Der mentale Faktor statt messbarer Werte

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Da war er noch gut auf die Referees zu sprechen: Falk Elzner (Mitte) im Gespräch mit Fabian Stumpf und Sascha Stachowitz sowie Gästekapitän Stefan Gläsel.

LÜDENSCHEID -  Das Verpassen des gesteckten Ziels war haarscharf gewesen, die Leistung irgendwo zwischen gut und sehr gut. Und doch bemühte der Trainer dieses kleine Wörtchen. „Enttäuscht“ sei Carsten Lang gewesen. Nicht allein darüber, dass es nicht geklappt hatte gegen den Deutschen Meister TV Augsburg. Enttäuscht sei er vor allem darüber gewesen, dass „Power und Biss“ der Vorwoche gefehlt hätten.

Wer das verstehen will, muss wohl abtauchen in jene Welt, in der keine messbaren Werte zählen, sondern Deutungen mentaler und psychologischer Aspekte. „Der eine oder andere war mental gehemmt“, sagte Lang. „Wieder eine leichte Verzagtheit“, hatte auch Kurt Otters, Leiter der Abteilung Organisation bei den Highlandern, ausgemacht, „vor einer Woche in Augsburg – da hatten wir nichts zu verlieren. Das war jetzt nicht so.“ Die Highlander des LTV 61 – sie hatten mit dem 13:8-Erfolg in der Fuggerstadt viel erreicht und die Messlatte für sich selbst hoch gelegt. Sie hatten den bestmöglichen Kader beisammen. Es war einer jener Momente entstanden, für den die Band „Höhner“ eine Liedzeile gedichtet hat: Wenn nicht jetzt, wann dann?

„Gekämpft haben wir ja bis zum Schluss“, sagt Lang, aber es war nicht der Kampf mit jener letzten Verbissenheit und Fokussierung gewesen, den er sich gewünscht hatte. Dazu kamen die messbaren Faktoren. Die Zeitstrafen nach dem 6:7, jene 2:4-Unterzahl, die zu zwei weiteren Toren für die Augsburger führte. „Brutal“, nannte Lang die Strafen – Falk Elzner hatte auf die Strafbank gemusst, weil er das Tor verschoben hatte. „Da geht es in diesen Situationen um so viel“, schüttelte Lang den Kopf, „die Strafen haben uns aus dem Konzept gebracht.“

Lang war aber auch ein guter Verlierer. Er kartete nicht nach und schimpfte nicht wegen so mancher – auch verbaler – Nickligkeit der Gäste. Im Gegenteil. „Augsburg ist eine clevere Mannschaft. Sie haben das sehr gut gespielt“, sagt der Iserlohner, „wir waren heute knapp dran. Das ist ärgerlich und traurig. Aber Augsburg ist abgezockt. Dazu muss man gratulieren.“

Vorbei ist es indes noch nicht. Am 19. Oktober kommt es zum Showdown in Augsburg. „Ich sehe durchaus Chancen fürs dritte Spiel, auch wenn der Vorteil nun klar bei Augsburg liegt“, sagt Kurt Otters, der vom Samstag auch die positiven Aspekte mitnehmen will. 250 Zuschauer, die richtig Stimmung machten in der Halle – das war beeindruckend gewesen. „Ich habe selten so eine Begeisterung gesehen“, stellte Otters fest.

„Wir müssen das nun verdauen und sacken lassen“, erklärte derweil Lang, der 14 Tage hat, sein Team für jene 60 Minuten zu rüsten, die nicht die letzten 60 Highlander-Minuten der Saison werden sollen. Wäre dies so, so wären es auch die letzten 60 Minuten für Lang an der Highlander-Bande. Daran will er jetzt nicht denken. „Die Mannschaft hätte sich für eine hervorragende Saison belohnen können. Jetzt wird es brutal schwer“, sagte der Trainer. Sein Pendant Christoph von Külmer derweil macht ihm Mut. Der nämlich ist davon überzeugt, dass auch das dritte Spiel ein enges werden wird. „Es steht 1:1 – jetzt hat jeder einen Matchball“, sagte von Külmer am Samstagabend in der BGL-Sporthalle, „ich denke, dass Nuancen entscheiden werden…“

Thomas Machatzke

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