muss die Entscheidung nun im dritten Spiel am 19. Oktober in der Fuggerstadt fallen.

„Da sind dann krasser Außenseiter“, trauerte Carsten Lang direkt nach Spielende einer großen vergebenen Möglichkeit nach. Der Trainer hatte 80 Minuten lang ein gutes Highlander-Team gesehen, aber trotzdem kein so perfektes Spiel wie vor einer Woche. Im ersten Drittel war es Maximilian Klimek, der den Gast dreimal in Führung brachte. Beim 0:1 (3.) und 1:2 (7.) hatte Hnida schön die Vorarbeit geleistet. Das 2:3 (19.) war ein Überzahltor – Danny Kerstholt drückte gerade die Strafbank, als Jonas Mohr Klimeks Schuss etwas unglücklich durch die Schoner rutschte. Was für den TVA an diesem Tag Maximilian Klimek war, war indes für die Highlander Jiri Svejda. Der Tscheche war die Torgarantie für die Gastgeber, wirbelte die Abwehr des Gastes immer wieder durcheinander und zeichnete für beide zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer (5. und 18.) verantwortlich.

Der knappe Rückstand nach dem ersten Drittel ging in Ordnung, die Highlander indes steigerten sich, legten in Sachen Konzentration und Aggressivität in den zweiten 20 Minuten zu. Es war nun ein harter und erbitterter Play-off-Fight mit Vorteilen für die Lüdenscheider. Marlon Czernohous gelang schnell der Ausgleich (23.), Kapitän Falk Elzner mit einem satten Schlagschuss in Überzahl die erste Highlander-Führung (32.). Eine Unterzahl überstanden die Schotten dank toller Mohr-Paraden. Es war das Drittel der Gastgeber, aber es endete überaus unglücklich – acht Sekunden vor der Sirene schlug ein Rückhandschuss aus der Drehung von Alexander Girsig zum 4:4-Ausgleich im Highlander-Tor ein. Ein Treffer zu einem psychologisch denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Das letzte Drittel begann genauso schlecht fürs Lang-Team wie das zweite aufgehört hatte – nämlich mit dem 4:5 durch Maximilian Nies (41.). Svejdas Ausgleich (47.) im Nachschuss war danach auch die Folge der Augsburger Versuche, die knappe Führung nur noch verwalten zu wollen. Das Spiel war nun dramatisch eng. In einer 3:3-Situation wagte kein Team etwas – exakt nach Ablauf der Strafen waren die Highlander aber einmal kurz unsortiert, was Klimek zu seinem vierten Tor und mithin zum 5:6 (53.) nutzte. Doch wieder wirkte der Gast nach der Führung fast ängstlich. Eine Überzahl nach Klimek-Strafe nutzte Svejda, um nach Toren mit Klimek gleichzuziehen – und seinem Team das 6:6 zu bescheren (56.). Dabei blieb es trotz eines offenen Schlagabtauschs in den letzten Minuten. Das bedeutete: Verlängerung.

Es ging um alles, und da passte es ganz schlecht, dass die Highlander trotz des Heimvorteils gerade jetzt die schwächsten zehn Minuten des Tages ablieferten. Hnidas 6:7 (62.) schien noch reparierbar. Dann aber folgten Zeitstrafen für Haaf und Elzner – Strafen, die Carsten Lang später hart kritisierte. Lukas Fettinger nutzte die 4:2-Überzahl jedenfalls mit einem Schuss, in den er den kompletten Frust unzähliger vergebener Chancen aus den regulären 60 Minuten hineinlegte, zum 6:8 (68.), Benjamin Becherer traf bei 4:3-Überzahl zum 6:9.

Es blieben noch zehn Minuten, doch die Partie schien perdu. Und doch wurde es noch einmal hektisch: Svejdas fünftes Tor zum 7:9 (76.) weckte noch einmal den letzten Zuschauer in der Halle. Und das sechste Tor des formidablen Svejda zum 8:9 ließ die Gäste unverhofft noch einmal zittern. Allerdings blieben danach nurmehr 35 Sekunden. Die Highlander versuchten ohne Keeper mit fünf Feldspielern alles, doch der Deutsche Meister rettete den hauchdünnen Vorsprung über die Zeit. Statt Halbfinaljubel hieß es somit für die Schotten: Fortsetzung folgt. Der erste Matchball ist vergeben, das Match deshalb aber noch längst nicht verloren. Man sieht sich in Augsburg.

Thomas Machatzke

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